Tiefe Gräben im Hochwald

Der VfB Lorscheid hat die Spielgemeinschaft mit dem SV Farschweiler zum Saisonende aufgekündigt. "Unzufriedenheit", "Chaos", "Dolchstöße": Nur wenige Worte von Beteiligten genügen, um die aktuelle Situation zu beschreiben. Neben der sportlichen Misere haben vor allem interne Querelen auf Seiten des SV Farschweiler zum Bruch geführt. Spieler und ehemalige Verantwortliche erheben Vorwürfe gegen den Vorstand.

Farschweiler/Lorscheid. Der SV Farschweiler und der VfB Lorscheid gehen in der kommenden Saison getrennte Wege. Die Spielgemeinschaft der Hochwald-Clubs ist damit nach nur vier Jahren am Ende, lediglich im Jugendbereich soll die Kooperation fortgeführt werden. Damit ist der nächste Höhepunkt in einem langen Kapitel von Unstimmigkeiten, Streitereien und Eklats erreicht.

Die Auflösung der Spielgemeinschaft:
Der VfB Lorscheid veröffentlichte am 1. April auf seiner Website eine Stellungnahme zur Auflösung der Spielgemeinschaft. Einer Spielgemeinschaft, die die beiden Vereine 2009 gegründet hatten, nachdem 2005 der VfB Lorscheid erst durch heftige Querelen beim SV Farschweiler als Exilclub für 15 rausgeworfene Spieler gegründet worden war (siehe Hintergrund). In der jüngsten Stellungnahme nennt der Lorscheider Vorstand Gründe für den Bruch: "Unzufriedenheit", "Wechselabsichten von Spielern" und "Beschwerden von Mitgliedern". Vor allem aber habe die "Kommunikation und Zusammenarbeit auf Vorstandsebene" zwischen den Clubs nicht mehr funktioniert. In der Stellungnahme des Lorscheider Vorstands werden auch "interne Querelen beim SV Farschweiler" als Auslöser angeführt. Ein Spieler der SG spricht von "Chaos" im Verein und nennt "Alleingänge" des Vorstands in Farschweiler als Grund für die Auflösung der SG.
Kurz vor Ostern hatte Kim Jakobs, Vorsitzender des VfB Lorscheid und selbst Spieler in der SG, dem Vorstand in Farschweiler die Entscheidung mitgeteilt. "Die Nachricht kam für mich unerwartet, ich war geschockt", sagt Klaus Heinz, 1. Vorsitzender des SV Farschweiler. Heinz bedauert die Art und Weise der Trennung: "Mir wäre es lieber gewesen, sich vorher noch einmal an einen Tisch zu setzen und gemeinsam eine Entscheidung zu fällen. So viel Respekt sollte man seinem SG-Partner zollen."
Klaus Heinz verteidigt sich gegen Vorwürfe: "Man muss die Gesamtsituation sehen. Durch den sportlichen Misserfolg kommt Unzufriedenheit bei den Spielern hoch und es wird über Dinge abseits des Sportlichen geredet. Immer die Schuld beim Vorstand zu suchen ist zu einfach." Der SVF-Vorstand habe laut Heinz den regelmäßigen Kontakt zum VfB gesucht und mit dem ehemaligen Vorsitzenden Bernhard Prümm gut zusammengearbeitet. Ein Einschnitt sei die Vorstandsneuwahl in Lorscheid im Februar 2013 gewesen. "Bis zur Neuwahl gab es keine Anzeichen, die SG zu kündigen", sagt Klaus Heinz. Lorscheids Vorsitzender Kim Jakobs strebt eine saubere Trennung der SG an und betont: "Böses Blut zwischen Vorständen und Spielern gab es in keinster Weise."
Klar ist jedoch: Sowohl in Lorscheid als auch in Farschweiler gab es im Frühjahr 2013 Vorstandswahlen - an einem Strang ziehen konnten die beiden Vereine nach diesen Wahlen offensichtlich nicht mehr.

Die Causa Gorges:
Personelle Querelen haben den SV Farschweiler in den vergangenen Monaten aus der Bahn geworfen. Im Januar 2013 erklärte der Spieler und Jugendwart Christian Gorges gemeinsam mit vier weiteren Vorstandsmitgliedern seinen Rücktritt aus dem Vorstand des SV Farschweiler. "Ich habe versucht, Dinge im Verein zu verändern, doch es hat auf persönlicher Ebene einfach nicht gepasst", erklärt Christian Gorges diesen Schritt. Gorges veröffentlichte auf der offiziellen Vereinswebsite eine Erklärung der zurückgetretenen Vorstandsmitglieder, in der sie ihren Unmut über die Arbeitsweise des Vorstandes äußerten.
"Wir hatten keine ander Wahl"


