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Steven Gerrard in Luxemburg – Zu trocken, zu warm, zu leicht

0:0 gegen Niederkorn reicht zum Weiterkommen : Steven Gerrard in Luxemburg – Zu trocken, zu warm, zu leicht

Die Luxemburger von Progrès Niederkorn erreichten ein 0:0 gegen die Glasgow Rangers, schieden in der Europa-League-Qualifikation allerdings aus. Im Fokus: Steven Gerrard, Trainer der Schotten, der keinen echten Spaß hatte – und allerhand Gründe dafür nannte.

Anführer. Kaum ein Fußballer verkörperte diesen Begriff so wie Steven Gerrard zu seiner aktiven Zeit. 504 Spiele in der englischen Premier League hat der inzwischen 39-Jährige auf dem Buckel, allesamt für „seinen“ FC Liverpool. Hunderte davon als Kapitän. Bekannt wurde er vor allem als lauter Antreiber, der mit seiner motivierenden Art und seinem rechten Fuß etliche Spiele entschied.

Und heute? Da steht „Stevie G“, Trainer der Glasgow Rangers, seelenruhig am Spielfeldrand des Stade Josy Barthel in Luxemburg. Die Fußballschuhe und die Binde hat er gegen Anzug und Krawatte getauscht. Langsam kaut er seinen Kaugummi. Die Hände sind zeitweise in den Hosentaschen versteckt, dann wieder verschränkt vor der Brust. Worin der eine fehlende Lust sehen könnte, erkennen andere einfach Coolness. Nun gut, das Spiel seiner Rangers gegen Progrès Niederkorn gibt nicht viel Anlass zur Aufregung und endet torlos.

Ist diese Ruhe wirklich nur ein Zeichen von Coolness oder hat der ehemalige Weltstar schlichtweg keine Lust auf die Dienstreise am Donners­tagabend nach Luxemburg, nachdem das Hinspiel bereits 2:0 gewonnen wurde? Die Antwort liegt wohl irgendwo in der Mitte.

„Es hat mir keinen Spaß gemacht, das Spiel anzusehen“, sagt Gerrard später, „und ich glaube auch nicht, dass es Spaß gemacht hat, es zu spielen.“ Schuld daran sind laut Gerrard gleich mehrere Faktoren: „Es gab heute Abend nichts, was den Spielern geholfen hat.“ Hört man dem Trainer nach der Partie zu, dann war eigentlich alles an diesem Abend schlecht. Zunächst bekommt das Spielfeld sein Fett weg: „Der Platz war trocken.“ Weiter geht’s mit den Umkleideräumen: „In der Kabine waren es ungefähr 155 Grad.“ Kreisligafußballer wissen, dass in der Aufzählung der Schuldigen an einem schwachen Spiel noch zwei fehlen. Also kritisiert Gerrard auch noch das Spielgerät („Der Ball war zu leicht, wie ein Luftballon“), um dann länger auf den bulgarischen Schiedsrichter Ivaylo Stoyanov einzugehen.

Der habe seiner Meinung nach „jedes Foul aufgeblasen“ und an seine Spieler zu Unrecht Gelbe Karten verteilt. Ach ja, Fouls gab es ebenfalls zu viele, woran laut Gerrard nur Niederkorn schuld war: „Sie haben bei jeder Gelegenheit gefoult“, so der Trainer. Fazit: „Es war nur eine dieser Nächte. Ich glaube nicht, dass die Spieler auf sie zurückschauen werden und ich werde sicherlich nicht auf sie zurückschauen.“

Unzufrieden ist nicht nur der Trainer, sondern auch ein eingefleischter Liverpool-Fan, der in der ersten Halbzeit versucht, das Trikot seines Sohnes zum Unterschreiben zur Vereinslegende zu bringen. Vergeblich, die Security lässt ihn nicht durch. Gerrard bekommt von alledem nichts mit, steht etwa 30 Meter entfernt.

Immerhin stehen Gerrard und die Rangers in der nächsten Runde – und haben damit mehr erreicht, als an gleicher Stelle vor zwei Jahren. Damals war Glasgow in Luxemburg ausgeschieden. Gleich nach dem Spiel zieht Gerrard seine Krawatte aus, verlässt schnell den Platz – und hofft in der nächsten Runde auf Besserung, wenn er nicht mehr in Luxemburg und gegen Niederkorn ran muss: „Wir müssen besser spielen und werden das auch tun, wenn wir gegen bessere Gegner und bei besseren Verhältnissen spielen. Dann werden die Spieler auch motivierter sein. Die nächste Gerrard-Dienst­reise führt nach Dänemark zum FC Midtjylland. Hoffentlich hat er dann mehr Spaß.