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Handball
Sie gilt als Cristiano Ronaldo des Frauenhandballs

Trier. Die rumänische Welthandballerin Cristina Neagu ist der große Star der WM-Vorrundengruppe A in Trier.

Wenn es in der Welt des Handballs eine Mannschaft gibt, die fast komplett von einem Star abhängig ist, dann sind es die rumänischen Frauen. Der WM-Dritte von 2015 steht und fällt mit den Leistungen der aktuellen Welthandballerin Cristina Neagu. Schöpft sie ihr Potenzial aus, ist Rumänien oben dabei.

Bei der Europameisterschaft 2010 in Dänemark und Norwegen war Neagu Torschützenkönigin - und Rumänien gewann Bronze. Bei der Weltmeisterschaft 2015 in Dänemark war sie erneut beste Werferin und zugleich auch noch die wertvollste Spielern des Turniers - und ihre Mannschaft gewann wieder Bronze. Das Schicksal der Rumäninnen liegt also ganz allein in den Händen der einzigen Frau, die dreimal zur Welthandballerin gekürt wurde.

Neagu will ihr Ausnahmekönnen schon den Zuschauern in der Arena Trier in der Vorrundengruppe A zeigen, wo Rumänien auf harte Brocken wie Frankreich und Spanien sowie auf Slowenien, Angola und gleich zum Auftakt Paraguay trifft (Samstag, 2. Dezember, 14 Uhr).

In ihrem Heimatland ist Neagu ein Star, und dies weit über den Sport hinaus. Jeder kennt sie - und nicht erst, als sie im Sommer auch auf Vereinsebene wieder nach Rumänien zurückkehrte. 2017 ist das Jahr des Wechsels für Neagu, denn sie kehrte von Buducnost Podgorica aus Montenegro zurück in ihre Heimatstadt Bukarest, spielt nun für den 2016er Champions-League-Sieger CSM. Gleichzeitig ist sie die Chefin im Ring bei den Rumäninnen, speziell jetzt bei der WM in Deutschland, nachdem einige Routiniers sich aus dem Nationalteam verabschiedet haben.

Fünf Jahre lang spielte Neagu in Podgorica, vier davon gemeinsam mit DHB-Torfrau Clara Woltering. Sie gewann 2015 zum ersten Mal in ihrer Karriere die Champions League - nun heißt es Bukarest: „CSM brauchte mich, ich wollte zurück nach Hause - also waren wir uns schnell einig. Und es ging mir nicht ums Geld. Ich kam zurück, weil mir Rumänien, die Fans in der Heimat und auch Bukarest mir fehlten.“

Dabei ist Neagu mehr als nur eine Spielerin, sie ist in Rumänien das Gesicht des Handballs, bekannter als so mancher Fußballprofi, eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Sports. Die Fans verehren sie, die Gegnerinnen und gegnerischen Fans haben größten Respekt vor ihr. „Als ich mit dem Handball begann, hatte ich mehrere Ziele: Ich wollte ein Topstar werden, die Beste der Welt. Und ich wollte ein Vorbild sein für rumänische Kinder, sie für Sport begeistern. Und wenn ich es schaffe, Kinder zum Handball zu bringen, dann bin ich richtig stolz“, sagt Neagu.

Jetzt bei der WM in Deutschland ist es ihre Hauptrolle, Rumänien erneut zu Edelmetall zu führen - nachdem sie vor einem Jahr bei der EM in Schweden bei dieser Mission gescheitert war. Am Ende - und nach einem Sieg über die DHB-Auswahl im Platzierungsspiel - wurde Rumänien EM-Fünfter.

Neagus Stern ging 2010 auf, als sie zunächst ihren damaligen Klub Oltchim Valcea ins Champions-League-Finale führte, wo man dann aber gegen Viborg unterlag. Aber kurz nach ihrer ersten Wahl zur Welthandballerin 2010 folgten große Rückschläge: Oft fiel sie wegen Verletzungen aus, zwei Mal musste sie an der Schulter operiert werden.

Als sie kurz davor stand, ihre Karriere zu beenden, ging sie nach Podgorica, wo sie genug Zeit zum Auskurieren ihrer Verletzungen bekam - und sich wieder an die Weltspitze heranarbeitete. Spätestens seit ihren Erfolgen 2015 ist sie die derzeit beste Handballerin der Welt. Und die Hoffnungen sind groß, dass Käpt’n Cristina das Schiff von Trier über Leipzig und Magdeburg zum Finalwochenende nach Hamburg lotsen wird.