Der SVF-Vorstand warf Gorges daraufhin die Veröffentlichung von Interna vor und forderte ihn dazu auf, den Beitrag umgehend zu löschen. "Herr Gorges hat einen Fehler begangen. Er wurde nach diesem Vorfall vom Vorstand zwei Mal zu einer Anhörung gebeten und ist nicht erschienen. So gab es für uns keine andere Wahl, als ihn aus dem Verein auszuschließen", schildert SVF-Vorstand Klaus Heinz die Auseinandersetzung. Heinz fügt an: "Allen Vorstandsmitgliedern tat diese Entscheidung leid. Hätte Christian Gorges mit uns gesprochen, hätte es eine andere Lösung geben können. Die Tür steht für ihn weiter offen."
Christian Gorges wurde in einem Vereinsschreiben sein Ausschluss aus dem SV Farschweiler mitgeteilt - wegen "vereinsschädigenden Verhaltens". "Die Art und Weise meines Rauswurfs hat mich geärgert", sagt Gorges, der 25 Jahre lang Mitglied im SVF war. Er habe den Kontakt zum Vorstand nach seinem Rücktritt aus dem Gremium bewusst abreißen lassen: "Ich hatte keine Lust mehr auf die Streitigkeiten im Verein." Der Rücktritt der fünf Vorstandsmitglieder führte zur Vorstandsneuwahlen im März. Bei dieser Wahl wurde der 1. Vorsitzende Klaus Heinz in seinem Amt bestätigt.
Trainer tritt solidarisch zurück


Aus Solidarität mit Christian Gorges trat der Trainer der SG Lorscheid/Farschweiler Sebastian Wahlen freiwillig zurück. "Eigentlich war mir sofort, nachdem ich von der Kündigung Christians seitens des SV Farschweiler gehört habe, klar: Sebastian, eine derartige Ungerechtigkeit kannst du nicht mittragen", sagt Sebastian Wahlen. Gegenüber dem Trierischen Volksfreund findet der Ex-Trainer drastische Worte über den Rauswurf von Christian Gorges: "Jemanden aus dem Verein zu werfen, der so vielfältige ehrenamtliche Tätigkeiten ausübt, ist ein Dolchstoß mitten ins Herz des Vereins."

Die Zukunftsperspektive:
Für den SV Farschweiler ist der Abgang von über zehn Spielern aus Lorscheid ein schwerer Schlag. Nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Klaus Heinz plant der SV Farschweiler, in der kommenden Saison eine eigene Mannschaft anzumelden. Dies kann nur gelingen, wenn genügend Spieler beim SVF bleiben. Ob diese Mannschaft in der Kreisliga B oder C spielen würde, hängt vom Resultat der ersten Mannschaft in der laufenden Saison ab. Aktuell liegt die SG Lorscheid/Farschweiler in der Kreisliga B Mosel/Hochwald auf einem Abstiegsplatz. Bis Saisonende betreut Übergangstrainer Horst-Peter Hurt die erste Mannschaft. Trotz schwieriger Umstände soll der Klassenerhalt gelingen. SVF-Vorstand Klaus Heinz: "Die Mannschaft hat versprochen, bis zum Schluss alles zu geben. Es ist kein Spieler dabei, der nicht zu 100 Prozent motiviert ist."
Der VfB Lorscheid trifft derweil eigenständig Vorbereitungen für die neue Saison. Nach Angaben von VfB-Vorstand Kim Jakobs ist die zukünftige Gestaltung des Spielbetriebs noch nicht geklärt. Allerdings heißt es aus gut informierten Vereinskreisen, dass Lorscheid eine Aufnahme in die benachbarte SG Osburg/Thomm anstrebt, dort aber noch keine entgültige Entscheidung über die Aufnahme gefallen sei.
Extra

Im Juni 2005 entbrannte beim SV Farschweiler eine heftige Auseinandersetzung zwischen den Spielern und dem Vorstand. Der Streitpunkt war die Suche nach einem neuen Trainer. Die Mannschaft und der damalige Vorstand um Bernd Jonas fanden keine gemeinsame Lösung für die Neubesetzung. Der Konflikt eskalierte und führte zur Veröffentlichung eines Offenen Briefs von 18 Spielern, in dem sie ihren Rückzug vom Spielbetrieb erklärten. In dem Schreiben schilderten die Spieler die Konfrontation mit dem Vorstand bei einem Turnier in Farschweiler: "Plötzlich stand ein Teil des Vorstandes und deren Angehörige in der Kabine. Spieler, die dem Verein seit Jahren die Treue halten und sich immer ehrenamtlich engagiert haben, wurden als Rädelsführer, Aufhetzer und Boykotteure beschimpft. In diesen Minuten der Ignoranz wurde die Zukunft des Vereins mit einem Paukenschlag beendet." Der damalige Vorstand des SV Farschweilers kündigte daraufhin 15 Akteuren die Vereinsmitgliedschaft. Im Nachzug dieser Ereignisse wurde im Nachbardorf ein neuer Fußballverein gegründet, in dem ehemalige Spieler des SV Farschweiler eine neue Heimat fanden: der VfB Lorscheid 05. Nach Jahren der getrennten Wege gründeten der SV Farschweiler und der VfB Lorscheid im Jahr 2009 eine Spielgemeinschaft. maw