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Trier: Die zwei großen Torwarttalente aus dem Hause Hülsmann

München/Kaiserslautern/Trier : Die zwei großen Trierer Torwarttalente

Fußball: Ritzy Hülsmann (16) spielt mittlerweile für den FC Bayern München in der B-Jugend-Bundesliga. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Randy eifert ihm nach und ist auch auf dem Sprung zu einem Topverein.

Zwei markante Gemeinsamkeiten haben die Brüder Tom Ritzy und Gregory Randy Hülsmann: Die beiden gebürtigen Trierer wollen nur mit ihrem Zweitnamen gerufen werden – und sind hoffnungsvolle Torwarttalente. Der 16-jährige Ritzy spielt seit gut dreieinhalb Jahren beim FC Bayern München und hatte hier bis zur coronabedingten Saisonunterbrechung einen Stammplatz im B-Junioren-Bundesligateam des deutschen Rekordmeisters. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Randy steht seit Mitte 2018 beim 1. FC Kaiserslautern zwischen den Pfosten. Starke Leistungen haben auch ihn ins Blickfeld von Bundesligisten rücken lassen. Nach TV-Informationen hat unter anderem RB Leipzig großes Interesse, den reaktionsstarken Schlussmann schon in den nächsten Wochen zu verpflichten.

Mutter Katrin sieht den Anfragen für Randy ganz gelassen entgegen: „Wir sind froh, wenn unsere Kinder ihren Traum leben können. Sie haben keinerlei Druck. Wir unterstützen sie aber, wo und wann es nur geht.“ Damit spricht sie auch für ihren Ehemann Rainer, mit dem sie gemeinsam eine Rechtsanwaltskanzlei in Trier betreibt. Auch die beiden anderen Sprösslinge der Familie aus dem Stadtteil Heiligkreuz sollen nicht zu kurz kommen: Ray (9) und Romy (8) spielen genauso wie die Mama leidenschaftlich gerne Tennis und gehen für den TC Trier an den Start.

Wie Ritzys Fußballkarriere so richtig Fahrt aufnahm, weiß Katrin Hülsmann noch ganz genau: Während des Porta-Nigra-Cups des SV Eintracht Trier 05 war es Franz-Beckenbauer-Enkel Dominik, der sie bei der Players Night ansprach und Ritzy nach starken Turnierleistungen zu einem Probetraining nach München einlud. Dort hinterließ der Manuel-Neuer-Fan einen überzeugenden Eindruck. Weil er anfangs noch zu jung fürs Bayern-Internat war, betreuten ihn seine Eltern in den ersten Monaten im wöchentlichen Wechsel in einer eigens in München angemieteten Wohnung. Inzwischen lebt der wie sein Bruder Randy aus dem VfL Trier hervorgegangene Ritzy mit rund 40 weiteren Nachwuchsspielern auf dem FC-Bayern-Campus am nördlichen Stadtrand. Pädagogen kümmern sich um die jungen Fußballer und halten auch die Elternhäuser auf dem Laufenden. „Es gibt regelmäßige Telefonate und einen vertrauensvollen Austausch. Die Betreuung ist sehr gut“, lobt Katrin Hülsmann.

 Randy Hülsmann
Randy Hülsmann Foto: Hülsmann

Regelmäßig reist die Familie nach München, telefoniert wird sowieso täglich. Bereits jetzt ist Ritzy Mandant einer professionellen Berateragentur, die vom früheren Bundesligaspieler Thomas Kroth geleitet wird. Große Geldbeträge sind aber (noch) nicht das Ziel dieser Zusammenarbeit. Ritzys noch bis Mitte 2022 datierter Vertrag beinhaltet neben Kost und Logis ein Taschengeld von „ein paar Hundert Euro“, wie Katrin Hülsmann durchblicken lässt. Schule, Hausaufgaben, fast jeden Tag Training: Wenn nicht gerade Corona den Plan durcheinanderwirbelt und Fernunterricht angesagt ist, sind die Tage streng durchgetaktet.

Bei allen Annehmlichkeiten – in der Mensa kocht das Team eines Sternekochs sportlergerechte Nahrung ohne Zucker und Sahne – ist eiserne Disziplin angesagt. Sanktionen folgen auf dem Fuß, wenn jemand gegen die Regeln verstößt. „Einmal sollte ich den Greenkeepern bei der Pflege der Außenanlagen helfen“, gibt Ritzy zu – und schiebt gleich hinterher:  „Entweder kam ich zu spät zum Essen oder mein Zimmer war unordentlich. Ehrlich gesagt weiß ich das gar nicht mehr so exakt.“

Genauigkeit verlangt dagegen das Torwartspiel bei den Bayern ab. Nach seinem Wechsel Mitte 2017 von Eintracht Trier sei der Unterschied „schon krass“ gewesen, gibt Ritzy zu. Was das Spiel auf der Linie angeht, sei er direkt gut zurechtgekommen. „Doch an der Fußarbeit und in der Spieleröffnung musste ich extrem zulegen.“ Als Lehrmeister fungieren mit Trainer Danny Schwarz und Torwartcoach Simon Jentzsch zwei Fachmänner, die selbst jahrelang in der Bundesliga aktiv waren.

Training ist momentan für eine Profi-Nachwuchsmannschaft trotz Corona möglich. Bei Jugend-Bundesliga-Spielen oder Turnieren kann der Moselaner im Tor der Bayern sein Talent derzeit nicht unter Beweis stellen. An internationale Einsätze erinnert er sich in diesen Tagen besonders gerne zurück, darunter jene im amerikanischen Orlando: Da hatten die Bayern am Ende nicht nur die Nase vorne, sondern er wurde zum Torwart des Turniers gewählt. Niemand anderes als der frühere italienische Topstar Alessandro del Piero überreichte ihm da die Trophäe.

Dass Ritzy nur auf die Karte Fußball setzt, kommt aber weder für den FC Bayern noch für die Eltern  infrage. Im Sommer schließt der 1,98 Meter große Keeper die Realschule ab und plant anschließend, eine Fachoberschule in München zu besuchen. Einen großen Bildungs­unterschied machte er nach seinem Umzug zwischen Rheinland-Pfalz und Bayern aus, weswegen er das Gymnasium wieder verließ.

In Kaiserslautern besucht auch Randy (1,86 Meter) ein Internat und teilt sich hier das Zimmer mit dem ebenfalls aus den Reihen der Eintracht hervorgegangenen Daniel Imafidon aus Nittel – der FCK kooperiert mit dem Heinrich-Heine-Gymnasium. Als Eliteschule des Sports bietet man hier bereits vormittags zusätzliche Übungseinheiten für talentierte Fußballer an. Randy ist bereit für den nächsten Schritt. Er will seinem Bruder nacheifern und spricht ebenfalls offen vom ehrgeizigen Ziel, einmal in der Bundesliga zu spielen.

Dabei müssen beide durch ein Nadelöhr. Die Wahrscheinlichkeit, als Spieler eines Nachwuchsleistungszentrums auf der Strecke zu bleiben und es nicht bis ganz nach oben zu schaffen, ist weitaus höher, als einmal Profi bei einem Topclub zu werden.

Katrin Hülsmann bleibt entspannt und freut sich mehr über das, was ihre beiden Söhne bislang schon erreicht haben: „Egal was kommt: Die Erfahrungen und Eindrücke kann ihnen keiner mehr nehmen.“