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Was macht eigentlich ... Anton Weiszenbacher?

Zeitdokument aus dem Jahr 1986: Anton Weiszenbacher reckt auf dem Flughafen Bukarest umgeben von der rumänischen und sowjetischen Flagge den Landesmeister-Pokal in die Höhe. Kurz zuvor hatte Steaua im Finale in Sevilla den FC Barcelona niedergerungen. Fotos: Andreas Feichtner (1), privat (3)
Zeitdokument aus dem Jahr 1986: Anton Weiszenbacher reckt auf dem Flughafen Bukarest umgeben von der rumänischen und sowjetischen Flagge den Landesmeister-Pokal in die Höhe. Kurz zuvor hatte Steaua im Finale in Sevilla den FC Barcelona niedergerungen. Fotos: Andreas Feichtner (1), privat (3)
Trier. Vor knapp 25 Jahren schrieb Anton Weiszenbacher mit dem rumänischen Armeeclub Steaua Bukarest Geschichte: Er gewann den Europapokal der Landesmeister (heute Champions League) nach dem Finalsieg gegen den FC Barcelona. Seit fast 20 Jahren fühlt sich "Toni" in Trier rundum wohl.

Juni 1986: Sie sind 21 Jahre jung, recken den Landesmeister-Pokal in den Bukarester Nachthimmel, kurz nach der Rückkehr vom Finalsieg mit Steaua Bukarest gegen den FC Barcelona. Toni Weiszenbacher, was geht Ihnen 25 Jahre später durch den Kopf?

Das war schon toll. Diese Atmosphäre vor 80 000 Zuschauern in Sevilla. Das kannten wir aus Rumänien nicht. Dann hält unser Torwart Helmuth Duckadam im Elfmeterschießen vier Elfmeter - er wurde zum Helden, und wir gewinnen den Pokal. Ein echtes Erlebnis.

Wie war Ihre Rolle im Team?

Keine leichte. Ich hatte einige Spiele im Europapokal gemacht. Aber im Finale saß ich nur auf der Bank, hoffte vergeblich auf die Einwechslung. Danach wurde ich Stammspieler.

Es war wohl das größte Jahr in der Geschichte des osteuropäischen Fußballs…

Sicher! Das merkst du schon als junger Spieler. Das ist eine einmalige Sache. So etwas kommt nicht wieder. Aber es war eine andere Zeit in einem kommunistischen Land. Es gab auch keine richtige Prämie.

Haben Sie noch Kontakt zu den alten Kollegen?

1996 habe ich in der Neuauflage des Finals von 1986 nochmal mit der alten Mannschaft in Bukarest gegen Barcelona gespielt. Aber Kontakt gibt's keinen mehr. Ich bin ja seit fast 20 Jahren in Deutschland und nur noch ab und zu in Rumänien. Alles hat eben seine Zeit.

Wie kam es eigentlich 1991 zum Wechsel nach Trier?

Alexander Szatmari hat mich angesprochen, so kam ich nach Trier (Anm. der Red.: Szatmari, ebenfalls Rumäne, war damals SVE-Vizepräsident).

In den Neunzigern waren sie bei der Eintracht Mr. Zuverlässig in der Abwehr. Ihre schönste Erinnerung in Blau-Schwarz?

Das waren natürlich die Pokalsiege gegen Schalke und Dortmund 1997 Aber auch an die Aufstiegsrunden kann ich mich gut erinnern - etwa an das legendäre Wiederholungsspiel gegen den SSV Ulm, das wir in letzter Minute gewannen.

Sie hatten in acht Jahren bei der Eintracht neun Trainer. Wer war der beste?

Über manche Trainer will ich lieber nichts sagen. Der beste Trainer war Udo Klug. Schade, dass er so früh gestorben ist.

Was machen Sie heute?

Ich arbeite bei Estrich Schlag in Mehring und mache so ziemlich alles, was mit Estrich zu tun hat. Bis Weihnachten steht noch jede Menge Arbeit an.

Sie trainieren auch die zweite Mannschaft des SV Mehring in der A-Liga.

Ja. Aber in diesem Jahr wird nicht mehr trainiert. Bringt ja nix bei diesem Wetter. Und wir spielen erst wieder im März.

Sie waren bei der Eintracht einer der letzten klassischen Liberos. Wird man wehmütig, dass die Position im modernen Fußball ausstirbt?

Ich habe alles in der Abwehr gespielt. Links, rechts, am Mann, Libero. In Mehring spiele ich heute noch mit Libero. Da gehe ich lieber auf Nummer sicher - gerade in der Kreisliga, wo man keine richtigen Linienrichter hat und dauernd irgendjemand "Abseits" reinruft.

Wie heißen Sie eigentlich mit Vornamen - Antal oder Anton?

Bei der Eintracht stand im immer "Antal". Keine Ahnung, warum. Ich heiße Anton, das steht auch so in meinem Pass.

Interview: Andreas Feichtner

Zur Person

Anton "Toni" Weiszenbacher, geboren am 20 Januar 1965, begann seine Fußball-Karriere in der ersten rumänischen Liga in seiner Heimat Baia Mare. Als 20-Jähriger wechselte der zweifache Nationalspieler zu Steaua Bukarest. Dort wurde er 1986 Europapokal-Sieger der Landesmeister. Nach Stationen in Craiova und Oradea zog es Weiszenbacher im Jahr 1991 mit seiner Frau Ildiko und Sohn Rolland (damals drei Monate alt) nach Trier. Bei der Eintracht war der Abwehr-Allrounder zwischen 1991 und dem Karriereende 1999 praktisch immer Stammspieler. Weiszenbacher lebt mit Ildiko, Rolland und Tochter Caroline (14) in Trier. (AF)

1991: Seine erste Saison bei Eintracht Trier. Er blieb bis zum Karriereende im Jahr 1999.
1991: Seine erste Saison bei Eintracht Trier. Er blieb bis zum Karriereende im Jahr 1999.
1987: Weiszenbacher mit dem europäischen Supercup nach dem Sieg gegen Kiew.
1987: Weiszenbacher mit dem europäischen Supercup nach dem Sieg gegen Kiew.