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Trier/Region: Viele Fragezeichen und ein großer Wunsch

Fußball : Viele Fragezeichen und ein großer Wunsch

Fußballverband startet Online-Dialoge mit der Basis: Die Furcht vor gravierenden Auswirkungen der monatelangen Pause gerade auf die Jugend wächst. Im März sollen alle Vereine darüber abstimmen, ob sie weiterspielen wollen.

Seine Zuversicht hat Walter Desch nicht verloren. Obwohl von der heutigen Bund-Länder-Konferenz keine weiteren Schritte hin zur Normalität zu erwarten sind und damit auch eine Rückkehr hin zum Mannschaftssport noch in weiter Ferne scheint, bekräftigte der Präsident des Fußballverbandes Rheinland (FVR) am Montagabend im ersten von fünf Teilen der Online-Dialoge mit den Vereinsvertretern seine Hoffnung: „Wenn wir Mitte März wieder auf den Platz zurückkehren dürfen, könnten wir gut zwei Wochen später, an Ostern, vielleicht schon mit einem Doppelspieltag wieder loslegen.“ Dann wäre der Abschluss der Hinrunde in allen FVR-Spielklassen – ob bei den Herren, den Frauen und der Jugend – von der Rheinlandliga abwärts noch realisierbar. „Folglich kämen wir am Ende der Saison zu einer sportlichen Regelung und zu Auf- und Absteigern.“

Den Spielbetrieb zu gewährleisten, sei die Aufgabe des Verbandes, betonte Desch. Demzufolge wäre ein Abbruch der Saison die „schlechteste Variante“. Es könne nicht im Sinne des Verbandes sein, „wenn der Fußball von November bis August völlig brachliegt“. Gerade für den Nachwuchs sei Sport im Verein sehr wichtig. „Je länger nichts passiert, desto höher sind auch die Zahlen der Vereinsaustritte und derer, die sich vom Fußball abwenden“, befürchtet Desch. 

Was die 18er Spielklassen angeht, würde das Zeitfenster immer schmaler werden, wenn ein Start an  Ostern doch noch nicht erlaubt wäre. Entspannter ist die Lage in den allermeisten Kreisligen, wo es auch noch später losgehen könnte – und auch bei der Jugend und den Frauen. Gerade hier gibt es oft kleinere Staffeln, und es könnte noch bis zum Beginn der Sommerferien Mitte Juli gespielt werden. „Wenn wir über das reguläre Saisonende am 30. Juni hinausgehen, können die Mannschaften noch mit den bestehenden Altersjahrgängen weiterspielen“, betonte Verbandsjugendleiter Peter Lipkowski.

Eine Bestandsaufnahme, wie es bei den Juniorinnen aussieht, will Ina Hobracht am 11. März machen: Bis dahin erwartet sie aus den neun Spielkreisen Rückmeldungen, wie viele Jugendmannschaften nach dem zweiten, wochenlangen Shutdown seit März vergangenen Jahres überhaupt noch übrig geblieben sind: „Da sieht es teilweise dramatisch aus. Mädchen suchen sich manchmal schneller ein anderes Hobby als die Jungs – und spielen dann keinen Fußball mehr.“

Während bei den Herren die Pokalwettbewerbe im Zweifelsfall Priorität haben sollen (TV berichtete), stellte Desch in der Online-Konferenz den Vereinen die Idee vor, dass sie auch nach einem Saisonabbruch orientiert am etatmäßigen Spielplan noch offizielle Freundschaftspartien austragen könnten, um so langsam wieder Spielpraxis zu erhalten.

In einer Videoschalte mit Innenminister Roger Lewentz (SPD) will der FVR-Boss am Donnerstag seine Wünsche äußern, was die Wiederaufnahme des Spielbetriebs an Ostern, die Anzahl der auf dem Platz zugelassenen Spieler (möglichst in Kaderstärke, also 18 pro Team) und eine landesweite Einheitlichkeit der Regelungen über Kreisgrenzen hinweg angeht (zum Beispiel, was die Zulassung von Zuschauern betrifft).

Kein Fall sei ihm bekannt, wo es im vergangenen Jahr zu einer Corona-Infektion auf dem Platz selbst gekommen sei. „Anders verhält es sich unter den Duschen, in den Kabinen – und dann veröffentlichten einige Mannschaften noch Bilder im Internet, wie sie auf einem Haufen zusammenhängen.“  Die Profis machten es vor. „Andererseits kann man das nicht als Vergleich hinzuziehen. Schließlich werden sie mehrfach die Woche getestet.“  Wie man in kleinen Kabinengebäuden den aktuell hohen Hygienevorgaben Rechnung tragen kann, dass es womöglich auch gesundheitliche Schäden nach sich zieht, ungeduscht nach Hause zu fahren, und Auswärtstouren  in vollbesetzten Autos:  In der Online-Konferenz wurden viele Sorgen der Vereinsvertreter deutlich, wie schwer es im Einzelfall ist, Corona-Regeln in der Praxis einzuhalten.

Die Corona-Lage ist nach Angaben von Politikern und Virologen weiter „dynamisch“. Kein Wunder, dass derzeit auch für den Amateurfußball vieles noch unklar ist.  FVR-Rechtswart Norbert Weise ließ durchblicken, dass „wir spielen müssen, wenn die Politik uns dafür grünes Licht gibt“. Die Frage ist aber, ob es dann noch reicht, die Saison zu Ende bringen zu können. Gleichwohl will der Verband ähnlich wie im vergangenen Frühjahr erneut eine Vereinsbefragung starten, um herauszufinden, ob die Mehrheit fürs Weiterspielen oder einen Abbruch und damit eine Annullierung der Saison 2020/21 ist.

Viele Szenarien spielen sie aktuell beim FVR durch. Möglich ist so etwa auch, dass in zwei A-Ligen der Meister durch die Wertung der Hinrunde ermittelt wird und in eine der drei Bezirksligen aufsteigt, es in einer dritten A-Klasse aber zu einer Annullierung kommt. „Dann können wir die beiden anderen dafür ja nicht bestrafen und müssten für das Team aus der abgebrochenen Liga eine Lösung finden“, so Desch. 

Fast in allen 21 Landesverbänden des Deutschen Fußball-Bundes gebe es aktuell die gleichen Überlegungen und Diskussionen. In Hamburg dagegen wird am 4. März über einen Saisonabbruch abgestimmt. Hier sieht der FVR-Präsident vor allem infrastrukturelle Hintergründe: „Die städtischen Anlagen werden dort oft von mehreren Mannschaften kurz hintereinander genutzt.  Mit den in der Corona-Phase vorgegebenen zeitlichen Puffern zwischen den Spielen kann das Programm so aber nicht durchgezogen werden.“