Zwei Welten

Fußball-Bundesligist FSV Mainz 05 hat am Sonntag beim 2:4 (2:0) gegen den FC Schalke 04 die erste Saisonniederlage in der Bundesliga hinnehmen müssen.

Mainz. Sonntagmittag, kurz nach 17 Uhr. Stadionsprecher Klaus Hafner braucht nur zwei Silben, um die Gemütslage der Mainzer Fans zu bündeln. "Mein Gott", ächzt er ins Mikro. Gerade hat Joel Matip nach einem Gewühl im Mainzer Strafraum aus zwei Metern Entfernung das 3:2 geköpft. "Mein Gott" hieß bei Hafner wohl auch zwischen den Silben: Verdammt, das verlieren wir heute. Der Abspann zur ersten Bundesliga-Niederlage in der neuen Arena. Trotz 2:0-Führung nach einer Viertelstunde. Trotz der druckvollen Anfangsphase, in der die Mainzer für ein paar Minuten die Schalker regelrecht überrannten. Dass ausgerechnet der Ex-Mainzer Christian Fuchs, über die komplette Spielzeit lautstark ausgebuht, noch in der Schlussminute das 4:2 mit einem trockenen Freistoß erzielte, das war nur noch eine Fußnote unterm FSV-Schicksal an diesem schwülen Sonntag in Mainz-Bretzenheim. Der 25-jährige Österreicher kaschierte nach dem Spiel gar nicht erst, dass ihm die zweite Halbzeit seines Teams eine Genugtuung war. "Das ist schon ein gutes Feeling", sagte er mit breitem Grinsen. Der Grund für das gute Schalke-Gefühl und den ersten Sieg von Trainer Ralf Rangnick im fünften Spiel gegen seinen Ex-Schüler Thomas Tuchel hatte einen anderen Namen: Jefferson Farfan. Der Peruaner wurde gemeinsam mit dem ebenfalls starken Julian Draxler zur zweiten Halbzeit eingewechselt. Er sorgte mit seinen Dribblings für Unruhe in der Mainzer Hälfte. Das 2:2 (Höwedes) und 3:2 fielen nach von ihm getretenen Ecken, auch den Freistoß vor dem 4:2 holte Farfan heraus. Selbstkritisch zeigte sich Thomas Tuchel. In der ersten Halbzeit habe er eine durchschnittliche Leistung gesehen, "aber mit dem Luxus, 2:0 zu führen": "Ich habe dann vielleicht die falschen Schlüsse gezogen. Es wäre angebracht gewesen, noch tiefer zu stehen und nur noch zu kontern. Nach dem 2:2 hatten wir noch ein paar gute Minuten, waren aber bei Standardsituationen unaufmerksam." Rangnick macht die zweite Halbzeit Mut für das Europa-League-Rückspiel am Donnerstag gegen Helsinki (Hinspiel: 0:2): "Wenn wir in Mainz in einer Halbzeit vier Tore schießen, können wir das auch in 90 Minuten gegen Helsinki schaffen." Einen Unruheherd ist Rangnick los: Raúl wird bei Schalke bleiben. Das bestätigte der Spanier gestern. Rangnick: "Gut, dass die Spekulationen damit aufhören." Coface-Arena: Von außen könnte man die neue Arena in der Landeshauptstadt für ein etwas luxuriöseres Hochregal-Lager halten. Eher ein überdimensionaler roter Legostein als ein architektonisches Aha-Erlebnis, für rund 60 Millionen Euro aufs weite Feld neben das neue Uni-Gelände in Mainz-Bretzenheim gebaut. Von innen passt\\'s dann: Recht steile Tribünen, gute Akustik, beste Sicht - sicher kein Heimathafen für Fußball-Nostalgiker, aber ein Fußball-Zweckbau der gelungeneren Art. Und die historischen Spiele werden erst noch kommen. Beim 2:4 gab es mit 34 000 Zuschauern (ausverkauft) eine Rekordkulisse zu erleben. AF