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Tausende Fans sahen 1985 die Entscheidungsspiele der Lokalrivalen Mandern und Geisfeld

TV-Serie Welch’ ein Spiel : Zum Sportplatz ging’s nur durchs Festzelt

Tausende von Zuschauern kamen im Mai 1985 zu den beiden Entscheidungsspielen der Lokalrivalen aus Mandern und Geisfeld – es ging um den Aufstieg aus der Bezirksliga. Anekdoten zu zwei packenden Duellen und eine Bestandsaufnahme, wie sich der Fußball im Hochwald entwickelt hat, bilden den nächsten Teil unserer Serie „Welch’ ein Spiel“.

35 Jahre sind es in diesen Tagen her, dass der Fußball im Hochwald Kopf stand. Zwischen dem 19. und dem 24. Mai 1985 gab es – auch für jene, denen der Fußball sonst eher wenig oder auch gar nicht am Herzen lag – eigentlich nur ein Thema. Und das war die Entscheidung um die Meisterschaft in der Bezirksliga West und den damit verbundenen Aufstieg in die damals noch zwischen Bezirks- und Rheinlandliga zwischengeschaltete Landesliga Süd.

Ausgerechnet zwei Mannschaften aus dem Hochwald, der ansonsten eher das Stiefkind des überregionalen Geschehens auf den Plätzen war, hatten das Kunststück geschafft und beendeten die Saison 1984/85 mit jeweils 44:16 Zählern punktgleich auf den Plätzen eins und zwei: Das Torverhältnis zählt nicht im Amateurfußball, wenn es um die Auf- und Abstiegsfrage geht. Eine Entscheidung am sogenannten Grünen Tisch stand nicht zur Debatte. Also mussten der SV Mandern und der SV Geisfeld die Entscheidung im direkten Aufeinandertreffen unter sich ausmachen. Auf halber Strecke zwischen den beiden Dörfern, deren Mannschaften sich damals ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatten, war der Showdown vorgesehen: am 19. Mai auf dem Sportplatz des SV Kell, der in diesen Tagen Sportfest hatte und die (günstige) Gelegenheit beim Schopfe packte: Wer zum Platz wollte, musste zunächst durch das Festzelt. Und, so berichtetet die Mär noch heute, manch einer habe den weiten Weg von der Festzelt-Theke bis zum Spielfeldrand erst weit nach dem Anpfiff geschafft. Wenn überhaupt.

Diejenigen, die damals dabei waren, werden sich auf ewig daran erinnern. Es sollte nicht bei diesem einen direkten Duell um Meisterschaft und Aufstieg bleiben. Als seien alle Fußballmächte damals außer Rand und Band geraten, stand es nach 120 Minuten (90 Minuten plus Verlängerung) 2:2. Das bedeutete also: Noch einmal 90 Minuten (mindestens) sollten, ja mussten, die Entscheidung bringen. Fünf Tage später sah man sich an gleicher Stelle erneut.

Den 2600 Zuschauern der Erstauflage, von denen unsere Zeitung damals schrieb, folgten schließlich noch einmal fast Tausend mehr: 3500 Fans, mehr als jemals ein Fußballspiel im Hochwald gesehen hatten, wurden schließlich am Freitagabend vor Pfingsten Zeuge des 2:1-Sieges der Manderner unter Trainer Günter Hermesdorf. Sie zogen damals den Schlussstrich unter die unvergessenen Fußball-Festtage zwischen Mandern, Kell, und Geisfeld, ja sogar bis hinüber ins nördliche Saarland nach Weiskirchen, Wadrill und Hasborn, wo ebenfalls ein glänzender Fußball in den höheren Amateurligen gespielt wurde.

„Wir kannten uns ja alle aus etlichen Spielen gegeneinander sehr gut. Es war zwar eine große sportliche Rivalität, aber wir haben uns auch gegenseitig respektiert. Da war kein falsches Treiben im Spiel“, erinnert sich Uwe Cronauer. Der heutige Vorsitzende des SV Geisfeld war damals gerade 18 Jahre alt und der jüngste aller Beteiligten. „Mein erstes Jahr bei den Senioren. Und dann so eine Kulisse. Unglaublich.“

Manderns Trainer Hermesdorf erinnerte sich vor fünf Jahren zum „30-Jährigen“ beim Lokaltermin mit unserer Zeitung in Kell an „unsere verschworene Gemeinschaft. Viele von uns arbeiteten bei Bilstein in der Spät- oder in der Nachtschicht. Wir haben deshalb vormittags trainiert. Die einen kamen gerade von der Schicht, die anderen gingen danach da hin. Heute unvorstellbar.“

Nostalgie ist das eine. Das, was danach kam, das andere. Die Wege der beiden sportlichen Kontrahenten von damals gingen nach den historischen Entscheidungsspielen im Mai des Jahres 1985 auseinander. Die sportliche Ehe zwischen dem SV Geisfeld und dem SV Rascheid hält mittlerweile über 30 Jahre. Die Spielgemeinschaft gehört seit Jahren zum Establishment in der Bezirksliga, war in der Saison 2018/19 hier sogar Vizemeister.

Dass es nicht mehr wurde, war Cronauer damals gar nicht so unrecht: „Wer weiß, wie wir die Rheinlandliga mit allen damit verbundenen Umständen verkraftet hätten. Wenn du Pech hast, steigst du ein Jahr später wieder ab, bringst ein paar Verletzte mit, hast ohne Lokalderbys ein wirtschaftliches Minus gemacht und die Mannschaft fällt auseinander. Dann besser so und ein würdiger Vizemeister.“

Auch der vor 35 Jahren siegreiche SV Mandern hat inzwischen einen weiteren sportlichen Partner gefunden. Nach dem Abstieg aus der Bezirksliga 1997 in die A-Klasse gründete man eine Spielgemeinschaft mit dem FC Waldweiler. Ansgar Eisenring, damals einer der „Helden von Kell“, trainierte später die SG, die heute in der Kreisliga B Mosel/ Hochwald spielt. Gemeinsam mit und neben den Grün-Weißen aus Geisfeld und Rascheid haben inzwischen andere das fußballerische Sagen auf dem Hochwald.

Da ist vor allem die Spielgemeinschaft rund um Zerf vom unteren Hochwald, die das Kunststück fertigbrachte mit nur zwei Zwischenstopps von der Kreisliga B bis in die Rheinlandliga durchzumarschieren, wo sie sich mittlerweile in sicheren Tabellenregionen eingenistet hat. Und da ist inzwischen auch der TuS Schillingen zu nennen, der es in sieben Jahren unter Trainer Gerd Morgen, mit wirtschaftlicher Solidität und sportlicher Bodenständigkeit, geschafft hat, nach dem Aufstieg vor zwei Jahren den Verbleib in der Bezirksliga zu sichern.

Ihnen allen aber wird – was nichts mit mangelnder Klasse zu tun hat, sondern eines Frage des jugendlichen Alters ist – eines verwehrt bleiben: Als einer der „Helden von Kell“ aus dem Jahr 1985 in die Geschichte des Fußballs auf dem Hochwald ein zu gehen.