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Südwestderby 1. FC Kaiserslautern - Waldhof Mannheim Rote Teufel FCK 3. Liga

FUSSBALL 3. Liga : Kartenfestival auf dem Betzenberg: Südwestderby Lautern gegen Mannheim bleibt torlos

Aufgeheizte Atmosphäre auf dem Betzenberg in Kaiserslautern: Schon zwei Stunden vor dem Spiel fiebern vor allem die Lauterer Anhänger dem Südwestderby gegen den SV Waldhof Mannheim entgegen. Und die 13 150 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion erleben ein denkwürdiges Spiel, das sie so schnell nicht vergessen werden. Sie sehen zwar keine Tore, aber insgesamt vier Platzverweise und neun Gelbe Karten.

Während vor den Toren des Fritz-Walter-Stadions die Zuschauer noch in langen Schlangen auf den Einlass warten, schüttet es gut eine halbe Stunde vor dem Anpfiff auf einmal aus allen Kübeln. Fritz-Walter-Wetter als gutes Omen für das prestigeträchtige und auch in Liga drei immer noch emotionsgeladene Südwestderby für die Roten Teufel im Duell mit dem Erzrivalen SV Waldhof Mannheim?

Die Gäste gehen als klarer Favorit in die Partie: Die Waldhof-Buben sind mit elf Punkten aus sieben Spielen als Tabellensechster gut in die Saison gestartet, während es in der Hölle am Betzenberg schon wieder mächtig brodelt. Nur vier Tore und fünf Punkte, statt des erhofften Mitwirkens im Aufstiegskampf deutet sich auf Tabellenrang 15 schon früh in der Saison der erneute Kampf gegen den Abstieg in die Bedeutungslosigkeit an.

In der ersten Viertelstunde entwickelt sich eine sehr nervöse und zerfahrene Partie mit vielen kleinen Nickligkeiten. Die erste Verwarnung zeigt Schiedsrichter Florian Heft in der 19. Minute gegen den Mannheimer Lebeau – etwas zu spät, denn die Ruppigkeiten haben zu diesem Zeitpunkt bereits zugenommen. Was die Zuschauer dann zu sehen bekommen, ist zwar ein klassisches Derby, mit Fußball hat das aber nur noch wenig zu tun. Torchancen gibt es so gut wie keine, dafür aber in der ersten Hälfte insgesamt vier Platzverweise und sieben Gelbe Karten – rekordverdächtig! Das Schiedsrichtergespann wirkte teilweise heillos überfordert und reagierte auf jede Flugeinlage – doch der Reihe nach.

So richtig Fahrt nimmt das Derby in der 20. Minute auf, als es nach einem gefährlichen Spiel an dem Lauterer Redondo eine Rudelbildung gibt. Die beiden Kapitäne, Lauterns Zimmer und der Waldhöfer Seegert, sehen die Gelbe Karte. Drei Minuten später kochen die Emotionen hoch: Nach einem vermeintlichen Foul an Mannheims Höger – die Fahne des Linienrichters war unten geblieben – zeigte der Unparteiische Lauterns Redondo die Rote Karte. Zuvor war der Sportliche Leiter der Mannheimer, Jochen Kientz, an der Linie auf FCK-Sportdirektor Thomas Hengen losgegangen und sah dafür ebenfalls die Rote Karte.

Die Tumulte und Foulspiele gingen nun auf und außerhalb des Platzes weiter. Hengen (27.) meckerte beim Linienrichter – Gelb. Wegen zweier Fouls sehen Sommer (31.) und Saghiri (35.) ebenfalls Gelb. In der 41. Minute dann der zweite Platzverweis gegen die Roten Teufel: Senger grätscht von hinten gegen Lebeau, Schiedsrichter Heft entscheidet auf Notbremse. Lautern hat nun nur noch acht Feldspieler, den Freistoß aus 17 Metern setzt Marc Schnatterer über das FCK-Tor.

