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Salmrohr: Weder Druck noch Risiko nach dem Überraschungsaufstieg

Fußball : Weder Druck noch Risiko nach dem Überraschungsaufstieg

Fußball-Oberliga: Als Tabellendritter durfte sich der FSV Salmrohr erst spät über den Sprung in die Oberliga freuen. Zu verlieren hat das Team nichts.

Kommen und Gehen: Während mit Jakub Jarecki ein wichtiger Offensivmann den Verein verlassen hat –  der Ex-Regionalligaspieler ging zum Luxemburger Zweitligaaufsteiger Berdenia Berburg – sind zwei sehr erfahrene Akteure zurückgekehrt:  Torwart Sebastian Grub (32) hatte zuletzt einen Stammplatz in der luxemburgischen Eliteklasse bei Etzella Ettelbrück, und auch Gustav Schulz (35) war davor im Großherzogtum aktiv; bei Zweitligist Union Mertert-Wasserbillig. Vom künftigen Ligakonkurrenten Eintracht Trier kam das aus dem benachbarten Klausen stammende Angreifertalent Hendrik Thul (19), von den A-Junioren des JFV Hunsrückhöhe Morbach dessen Cousin Louis. Aus dem JFV Wittlicher Tal, dem auch die Salmrohrer angeschlossen sind, rückten mit Henrik Schömann, Luca Schütz und Alex Kirsch drei weitere Nachwuchshoffnungen auf. Genauso wie Jarecki ging auch Kader Touré nach Berburg. Mit Nico Kieren (studienbedingter Umzug) hat es einen anderen Mittelfeldspieler nach Nordbaden verschlagen. Der 21-Jährige spielt nun für Waldhof Mannheim II in der Verbandsliga.

Der Kader: Trainer Lars Schäfer will den Abgang von Jarecki übers Kollektiv auffangen. Immerhin ist der Topgoalgetter der Vorsaison geblieben und soll auch eine Etage höher viel Torgefahr ausstrahlen: Marco Unnerstall, war in der 2019/20er Runde gleich 16 Mal in nur 18 Spielen erfolgreich. Viel Verantwortung lastet in der Defensive auf Michael Dingels, der nach 16 Jahren bei der Trierer Eintracht vor seiner dritten Runde beim FSV steht. „Micha ist nicht nur leistungsmäßig einer unserer herausragenden Spieler, sondern er gibt auch auf dem Platz die Kommandos“, weiß sein Coach. Mit Anfang 20 verfügen gerade Marcel Giwer, Lucas Lautwein und Daniel Littau über viel Potenzial.

Sorgen bereiten den Salmrohrern gleich fünf Langzeitverletzte: Tim Kieren, Niklas Lames, Louis Thul, Nico Toppmöller und Alex Kirsch werden noch jeweils einige Wochen lang passen müssen. Vorläufig fallen neuerdings zudem Lucas Lautwein und Marvin Munzel mit Adduktorenbeschwerden aus.

Die Trainer: Lars Schäfer (38) amtiert seit Oktober 2017. Damals beerbte er den zurückgetretenen Peter Rubeck und rückte damit von seiner bisherigen Position als Co-Trainer auf. Den Abstieg konnte Schäfer seinerzeit nicht mehr verhindern und wäre mit der Mannschaft in der nachfolgenden Spielzeit ums Haar in die Bezirksliga abgerutscht. Das Finale der Saison 2018/19 war aber furios, als nach einem dramatischen Endspiel gegen Oberligist TuS Koblenz, den Auftaktgegner am Samstag, der  Rheinlandpokal gewonnen wurde. In der Vorsaison setzte sich die Salmtal-Elf dank stabiler Leistungen schnell oben fest  – der frühere Abwehrspezialist Schäfer (einst unter anderem aktiv beim FSV, Eintracht Trier, in Mayen, Engers und Luxemburg) legt viel Wert auf einen geordneten Spielaufbau, gilt vom Typ her als besonnen und ausgeglichen. Nach der Demission von Assistent und „Einpeitscher“ Michael Lofy ist Mittelfeldspieler Giancarlo Pinna Spieler-Co-Trainer. Karl-Heinz Kieren – zugleich Sportlicher Leiter und Zweiter Vorsitzender – bleibt Torwarttrainer.

Die Spielweise: Geschlossenheit, eine gesunde Aggressivität, den unbedingten Willen, sich in der Liga zu behaupten: Das sind für Schäfer Grundprinzipien, um bestehen zu können. Über schnelles Umschalten soll es dann nach vorne gehen. Das System variiert zwischen 4-4-2 und 4-5-1.

Das Umfeld: Die Planungen des Vereins waren noch bis in den Juni hinein voll auf die Rheinlandliga ausgerichtet. Nach einer Abstimmung im Regionalverband Südwest durften neben dem Rheinlandliga-Ersten SG Mülheim-Kärlich dann plötzlich auch noch der Zweitplatzierte TSV Emmelshausen und der beim Abbruch punktgleiche Dritte aus dem Salmtal aufsteigen – ein Entscheidungsspiel der gleichauf liegenden Teams aus dem Hunsrück und der Eifel war pandemiebedingt genauso wenig möglich, wie die Aufstiegsrunde der Zweiten aus dem Saarland und dem Südwesten. „Wir waren einfach total überrascht. Dann haben wir aber gesagt: ‚Wir nehmen die Herausforderung an‘“, sagt Salmrohrs Vorsitzender Christian Rauen. Der Etat (laut Vereinsangaben rund 180000 Euro) hat sich leicht erhöht. Sicherheit gibt das ausgeweitete Engagement des in Daun ansässigen Unternehmens Technisat. Seit rund drei Jahrzehnten bereits Förderer des FSV, fungiert die Firma aus der Unterhaltungselektronik-Branche nun als Trikot- und Hauptsponsor. Über allem steht in der neuen Saison für Rauen die finanzielle Solidität: „Wir haben keine Verbindlichkeiten, und das wird auch dem Aufstieg so bleiben. Mit mir gibt es keine Sperenzchen.“

Die Vorbereitung: In den Vergleichen mit Bezirksligisten tat man sich oft schwer. Sowohl gegen Tarforst (1:3), wie auch gegen die SG Schneifel (2:3) und den genauso wie die beiden Rheinlandligisten in der sechsten Liga angesiedelten Saarländer von Borussia Neunkirchen (0:2) gab es Pleiten. Regionalligist Rot-Weiß Koblenz war Anfang August beim 0:4 eine Nummer zu groß. Trainer Schäfer monierte immer wieder, dass seine Mannschaft die in der Oberliga nötige Härte und Aggressivität habe vermissen lassen.

„Die Vorbereitung war mehr als durchwachsen, ja sogar schlecht. Ich weiß aber, dass die Jungs es viel besser können“, sagt Vorsitzender Rauen.

TV-Prognose: Nichts zu verlieren hat der FSV nach dem überraschenden Aufstieg. Frech und unbekümmert spielen zu können – diese Karte sollten gerade die Jüngeren im Team ausreizen.

Stabilität verleihen Routiniers wie Sebastian Grub, Michael Dingels, Giancarlo Pinna und Gustav Schulz. Nicht mehr aus dem Team wegzudenken sind auch Innenverteidiger Max Düpré und Außenverteidiger Gianluca Bohr. Sollte es in diesem Sextett größere (verletzungsbedingte) Ausfälle geben, wird es aber ganz schwer, den Ligaverbleib zu schaffen.