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Was macht eigentlich ... Rudi Gores

Rudi Gores in seiner Wahlheimat Mönchengladbach. Große Hoffnungen auf den Klassenerhalt seines früheren Vereins hat der 53-Jährige nicht mehr. Das kleine Foto zeigt ihn als 26-Jährigen bei Fortuna Düsseldorf. Foto: Detlef Ilgner
Rudi Gores in seiner Wahlheimat Mönchengladbach. Große Hoffnungen auf den Klassenerhalt seines früheren Vereins hat der 53-Jährige nicht mehr. Das kleine Foto zeigt ihn als 26-Jährigen bei Fortuna Düsseldorf. Foto: Detlef Ilgner
Trier. Er wurde als Spieler Uefa-Cup-Sieger, stieg als Trainer in die zweite Liga auf: Der langjährige Bundesliga-Stürmer Rudi Gores (53) spricht über Trainerfluktuation in der Bundesliga und über die goldenen 70er bei Borussia Mönchengladbach. Interview: Andreas Feichtner

Herr Gores, Christoph Daum heuert in Frankfurt an, Magath wechselt von Schalke nach Wolfsburg, Heynckes kehrt wohl zu den Bayern zurück. Mal aus Trainersicht gefragt: Spielt die Bundesliga in dieser Saison verrückt?

Es gibt in dieser Saison viele Überraschungen, dazu muss man sich nur die Tabelle anschauen. Und was das Trainergeschäft angeht: Das habe ich in dieser Form noch nicht erlebt. Diese Wechselhäufigkeit kannte man eher von Spielern. Jetzt drehen die Trainer den Spieß mal um.

Auch Ihr langjähriger Verein in Ihrer Wahlheimat Mönchengladbach hat vor kurzem den Trainer gewechselt. Ist die Borussia in diesem Jahr noch zu retten?

Offen gesagt glaube ich nicht mehr an den Klassenerhalt. Dafür hat man in der Hinrunde zu lange am Trainer festgehalten. Es war zu erkennen, dass es die Mannschaft so nicht schaffen würde - auch wenn ich Michael Frontzeck gut kenne und sehr schätze.

1976 wechselten Sie als 18-Jähriger vom SV Gerolstein zu Borussia Mönchengladbach. Wie lief das damals ab?

In Gerolstein bin ich zum Jugendnationalspieler geworden, damals in der A-Jugend. Der SV Gerolstein hatte damals eine herausragende Jugendarbeit. Ich hatte viele Angebote und habe mich für Mönchengladbach entschieden. Es war ein Ritterschlag, damals in so eine Weltklassemannschaft zu kommen. Udo Lattek hatte mich damals geholt.

In ihrem ersten Jahr verteidigte Gladbach den Meistertitel und verlor erst im Finale des Cups der Landesmeister gegen Liverpool. Sie kamen noch nicht zum Einsatz. Haben Sie sich trotzdem als fester Teil der Teams gesehen?

Das erste Jahr war eine Lernphase, da bin ich drei Mal die Woche zum Training gefahren und habe in Gerolstein mein Abitur gemacht. In den Jahren danach war es nicht so einfach - da waren Spieler wie Allan Simonsen, Calle Dell'Haye, Jupp Heynckes. Da musste man Tag für Tag und Woche für Woche Top-Leistungen abrufen, sonst war man ganz schnell weg vom Fenster. Wenn man sich da durchgebissen hat, hatte das schon was zu bedeuten.

1979 kamen Sie regelmäßig zum Einsatz. In der Liga war Gladbach nur noch Mittelmaß, aber Sie gewannen den Uefa-Cup. War das ihr größter Moment in Gladbach?

Ach, man vergisst gern mal, dass wir auch 1980 noch im Uefa-Cup-Endspiel gestanden haben, gegen Eintracht Frankfurt. Und dass wir 1979 auch gegen die Boca Juniors um den Weltpokal gespielt haben. In der Saison hatte uns Simonsen verlassen, ein Weltklassespieler. Man brauchte immer das Geld, das war vorher mit Netzer so und später mit Matthäus. Die mussten verkauft werden, damit Geld in die Kasse kam. Es war schon eine Leistung für ein 300 000-Seelen-"Dorf", sich so lange in der Weltspitze zu halten.

Es ist auffällig, wie viele Ihrer Gladbacher Teamkollegen später als Trainer in Profiteams arbeiteten - etwa Schäfer, Veh, Stielike, Heynckes, Köppel, Vogts oder Matthäus. Ist diese Häufung ein Zufall - oder liegt es am Erfolg oder den Trainern, die Sie hatten?

Es war eher so: Es gab so eine Philosophie in der Mannschaft, die einen Trainer fast überflüssig gemacht hat. Wir haben interne Prozesse auf dem Platz oder in der Kabine selbst geregelt, weil wir so vernarrt waren, wenn wir dieses Trikot anhatten. Unsere Stärken waren: Wir konnten uns aufeinander verlassen - und wir konnten nicht verlieren.

Sie haben mit 29 Jahren Ihre Spielerkarriere beendet. Warum so früh?

Ich habe andere Schwerpunkte gesetzt. Zum einen gab's die Familie, zudem hatte ich Probleme mit dem Knie. Ich hatte damals auch in Köln den Fußballlehrer gemacht und später in Heidelberg studiert.

Mit Rot-Weiß Essen sind Sie in die Zweite Liga aufgestiegen, später trainierten Sie Wuppertal. Kamen danach keine brauchbaren Cheftrainer-Anfragen mehr?

Ich habe mich anders orientiert. Ich war insgesamt vier oder fünf Jahre im Ausland, als Assistent von Bernd Krauss in Dubai, Abu Dhabi oder in Teneriffa. Seit zwei Jahren bin ich wieder in Mönchengladbach. Zwischen April und November bin ich regelmäßig auf Mallorca in der Fußballschule von Rudi Völler.

Haben Sie noch Kontakte in die Eifel? Mein Bruder wohnt in Eisenschmitt, meine Schwester in Gerolstein. Wir telefonieren regelmäßig. Aber ich bin natürlich nicht mehr so oft dort wie früher, als meine Schwiegereltern noch das Vereinslokal des SV Gerolstein hatten, das Hotel zur Linde.

Interview: Andreas Feichtner

ZUR PERSON



Stürmer Rudi Gores schaffte es aus der Jugend des SV Gerolstein 1976 in den Kader des damaligen Top-Clubs Borussia Mönchengladbach (Meister 1975, 76, 77). Sein persönlich bestes Jahr in Gladbach hatte er 1979 mit 24 Bundesliga-Einsätzen. Zudem spielte er von Beginn im Uefa-Cup-Final-Rückspiel gegen Belgrad (1979, 1:0). 1979/80 wurde sein früherer Mitspieler Jupp Heynckes sein Trainer. Gores bestritt 98 Bundesliga-Spiele (16 Tore) für Gladbach, Duisburg und Düsseldorf sowie 62 Zweitliga-Spiele für Fortuna Köln, TeBe Berlin und Aschaffenburg. Als Trainer stieg er 1996 mit Essen in die Zweite Liga auf. AF