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Schillingen: Konsequenter Förderer der Jugend und des Offensivfußballs

Fußball : Konsequenter Förderer der Jugend und des Offensivfußballs

Bezirksliga: Wie Trainer Sascha Freytag beim TuS Schillingen frische Ideen einbringt, worauf er Wert legt, und was er noch vermisst.

Das Jahr 2020 wird für Schillingens neuen Trainer Sascha Freytag als ein ganz Außergewöhnliches im Gedächtnis haften bleiben. Nicht nur die Corona-Pandemie, die das Leben weiter nachhaltig bestimmt, sondern auch besondere Ereignisse im privaten und sportlichen Bereich werden für den Schillinger Trainer die Erinnerungen an die zurückliegenden Monate prägen: Im Sommer wechselte der 38-jährige Coach vom saarländischen Landesligisten TuS Nohfelden zum Hochwälder Bezirksligisten, ausgerüstet mit langjähriger Erfahrung und vielen Ideen, den Trainingsbetrieb im neuen Verein aufzufrischen.

Sieben Jahre lang stand der Verwaltungsbeamte bei einer saarländischen Kommunalbehörde in Trainerdiensten des TuS Nohfelden, doch dann brachten sein fußballbegeisterter Vater und der ebenfalls dem runden Leder zugetane Schwiegerpapa Alois Zehren (Geschäftsführer des Trier/Saarburger Vereins SV Freudenburg) den versierten Coach beim TuS Schillingen ins Gespräch, bei dem Trainer Gerd Morgen nach siebenjähriger erfolgreicher Arbeit aufhörte und ins Ruwertal wechselte. Mit seinem Ex-Club vom Bostalsee war Freytag zweimal aufgestiegen. Von der Kreisliga A ging es in die Bezirksliga St. Wendel, von dort aus in die Saar-Landesliga Nord, und nach einer erfolgreichen Saison wurde die Vizemeisterschaft in der achthöchsten Spielklasse errungen.

„Die sieben Jahre in Nohfelden waren für mich prägend und erfolgreich. Dann hat sich aber mein privates Lebensumfeld geändert, und als ich im Dezember vergangenen Jahres nach Kell umgezogen bin, wollte ich sportlich wieder Fuß fassen und habe mich nach einer neuen Herausforderung umgesehen.  Als Schillingen einen neuen Trainer gesucht hat, habe ich schon Anfang März die Fühler in Richtung des TuS ausgestreckt“, spricht Freytag von gegenseitigem Interesse und einem unkomplizierten Vereinswechsel.

Die sportliche Veränderung wurde von privatem Glück begleitet. Gemeinsam mit seiner Frau Stephanie, die er im Oktober ehelichte, baute er in Kell am See ein neues Heim. Nur das Hochzeitsgeschenk seiner neuen Schillinger Mannschaft, die den Freudentag mit einem Sieg gegen die SG Mont Royal Reil verschönern wollte, konnte wegen der 2:4-Heimniederlage nicht eingepackt werden.

Zum Zeitpunkt der pandemiebedingten Saisonunterbrechung belegt Schillingen  als Tabellenneunter einen guten Mittelfeldplatz in der Bezirksligatabelle. Der Klassenerhalt bleibt das Saisonziel im Hochwald. Der TuS gilt in der Liga als Meister der Kompromisse: Vier Siege und einem Remis stehen vier Niederlagen zum Zeitpunkt der Unterbrechung gegenüber, auch das Torverhältnis ist mit 11:11 ausgeglichen. „Der Tabellenplatz ist schon leistungsgerecht. Die Liga ist stark besetzt, wobei der Aufsteiger Ehrang/Pfalzel bislang den stärksten Eindruck auf mich gemacht hat. Unser Ziel ist es jedenfalls, nicht abzusteigen“, betont Freytag. Er ist Freund einer offensiven Spielweise, wie diese in Nohfelden praktiziert und gefördert wurde. Doch mit dem Toreschießen hapert es derzeit noch bei seiner neuen Elf: „Leider ist mit Tobias Anell unser bester Torjäger lange Zeit ausgefallen. Zunächst war er gesperrt und dann verletzt. Er hat uns sehr gefehlt. Auch Christoph Becker, der mit seinen vier Treffern die meisten unserer Tore erzielt hat, musste durch private Verpflichtungen kürzertreten.“

Trotz der aktuellen Probleme plant Freytag konsequent die perspektivische Neuordnung des Teams: „Wir wollen unser Personal optimieren und uns fußballerisch steigern. Wir hatten in den bisherigen Ligaspielen schon wesentlich mehr Ballbesitz als im letzten Jahr. Nur das Spiel nach vorne muss noch verbessert werden. Wichtig ist für mich der Teamgedanke, dem sich jeder einzelne unterordnen muss. Fußballerisch lege ich Wert auf taktische Disziplin und Kreativität, damit wir die nächste Entwicklungsstufe einleiten können“, so der neue Coach.

Auch seine Erfahrungen in der Nachwuchsarbeit will Freytag stärker einbringen. „Ich möchte vor allem die jüngeren Spieler nach vorne bringen und bei ihnen eine Entwicklung sehen. Ich komme aus dem Jugendleistungsbereich und habe früh gelernt, den jungen Spielern Aufgaben zu stellen, die sie voll umfänglich fordern. Vor allem taktisch müssen sich die Jungs fortbilden und mit der Zeit gehen“, will  er seine Erkenntnisse als Coach der C-Jugend-Regionalligaelf der JFG Schaumberg-Prims weitergeben.

So hat Freytag seinen neuen Verein darum gebeten, ein Video-Analyse-Tool einzurichten, aus dem man in wenigen Sekunden über Laptop die wichtigsten Szenen aus dem jeweils aktuellen Spiel anschauen kann. Doch neben den spieltechnischen Erfordernissen ist für den neuen TuS-Coach der Kontakt zu den begeisterungsfähigen Fans im Hochwald besonders wichtig. „Der erste Eindruck ist absolut positiv. Der TuS präsentiert sich als familiärer Verein auf hohem sportlichen Niveau“, fühlt sich der aus Hoppstädten-Weiersbach im Kreis Birkenfeld stammende Freytag in seiner neuen Umgebung wohl.

Was die nähere Zukunft des Amateurfußballs angeht, ist er weniger optimistisch. Die Frage, ob seiner Meinung nach in absehbarer Zeit hier wieder um Punkte gespielt werden kann, beantwortet er mit einem klaren „Nein“: „Wie es weitergeht, ist völlig offen. Ohne mich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, betrachte ich die Planungen des Fußballverbandes als völlig unrealistisch. Wenn wir Ende Februar wieder starten sollen, bedeutet dies, dass wir Ende Januar wieder auf die Plätze zurückkehren müssen und hätten dann in 17 Wochen 25 Spiele vor der Brust. Wenn die Saison bis Mitte Juni abgeschlossen werden soll, würde es dann alle 14 Tage eine englische Woche geben“. 

Sei‘s drum. Auch wenn die sportlichen Perspektiven derzeit noch in grau gemalt werden müssen, behalten die positiven Ereignisse und Aspekte im privaten Umfeld des motivierten Schillinger Trainers bei seiner Jahresbilanz klar die Oberhand.