Wo die wilden Kerlchen wohnen

Wo die wilden Kerlchen wohnen

Vor dem Kreisliga-Fußballspiel zwischen Niederemmel und Neumagen-Dhron an der Mosel haben Unbekannte am Sonntag eine Straße und eine Mauer mit Farbe beschmiert. Die Polizei sucht die Schuldigen unter Piesporter Fans. Die Vereine verweisen auf das problemlose Miteinander in den Nachbarorten und auf die Tat von Einzelnen.

Neumagen-Dhron/Piesport. Ein Fußballspiel zwischen den Mannschaften zweier Nachbardörfer ist meistens etwas brisanter als andere Partien. Spieler und Zuschauer leben bei diesen Derbys gerne uralte Rivalitäten aus. Das scheint auch der Hintergrund einer Sachbeschädigung im Neumagen-Dhroner Ortsteil Dhron (Kreis Bernkastel-Wittlich) zu sein: Während das Kreisklassen-Spiel der Spielgemeinschaft Neumagen-Dhron/Trittenheim gegen den Sportverein Niederemmel aus dem Nachbarort Piesport sportlich durchweg fair und ohne Probleme verlief, entdeckten Anwohner aus Dhron im Ort eine nicht so faire Aktion. Unbekannte hatten im Vorfeld des Spiels am Ortseingang Dhron von Piesport kommend die Straße und eine Weinbergsmauer mit weißer Farbe vollgeschmiert. "Auf zum Derbysieg", "Dhroner Esel", "Idioten" und mehr ist seitdem im Bereich des Kriegerdenkmals in der Haarnadelkurve der L 156 zu lesen - Anspielungen auf das A-Liga-Fußballspiel.
"Das ist einfach eine Schweinerei. Das ist kein einfacher Jungenstreich mehr, und mit Fußball hat das auch nichts zu tun", beschwert sich Neumagen-Dhrons Ortsbürgermeister Willi Herres. Er hat die Polizei eingeschaltet, diese hat eine Strafanzeige aufgenommen. "Wir ermitteln wegen Sachbeschädigung", bestätigt Klaus Herrmann, der Leiter der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues. Die Straßenmeisterei Thalfang habe sich die Schmiererei vor Ort angesehen und schätze die Kosten für die Reinigung auf mehrere Tausend Euro, sagt Herrmann.
Wenn der oder die Verursacher nicht gefunden werden, müsse wahrscheinlich die Gemeinde bezahlen, sagt Ortsbürgermeister Herres. "Wir müssen abklären, ob vielleicht der Landesbetrieb Mobilität zuständig ist, weil es ja eine Landesstraße ist", hofft Herres, der ungern die Gemeindekasse belasten will.
Wer für die Sachbeschädigung verantwortlich ist, wissen bisher weder Gemeinde noch Polizei noch Vereine. Die Ermittler der Polizei gehen davon aus, "die Verursacher im Umfeld der Piesporter Fans zu finden".
"Das sind keine Schläger oder so"


In Neumagen-Dhron werden die "Ultras", eine Fangruppe des SV Niederemmel, genannt. Aber SV-Vorsitzender Frank Schemer, der den Verein von den Vorfällen ausdrücklich distanziert, will diese Gruppe auf keinen Fall im Gesamten in die Verantwortung ziehen. "Das sind keine Ultras, wie man sie von großen Vereinen kennt. Das sind ein paar Kerlchen, die schwenken ihre Fahnen und rufen laut ‚SV Niederemmel\'. Mehr ist da nicht. Das sind keine Schläger oder so", sagt Schemer. Die Gruppe sei am Sonntag auch gar nicht aktiv gewesen. "Vielleicht waren das Einzelpersonen." Es habe bisher auch nie nennenswerte Vorfälle bei den SV-Fans gegeben, sagt Schemer. "Unser Verein hat kein Interesse an einer solchen Aktion. Wir haben überhaupt keine Probleme mit den Nachbarvereinen und kooperieren sogar mit Neumagen-Dhron. Wir haben zum Beispiel im Jugendbereich eine Spielgemeinschaft." Aber der SVN-Vorstand werde "das dennoch hinterfragen und das Gespräch mit unseren Fans suchen", kündigt der Piesporter Vereinsvorsitzende an.
Die SG Neumagen-Dhron/Trittenheim will ebenfalls auf keinen Fall den Piesporter Verein in die Verantwortung ziehen. "Der Vorstand aus Niederemmel hat sich uns gegenüber davon ausdrücklich distanziert und auch die Ultras als Täter ausgeschlossen. Sie haben auch selbst gesagt, dass das äußerst kontraproduktiv war", sagt der Vorsitzende des SV Dhron, Kurt Feilen. "Die Aktion hat unsere Mannschaft nur noch mehr motiviert, das Fußballspiel zu gewinnen." Mit Erfolg: Am Ende kam der Derbysieger nämlich nicht aus Piesport, sondern aus Neumagen-Dhron: Mit 5:0 gewann die SG klar ihr Heimspiel. Und die Mannschaft hatte dann auch die Antwort auf die Schmierereien parat: Abends versammelten sich die SG-Spieler für ein Foto am Tatort. Vor den Sprüchen posierten sie mit einem Papp-Plakat mit dem Ergebnis darauf. SG 5 - Emmel 0.Meinung

Schrubben, bitte!
Der SV Niederemmel kann als Verein nichts für die Tat Einzelner, der Vorstand bemüht sich lobenswerterweise dennoch um Aufklärung. Zwischen den Sportvereinen aus Piesport und Neumagen-Dhron gibt es nach Angaben von Spielern und Mitgliedern zum Glück keine Probleme, viele sind gut miteinander befreundet. Auch deswegen sollten sich die für die Schmierereien Verantwortlichen stellen, ihren Fehler eingestehen und mit einer Wiedergutmachung dazu beitragen, dass die Beziehungen der Vereine und der Orte nicht unnötig belastet werden. Das Angebot, die Farbe wieder zu entfernen, sollte doch drin sein. Also: Schrubben, bitte! s.eisenkraemer@volksfreund.de