In der fünfminütigen Nachspielzeit sieht Tomiak Gelb, und als dann die Lauterer wegen eines angeblichen Handspiels vehement Elfmeter fordern und FCK-Teammanager Florian Dick kurz vor der Eckfahne lange auf den Linienrichter einspricht, sieht auch der frühere FCK-Kapitän die Rote Karte. Mit lautstarken „Schieber, Schieber“-Rufen und einem gellenden Pfeifkonzert wird das Schiedsrichtergespann in die Halbzeitpause verabschiedet. Für genügend Gesprächsstoff war unter der Anhängerschar trotz fehlender Treffer und nur ganz wenigen Torchancen gesorgt.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit haben sich die erregten Gemüter etwas abgekühlt. Verlaat verpasst nach einer Ecke aus fünf Metern die Gäste-Führung (53.). Für die in doppelter Unterzahl spielenden Lauterer beginnt nun eine Abwehrschlacht. Aber während die Roten Teufel nun konzentriert verteidigen, spielen die Mannheimer relativ einfallslos und nutzen ihre Überzahl nicht aus. Waldhof-Trainer Glöckner wechselt doppelt aus, die Lauterer gehen unverändert in die letzten 20 Minuten und werden von ihren Fans lautstark unterstützt. Jeder erfolgreiche Zweikampf, jeder Ballgewinn und jeder erkämpfte Einwurf wird frenetisch bejubelt. Und FCK-Torhüter Raab entwickelt sich nun zum Teufelskerl: Aus kürzester Distanz pariert er einen Schuss von Martinovic (75.), eine Minute später hält er einen Schnatterer-Schuss. Weiter 0:0!

In der 78. Minute wechelt auch FCK-Coach Antwerpen erstmals und bringt für die entkräfteten Zimmer und Zuck die frischen Niehues und Schad. Die Lauterer, von Krämpfen geschüttelt, wehren sich gegen eine Niederlage, auch in der erneut fünfminütigen Nachspielzeit – erfolgreich! Trotz doppelter Unterzahl über 50 Minuten bringen sie das torlose Remis über die Zeit und werden wie nach einem Sieg gefeiert! Absoluter Derby-Wahnsinn.

Marco Antwerpen (Trainer 1. FC Kaiserslautern)

„Am Anfang hat Mannheim überzogen, da gab es einen Ellenbogen gegen Jean Zimmer und einen Kopftreffer gegen Redondo, der Schiedsrichter hat aber nichts gezeigt. Dann kam die Rote Karte gegen Redondo, da muss man sich erst mal schütteln. Die zweite Rote Karte war auch fragwürdig, Marvin Senger trifft den Ball, es stellt sich die Frage, wie viel Gegnerkontakt dabei war. Dann gab es im Sechzehner ein klares Handspiel eines Mannheimers, und der Schiedsrichter lässt weiterlaufen. Da musst Du tief durchatmen und Dich fragen, ob sich der Schiedsrichter auf dieses Derby vorbereitet hatte. Auf meine Jungs bin ich extrem stolz, und ,Matze‘ (Anmerk. der Red.: Matheo Raab) war heute ein herausragender Torhüter. D en Punkt haben wir uns heute hochverdient. Das i-Tüpfelchen waren die sieben Minuten Nachspielzeit – Respekt, da fehlen mir irgendwann die Worte. Ich weiß nicht, gegen wie viele Waldhöfer wir heute gespielt haben.“

Patrick Glöckner (SV Waldhof Mannheim)

„In der ersten Halbzeit haben wir das, was ein Derby auszeichnet, gesehen: Kampf und Leidenschaft. Beide Teams waren übermotiviert, die Entscheidungen des Schiris haben Einfluss genommen auf das Spiel. Die Grundtugenden sind wichtig, aber in Ballbesitz muss man auch Fußball spielen. In der zweiten Halbzeit haben wir uns in Überzahl gegen einen tiefstehenden Gegner nur zwei bis drei Torgelegenheiten erarbeitet, das war etwas zu wenig. Wir wollten mit den Wechseln noch mal offensiv nachlegen, aber die Zielstrebigkeit hat uns gefehlt. So müssen wir mit dem 0:0 zufrieden sein.“