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Salmrohr: Routinierte Achse soll mehr Sicherheit geben

Fußball-Oberliga : Routinierte Achse soll mehr Sicherheit geben

Der FSV Salmrohr hat drei erfahrene Kräfte verpflichtet, um in der neuen Oberliga-Saison bestehen zu können. Das Potenzial wurde erhöht. Nun muss die Mannschaft auch raus aus der Komfortzone.

Ganz am Anfang und zum Schluss der rund achtwöchigen Vorbereitung auf die neue Saison in der Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar kam der FSV Salmrohr mächtig in die Bredouille: Im Nachhol-Rheinlandpokalspiel bei der klassentieferen SG Hochwald-Zerf lag man zur Pause bereits mit 0:4 hinten, ehe immerhin noch kräftig Ergebniskosmetik betrieben wurde und es unterm Strich nur 4:5 aus Sicht des FSV hieß. Gründlich daneben ging zuletzt die Generalprobe. Eine Woche vor dem Saisonstart bei der SG 2000 Mülheim-Kärlich kam Salmrohr am vergangenen Samstag daheim gegen Hertha Wiesbach mit 1:6 unter die Räder, war damit noch bestens bedient. Trainer Lars Schäfer war restlos bedient, bat seine enttäuschenden Spieler nach dem Abpfiff sogar noch zu einigen Straf-Sprints. Laufbereitschaft, taktische Disziplin, Passsicherheit: Von all‘ dem war beim FSV im Vergleich mit dem Oberligisten aus der Südgruppe wenig bis nichts zu sehen.

Dabei sahen und sehen sie sich beim Rheinlandpokalsieger von 2019 grundsätzlich auf einem guten Weg und wähnen sich weiter als zu Beginn der vergangenen Kurzsaison, in der nach zwei 2:0-Siegen (just bei den Titelmitfavoriten TuS Koblenz und FV Engers) und sieben zum Teil nur knappen Niederlagen ab Ende Oktober coronabedingt nichts mehr ging. „Wir haben an Qualität dazugewonnen und uns in der Breite verbessert. Der Konkurrenzkampf ist größer geworden“, freut sich Lars Schäfer.

Erfahrene und für Oberligaverhältnisse hochkarätige Neuzugänge zog der FSV an Land. Der Innenverteidigung soll der vom Luxemburger Zweitligisten Union Mertert-Wasserbillig gewechselte und früher auch schon in der Oberliga für die SV Elversberg II und Wiesbach aktive Jan Umlauf (26) zusätzlichen Halt geben. Sollte Routinier Michael Dingels neben Max Düpre (lesen Sie über ihn auch das Portrait im rechten Teil dieser Seite) in die zentrale Verteidigung zurückkehren, könnte der Saarländer auch weiter vorne im  Mittelfeld spielen.

Kapitän Dingels ist neben Torwart Tim Kieren (plagte sich nach seinem Langzeitausfall immer wieder mit kleineren Verletzungen herum) einer der großen Pechvögel der Sommervorbereitung. Aufgrund anhaltender Kniebeschwerden war es dem 35-Jährigen bislang noch nicht möglich, dauerhaft ins Mannschaftstraining zurückzukehren. Gerade im abschließenden Test gegen Wiesbach wurde der unermüdliche Kämpfer vermisst – als Antreiber, Motivator und verlängerter Arm von Coach Schäfer auf dem Platz.

Die anderen beiden namhaften Neuverpflichtungen kehren ins Salmtal zurück. Der defensive Mittelfeldspieler Daniel Bartsch (34) war nach seinem Weggang vom FSV zuletzt vier Jahre beim Luxemburger Erstligisten Victoria Rosport aktiv. Ebenfalls aus der BGL-Ligue, von Etzella Ettelbrück, wechselt Julian Bidon (30). Der Mann für die rechte Außenbahn hatte Salmrohr 2015 verlassen, um zunächst zu Eintracht Trier zurückzukehren. Ein Jahr später zog es ihn dann in den Norden des Großherzogtums.

Um diese und weitere Routiniers wie Torwart Sebastian Grub (33), Regisseur Gustav Schulz (36) und Spieler-Co-Trainer Giancarlo Pinna (32) sollen sich die jüngeren Kräfte im Team weiterentwickeln. „Die Zukunft gehört auch den Jüngeren“, betont der Trainer. Viele andere Kadermitglieder sind erst um die 20. Heiße Kandidaten für die Startelf am Samstag in Mülheim-Kärlich sind so etwa im Mittelfeld Louis Thul (19) oder Marcel Giwer (22).

Lange Zeit waren sie beim 2020er Oberliga-Wiederaufsteiger – seinerzeit reichte der dritte Platz nach der coronabedingt abgebrochenen Saison – auf der Suche nach einem weiteren Angreifer. Extern wurde man dabei bislang aber (noch) nicht fündig. Den Tipp des Sportlichen Leiters Karl-Heinz Kieren, es doch mal mit Nico Toppmöller zu probieren und ihn vom Mittelfeld in die Abteilung Attacke zu beordern, setzte der Coach in die Tat um. „Nico ist für den Gegner sehr unbequem, kann gut den Ball abschirmen und hat auch fußballerisch einiges drauf“, weiß Kieren. Schäfer bescheinigt dem Sohn des früheren FSVers Heinz Toppmöller, es bislang „wirklich gut zu machen“. Damit verfüge er nun neben dem spielerisch guten Marco Unnerstall und Strafraumstürmer Hendrik Thul über einen weiteren Angreifertypen, der „die Bälle gut abklemmen kann und zweikampfstark ist“.

Mit so manchen verletzungs-, berufs-, oder privatbedingten Ausfällen hatten sie (auch) in Salmrohr während der vergangenen rund zwei Monate zu tun. Richtig eingespielt ist die Stammelf deshalb noch nicht. Dennoch war in den Tests gegen unterklassige Mannschaften schon erkennbar, dass der FSV weiter ist, als zu Beginn der vergangenen Saison. Vor einem Jahr gab es noch mühevolle, knappe Siege gegen Bezirksligisten. Diesmal feierte man klare Erfolge gegen die jeweils zwei Etagen tiefer angesiedelten Teams des SV Zeltingen-Rachtig (8:3) und SG Wallendorf (5:1).

„Aber“, merkt der FSV-Trainer kritisch an, „wir haben in keinem Test zu Null gespielt, ein ums andere Mal waren Schläfrigkeiten in unserem Abwehrverhalten das Problem“. Konstanz über volle 90 Minuten vermisst er noch. Knapp vier Jahre steht Schäfer mittlerweile in Salmrohr in der Verantwortung. Der 38-Jährige – einst auch für den Ex-Zweitligisten aktiv und später Co-Trainer unter Peter Rubeck –  fühlt sich wohl im überschaubaren, ruhigen Umfeld, dem Ehrenpräsident Peter Rauen auch mit 76 Jahren noch seinen Stempel aufdrückt. Dass auch er an Resultaten gemessen wird, weiß Schäfer: „Wenn sich alle lieb haben, ist das schön. Aber in erster Linie will auch ich gute Ergebnisse mit den Jungs erzielen.“

Die Wohlfühl-Atmosphäre in positive Resultate umzusetzen, ist die große Aufgabe für Schäfer und seine Mannschaft in der neuen Saison. Vom spielerischen Potenzial her müsste der Klassenerhalt für den FSV Salmrohr jedenfalls (gut) möglich sein.