Rote Karte für Gewalt und Drogen

Rote Karte für Gewalt und Drogen

Resozialisierung mit der Pfeife: Am kommenden Wochenende beginnt in der Wittlicher Justizvollzugsanstalt (JVA) und Jugendstrafanstalt (JSA) die Ausbildung von 20 Gefangenen zu Unparteiischen. Als Fußball-Schiris sollen sie Regeln lernen - und durchsetzen.

Nach erfolgreichen Pilotprojekten unter der Regie des Südwestdeutschen Fußballverbandes in den Gefängnissen in Zweibrücken und Schifferstadt ziehen das nördlichere Rheinland-Pfalz und der Fußballverband Rheinland nach.

Das Sportangebot in der Strafanstalt in Wittlich ist ohnehin beachtlich. Sowohl in der JVA (Justizvollzugsanstalt), in der die Erwachsenen untergebracht sind, als auch in der Jugendstrafanstalt (JSA). Sportlehrer Ralf Kimperle sieht gerade in der sportlichen Betätigung "einen eminent wichtigen Faktor für die Resozialisierung". Dazu kommt auch mal eine Fußballlegende in den Knast: Horst Eckel, Weltmeister-Fußballer von 1954 hat die JVA und JSA schon besucht und für Fußballprojekte und -turniere gerne den Schirmherrn gestellt.

Ein ganz anderer Aspekt als beim Laufen, Tischtennis, Basketball oder Fußballspielen, ergibt sich dagegen, wenn Strafgefangene zu Schiedsrichtern ausgebildet werden. "Vor allem pädagogisch ist das natürlich ein ganz anderer Ansatz", sagt Kimperle zu der vom Fußballverband geförderten Maßnahme, die unter dem Motto "Zeige Gewalt und Drogen die Rote Karte" steht.

Der Diplom-Sportlehrer sieht die gravierenden Unterschiede zu anderweitiger körperlicher Ertüchtigung in der für die Gefangenen veränderten Perspektive: "Sie müssen sich an Regeln halten, sie aber auch vorgeben und vertreten. Sie müssen Entscheidungen treffen, die unparteiisch sind. Das kennen viele aus ihrem bisherigen Leben nicht."

JVA-Personalleiter Rainer Schuler ist besonders angetan, dass sich neben den 20 Inhaftierten, die an der Ausbildung teilnehmen ("Beworben hatten sich mehr als 40"), auch drei Bedienstete, eine Beamtin und zwei Beamte, für den Lehrgang angemeldet haben. "Immer dann, wenn das Personal sich aktiv an Maßnahmen beteiligt, ist die Effizienz besonders hoch", so Schuler, der auch eine Gruppe von Marathonläufern gegründet hat.

Die Schieds richter-Ausbildung wird an den kommenden drei Wochenenden unter der Federführung des Kreis schiedsrichterlehrwarts des Fußballspielkreises Mosel, Mario Saxler, in der Strafanstalt stattfinden. Saxler stehen mit Heiko Kreutz und David Bittner erfahrene Kollegen zur Seite.

Die Abnahme der Prüfung, nach der sich die, die bestanden haben, Schiedsrichteranwärter nennen dürfen, erfolgt am 22. Januar (ausführlicher Bericht folgt).

"Wir unterstützen diese Maßnahme natürlich gerne", sagt Alois Stroh, Vizepräsident des Fußballverbands Rheinland. "Für soziale Projekt sind wir immer zu haben."

Schiri-Prominenz wird wohl auch dabei sein: Der Vorsitzende im DFB-Schiedsrichterausschuss und langjährige Bundesliga- und Fifa-Schiedsrichter Herbert Fandel aus Kyllburg hat sein Kommen für den Prüfungstag zugesagt, "wenn ich nicht durch einen überregionalen Pflichttermin daran gehindert werde."

Stroh: "Wir werden aber sicher einige Honoratioren finden, die durch ihre Anwesenheit die Bedeutung dieser Maßnahme dokumentieren werden."

Hintergrund

Das Projekt "Anpfiff 2010" ist im vergangenen Jahr in der JVA Zweibrücken und der JSA Schifferstadt gestartet worden. Schirmherren waren die rheinland-pfälzischen Minister Heinz Georg Bamberger (Justiz) und Karl Peter Bruch (Inneres). Neben dem pädagogischen Effekt, Regeln einzuhalten, soll den Straftätern nach ihrem Gefängnisaufenthalt die gesellschaftliche Wiedereingliederung über einen Sportverein erleichtert werden. Zudem soll so auch dem Schiedsrichtermangel in den Vereinen entgegengewirkt werden.