Carlén beim HSV: Neuer Trainer, altes Ziel

Carlén beim HSV: Neuer Trainer, altes Ziel

Trainer Per Carlén vom HSV Hamburg scheint die Last des Titelverteidigers in der Handball-Bundesliga geradezu mit Leichtigkeit zu schultern.

„Druck, ich höre immer Druck. Weil der HSV Meister ist und ich es auch schaffen soll?“, fragt der Schwede, der jetzt erstmals seine neue Mannschaft um sich scharte, um die Operation Titelverteidigung einzuläuten. „Erwartungen sorgen für mehr Konzentration in der Arbeit. Man ist fokussierter. Das ist positiv. Ich bin ein positiver Mensch“, versichert Carlén, lacht und klatscht seinem Gegenüber auf die Schulter. „Ich hatte mein ganzes Leben lang Arbeit, keinen Druck.“

Sein Vorgänger Martin Schwalb, jetzt Präsident und Geschäftsführer des Vereins, habe es da schwerer gehabt. „Der HSV wollte jedes Jahr Meister werden. Aber erst im vergangenen Jahr hat es geklappt. Das war schwer“, versichert der Trainer mit dem vornehm-grauen Schopf. „Aber mit dem Titelgewinn hat die Mannschaft eine psychologische Sperre überwunden, spielt jetzt freier auf.“ So könne es der HSV der schwedischen Nationalmannschaft gleichtun. Als die 1990 Weltmeister wurde, war sie danach ein Jahrzehnt spitze.

Das Hamburger Meisterteam, das der 50-Jährige vorfindet, hat nur marginale Veränderungen erfahren. Seinen Sohn Oscar hat Carlén mitgebracht, ein Riesentalent im Rückraum, das aber noch bis Oktober mit den Nachwirkungen eines Kreuzbandrisses zu kämpfen hat. „Wenn Oscar fit ist, ist er eine Rakete“, schwärmt Keeper Johannes Bitter. Zudem kam Torwart Dan Beutler, auch Schwede, wie die Carléns von der SG Flensburg-Handewitt. Bis auf Krzysztof Lijewski (Rhein-Neckar Löwen) und Per Sandström (Melsungen) sind alle Meisterspieler noch da. Carlén: „Als Titelverteidiger haben wir eine breite Brust.“

Eine Riesenlust hat Carlén, dessen Tochter Hilda Torhüterin der schwedischen U-20-Fußball-Nationalmannschaft ist, auf Handball. Acht Monate musste er darben, nachdem ihn sein Ex-Club Flensburg-Handewitt im vergangenen November an die Luft gesetzt hatte, weil er sich nicht zum Verbleib beim Verein bekennen wollte und sein Wechsel zum HSV schon als sicher galt. Im hohen Norden sei man mit seiner Arbeit nicht sonderlich zufrieden gewesen, wurde kolportiert. Das ficht Carlén nicht an. „Ich habe einen freien Willen und ich habe sehr viel Energie. Ich arbeite gern und hart. Ich denke immer positiv.“

Die Spieler scheinen sich mit dem freundlichen Coach anzufreunden. „Er ist sehr nett, sehr kommunikativ“, sagt „Jogi“ Bitter, der an der Auszeit von der Nationalmannschaft auch unter dem neuen Bundestrainer Martin Heuberger festhalten will. Auf die Bundesliga habe der Keeper aber „wieder richtig Bock“. „Es hätte schon nach drei Wochen losgehen können“, meint Bitter. Da ist er sich mit Carlén senior einig.

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