DOSB-Präsident fordert Aufarbeitung nach EM-Aus

DOSB-Präsident fordert Aufarbeitung nach EM-Aus

Keine Kritik am Trainer, kein Einprügeln auf die Mannschaft: Nach dem Scheitern der deutschen Handballer bei der EM nahmen Vereins-Manager und Funktionäre die Liga und den Verband in die Pflicht.

„Der Deutsche Handballbund ist jetzt aufgefordert, in Kooperation mit der Liga zu überlegen, wie man den Neuaufbau startet. Die Liga muss sehen, welche Bedeutung der Erfolg der Nationalmannschaft auch für den Erfolg der Liga hat“, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, der Nachrichtenagentur dpa.

„Ein Land wie Deutschland muss den Anspruch haben, Olympiasieger im Handball zu werden. Da sehe ich auch die Manager der Bundesligisten in der Verantwortung“, pflichtete Manager Bob Hanning vom Bundesligisten Füchse Berlin bei. „Ohne eine starke Nationalmannschaft fehlt uns das Flaggschiff“, sagte er.

Dabei wird nun der Ruf nach Nachwuchsakteuren wieder laut, die früh eine Chance in der eigenen Liga bekommen. Richtig laut wird er aber immer nur dann, wenn der Erfolg ausbleibt. Denselben Prozess machte der Fußball vor allem nach dem kläglichen EM-Auftritt 2004 durch. Mittlerweile tummeln sich in der Bundesliga und auch im DFB-Team immer mehr Teenager.

Er sei sich sehr sicher, „dass es das Bestreben der Clubs ist, junge Talente zu fördern und in die Nationalmannschaft zu bringen“, meinte Handball-Manager Axel Geerken vom VfL Gummersbach. „Es gibt aber zu wenige deutsche Talente, die sich schon, beispielsweise als 18-Jährige, in der Bundesliga durchsetzen“, so Geerkens Einschätzung. Ein gegenseitiges Werben um die Talente müsse man vermeiden. „Das würde sich auf die Preise niederschlagen.“

Die Nationalmannschaft holte bei der EM nicht mal einen Trostpreis. Olympia wird die Mannschaft von Trainer Martin Heuberger nur als Zuschauer verfolgen können. „Das tut natürlich weh, ganz bestimmt auch den Spielern, denn für jeden Sportler ist die Teilnahme an Olympischen Spielen das höchste Ziel“, sagte der Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes, Horst Bredemeier. Nach dem 32:33 gegen Polen und den Ergebnissen der anderen Teams waren das Halbfinale in Serbien sowie ein Platz in der Olympia-Qualifikation futsch.

„Aber so schlecht kann die Mannschaft nicht sein, sie hatte immerhin die Chance, diese beiden Ziele zu erreichen, so kurz vor der Vorschlussrunde“, sagte Gummersbachs Geerken. „Ich war vom Auftreten der Mannschaft überrascht. Ich hatte es mir viel schlimmer vorgestellt“, verriet Kollege Hanning und fand wie die meisten nur lobende Worte für Coach Heuberger: Dieser habe es geschafft, „eine Einheit zu formen“. „Ich hoffe wirklich, dass man ihn in Ruhe weiterarbeiten lässt. Martin ist genau der richtige Mann für diesen Job“, schrieb Manager Thorsten Storm von Rhein-Neckar Löwen in seiner Kolumne für die „Rhein-Neckar Zeitung“.

So weitergehen wie bisher, kann es aber auch nicht. Auf der einen Seite die beste Liga der Welt, auf der anderen eine für Olympia aussortierte Nationalmannschaft. Aber was tun? „Klar ist, wir müssen über Inhalte und Strukturen reden. Die Jugendarbeit in Deutschland ist auf einem hohen Level, aber das reicht nicht“, meinte Hanning.

Das System, „das wir über Jahre hatten“ müsse verändert werden: „In der Aufstellung der Nationalmannschaft und in der Struktur.“ Wie genau? Das will Hanning bei der nächsten Sitzung der Task Force verraten. Aufbauarbeit hat er in Berlin bereits geleistet. Einst rettete er die Füchse vor der Insolvenz, stieg mit ihnen in die Bundesliga auf und mischt nun sogar in der Champions League mit.

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