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Wie zwei Bitburger Jungs die Alten mitreißen

Wie zwei Bitburger Jungs die Alten mitreißen

Der FC Bitburg hat seine größten Erfolge in den 50er Jahren gefeiert: Dank zwei 17-jähriger Nachwuchsspieler gewann der Verein zweimal die Meisterschaft in der Amateurliga.

Bitburg. Ein Blick in die Vereinschronik, ein Schwarz-Weiß-Foto: Auf einem wild gewachsenen Rasen stehen elf Männer in kurzen Hosen. Ihr damals junges Alter erkennt man ihnen nicht sofort an - Seitenscheitel und Pomadenfrisuren. Darunter ein leicht rotstichiges Bild. Wieder junge Männer, diesmal mit langer Mähne. Sie stehen zwischen älteren Herren in Lederjacke, Karohemd oder Rollkragenpullover. Eine Seite weiter: Elf Jungs, einige von ihnen mit modernen Gelfrisuren im Schweinsteiger-Style. Drei Fotos, drei Epochen: Es sind die A-Jugendmannschaften des FC Bitburg aus den Jahren 1949, 1979 und 2009.

Dass sie in einer Reihe zu sehen sind, ist kein Zufall: Der Nachwuchs ist das Herzstück des Vereins aus der Bierstadt. "Wir sind größer als ein Dorfverein, aber kleiner als Trier. In dieser Situation müssen wir auf die Jugend setzen", sagt Rudi Klingmann, Geschäftsführer des Vereins. Will heißen: Gute Nachwuchsspieler kommen von kleineren Vereinen zur fußballerischen Weiterbildung nach Bitburg. Auf der anderen Seite leistet man sich kaum Neuverpflichtungen.

Klingmann ist seit 1973 im Vorstand des Clubs. Da gab es den FC Bitburg 1919 schon seit mehr als 50 Jahren. Die Ausbildung der Jugend war bis dato schon weit mehr als ein notwendiges Übel - der Nachwuchs sorgte fast immer für die größten Erfolge des Vereins. So zum Beispiel im Jahr 1954: Der FC Bitburg war zuvor in die 2. Amateurliga (damals vierte Liga) aufgestiegen - und tat sich in seiner zweiten Saison schwer: Von den ersten neun Spielen gingen sieben verloren.
1955 schlägt die Stunde von Horsch und Peters

Dann schlug die Stunde der Bitburger Fußballlegenden Gerhard Peters und Klaus Horsch: Die beiden Jugendspieler rückten in die erste Elf auf. "Das waren wirklich Klassespieler", erinnert sich Herbert Wagner. Der 76-Jährige ist seit fast 50 Jahren Fan des FC Bitburg und ist ein wortwörtliches wandelndes Archiv: In seinem Portemonnaie befinden sich Haufen alter Zeitungsausschnitte mit Berichten über den Verein - aus allen Epochen. Zu Hause hortet er stapelweise Tabellen, alte Stadionhefte und handgeschriebene Statistiken zu fast jedem Spiel.

Mit ihrer spielerischen Klasse rissen die damals 17-jährigen und besten Kumpels Horsch und Peters die ganze Mannschaft mit. "Als wir kamen, hatten alle wieder Lust. Auch der alte Fritz Oliva", erinnert sich Gerhard Peters. Es folgte eine Serie von sechs Siegen in Folge, später sogar der Meistertitel der 2. Amateurliga mit drei Punkten vor Trier-West. Und der Lauf hielt an: Die Mannschaft wurde um weitere Jugendspieler verstärkt und wurde in der Saison 56/57 auf Anhieb Meister der 1. Amateurliga - die damalige dritte Liga. Als Meister hatten sie sogar die Chance auf die Rheinlandmeisterschaft - gingen aber mit 1:9 gegen Metternich deutlich unter. "Wir waren einfach falsch aufgestellt. Ich durfte nicht auf meiner Lieblingsposition halbrechts spielen", sagt Peters. Dennoch hatte sich der heute 74-Jährige auf die Wunschliste großer Clubs gespielt. 1958 klopfte der 1. FC Köln an - es war gleichzeitig der bitterste Moment seiner Fußballkarriere: "Da hätte ich wirklich gerne gespielt. Mein Vater ist von Wittlich nach Köln gefahren, um den Vertrag auszuhandeln. Doch kurz vor der Unterzeichnung verletzte ich mich: Komplizierter Oberschenkelhalsbruch."

Peters konnte nicht zu dem Club wechseln, der vier Jahre später unter Wolfgang Overath goldene Zeiten erlebte. Er blieb in Bitburg, spielte noch bis 1967 und führte die Mannschaft nach dem zwischenzeitlichen Abstieg wieder in die Rheinlandliga. Danach wurde er Trainer der ersten Mannschaft. Der FC Bitburg konnte aber nicht mehr an die großen Erfolge anknüpfen. "Es wurden viele Spieler neu verpflichtet, die nicht in die Mannschaft passten", erinnert sich Fan Herbert Wagner. "Und aus der Jugend kamen auch nicht mehr so viele starke Spieler nach", ergänzt Rudi Klingmann.

So folgte ab 1980 eine lange Durststrecke in der Verbandsliga, wo die Mannschaft nur selten das Tabellenmittelfeld verließ. Anfang der 90er stieg die Mannschaft sogar noch zweimal ab - bis in die Kreisliga. Zeit für einen Neuanfang. 94/95 wurde die Mannschaft umgekrempelt: Spieler wurde gezielt neuverpflichtet. Der FC Bitburg gehört heute fast schon zum Inventar der Bezirksliga. "Wir nehmen aber jetzt die Rheinlandliga in Angriff", sagt Klingmann. Wie das funktionieren soll? Auf dem neuen Kunstrasenplatz am Sportplatz Bitburg-Ost trainieren bereits die Peters' und Horschs von morgen.

Der FC Bitburg 1919

hatte noch einen Star in den Jugendmannschaften: "Euro Eddy" Edgar Schmitt. Nach seiner Zeit beim Karlsruher SC und Fortuna Köln kehrte er als "spielendes Vorstandsmitglied" wieder zurück. hat rund 400 Mitglieder in den Sportarten Fußball, Boxen und Tischtennis. hatte zu seinen besten Zeiten einen Schnitt von fast 1000 Zuschauern. hat eine erfolgreiche Frauen-Fußballmannschaft. Sie ist in der abgelaufenen Saison Rheinlandmeister geworden.

Mehr zur Serie über Traditionsvereine finden Sie auch in unserem Blog „Elf Freunde“