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Trier/Saarbrücken: Schleimers Wechsel in die „verrückte Liga“

Fußball : Schleimers Wechsel in die „verrückte Liga“

Fußball: Einige Höhen und Tiefen hat der Mittelfeld-Allrounder vier Jahre nach seinem Wechsel vom TuS Mosella Schweich zum 1. FC Nürnberg schon mitgemacht. Seit einigen Wochen spielt der 20-Jährige für den 1. FC Saarbrücken. Warum er auch beim Drittligisten manchmal nur auf der Bank sitzt, sich aber hier trotzdem sehr wohlfühlt.

Nur noch knapp 100 Kilometer statt wie bislang vier Mal so viel: Wenn Lukas Schleimer seine Familie im Trierer Stadtteil Pfalzel besucht, hat die 20-jährige Mittelfeld-Allzweckwaffe jetzt einen viel geringeren Anfahrtsweg. Anfang Oktober ließ er sich kurz vor Transferschluss vom Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg an den Drittligaaufsteiger 1. FC Saarbrücken ausleihen.

Heimatliche Gefühle waren aber nicht ausschlaggebend für Schleimers Wechsel ins Saarland, wie sein aus Schillingen (Kreis Trier-Saarburg) stammender Berater Nico Klemens im Gespräch mit dem TV durchblicken lässt: „Auch zwei andere Drittligisten hatten Interesse. Nürnberg stimmte einer Leihe bis nächsten Sommer aber erst zu, als der FCS anfragte.“ Club-Trainer Robert Klauß kennt und schätzt seinen Saarbrücker Kollegen Lukas Kwasniok und sieht Talent Schleimer bei ihm bestens aufgehoben.

„Hier bin ich viel näher dran an der ersten Elf und kann auf einem sehr guten Niveau Spielpraxis sammeln“, bekennt der aus dem TSC Pfalzel hervorgegangene und vor fast vier Jahren zunächst in die Nachwuchsabteilung des 1. FC Nürnberg gewechselte Schleimer.

Der Anfang in Franken war schwer: In seinem ersten halben Jahr kam Schleimer nur zu zwei Einsätzen in der A-Junioren-Bundesliga Süd: „Ich musste erst mal körperlich auf das Niveau kommen, hatte noch zwei Monate nach meinem Wechsel Muskelkater.“ Doch Schleimer biss sich durch und fand in Club-Legende Marek Mintal, seinem Trainer in der Jugend und später auch in der zweiten Mannschaft, einen großen Förderer.

Im vergangenen Winter durfte Schleimer nach reihenweise starken Auftritten beim FCN II in der Regionalliga Bayern sogar mit ins Trainingslager der Profis. Zuvor hatte er bereits in der zweiten Bundesliga zumindest auf der Ersatzbank Platz nehmen dürfen. Zur neuen Saison unterschrieb er dann einen Profivertrag bis 2022.

Doch die Nürnberger kämpften bis zum Schluss um den Klassenverbleib, retteten sich erst mit der letzten Aktion im Relegations-Rückspiel beim FC 04 Ingolstadt. Zeit, Talente behutsam aufzubauen, blieb da nicht. Zur neuen Saison gab es wieder ein umfangreiches Stühlerücken beim neunfachen Deutschen Meister. „Durch die Corona-Bestimmungen war es außerdem nicht mehr möglich, so leicht zwischen den Profis und der U21 hin- und herzupendeln“, weiß Berater Klemens.

Saarbrücken war früher schon mal an seinem Klienten interessiert – und griff nun zu. Sportdirektor Jürgen Luginger beschreibt die Vorzüge Schleimers so: „Lukas ist in der  Offensive flexibel einsetzbar und verfügt über großes Potenzial. Trotz seines jungen Alters besticht er mit einem guten Gespür für die entscheidenden Situationen in Richtung gegnerisches Tor und verfügt dabei selbst über sehr gute Abschlussqualitäten.“

Sein Debüt im blau-schwarzen Dress hätte besser nicht laufen können: Mitte Oktober in der 75. Minute des Heimspiels gegen die SpVgg Unterhaching eingewechselt, bereitete Schleimer noch beide Treffer zum 2:1-Erfolg vor.

Beim 1:2 gegen den SC Verl durfte er dann sogar von Beginn an ran, ehe er nach gut einer Stunde ausgewechselt wurde. Ein Kurzeinsatz beim 0:1 gegen den KFC Uerdingen folgte. Bei den beiden jüngsten Siegen der so stark gestarteten und aktuell auf Platz eins rangierendem Saarbrücker in Duisburg (3:2) und gegen Dynamo Dresden (2:1) schaute Schleimer indes nur von außen zu. Doch als Rückschläge wertet der Moselaner in Diensten der Saarländer das nicht: „Ich konnte nicht davon ausgehen, jetzt jede Woche zu spielen.“ Immerhin sei er in eine gewachsene Mannschaft hineingekommen, die in der Vorsaison nicht nur die Regionalliga Südwest dominiert habe, sondern nicht umsonst auch im DFB-Pokal bis ins Halbfinale vorstieß, sagt Nico Klemens. Zudem  habe sich der FCS mit den Zweitliga-erfahrenen Maurice Deville und Nicklas Shipnoski für die Offensive bedeutend verstärkt. Schleimer wohnt nur wenige Minuten entfernt vom Trainingszentrum des FCS am Ludwigspark und hat sich „in der intakten Mannschaft schon sehr gut eingelebt“, wie er durchblicken lässt. Die dritte Liga bezeichnet er als „verrückt“. Hier könne eigentlich jeder jeden schlagen. Nicht mit 100 Prozent zu spielen werde meist sofort bestraft.

Bei der nächsten Aufgabe des FCS am morgigen Freitag hofft er, nun wieder Einsatzminuten sammeln zu können: Dann steigt das Gipfeltreffen beim Tabellenvierten Viktoria Köln.

Coach Kwasniok beschrieb seinen Schützling in einem Interview unlängst so: „Er hat etwas von einem Straßenköter, der überall rumschleicht und dann irgendwo auftaucht, wo man nicht mit ihm rechnet. Wir haben viele englische Wochen. Da bekommt jeder seine Chance.“

Schleimer gefällt die Unbekümmertheit, mit der sie beim Neuling zu Werke gehen: „Wir haben überhaupt keinen Druck, schauen nur auf das nächste Spiel. Erst, wenn wir in drei, vier Monaten noch oben stehen, geben wir vielleicht ein konkretes Ziel aus.“

Auch für Berater Klemens sind die dritte Liga („Sie ist kaum schwächer als die zweite Liga.“) und speziell der 1. FC Saarbrücken eine gute Gelegenheit für Schleimer, weiterzukommen. Bis Ende der Saison will dieser nun beim FCS so viel Spielpraxis wie möglich sammeln. „Das große Ziel bleibt, mich beim 1. FC Nürnberg durchzubeißen“, stellt er klar.

Bei einer Rückkehr an die Noris und einem Sprung in den Profikader würde er dann auch sicher die wieder viel längere Strecke nach Hause locker wegstecken können.