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Handball
Ein Gastgeber mit „Herz und Charme“

Heinz Winden warnt davor, zu große Hoffnungen mit der Frauen-WM in Deutschland zu verbinden.
Heinz Winden warnt davor, zu große Hoffnungen mit der Frauen-WM in Deutschland zu verbinden. FOTO: Mirko Blahak / TV
Trier. Frauenhandball-WM: Ex-DHB-Vizepräsident Heinz Winden aus Kasel stellt Trier ein besonders gutes Zeugnis aus. Er geht davon aus, dass die Arena bald wieder den Zuschlag für Länderspiele bekommt. Von Mirko Blahak
Mirko Blahak

Klar, diese Einschätzung ist unweigerlich auch ein wenig vom Lokalkolorit gefärbt. Doch Heinz Winden weiß, wovon er spricht, wenn er sagt: „Trier ist der bestorganisierte WM-Standort, den ich weltweit erlebt habe.“

Seit 1991 war er als Delegationsleiter bei mehreren Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften zugegen. Wenn einer Vergleiche anstellen kann, dann der 75-Jährige aus Kasel (Kreis Trier-Saarburg), bis vor wenigen Wochen Vizepräsident im Deutschen Handball-Bund im Ressort Recht.

Das geräuschlose Miteinander von hauptamtlichen Organisatoren und den vielen freiwilligen Helfern, die kurzen Wege zwischen Halle und Teamhotel, die völkerverbindende Tatsache, dass es im Hotel ausschließlich einen Essensraum für alle Mannschaften gibt und ein Publikum, das sachkundig bei allen Teams enthusiastisch mitgeht – all das macht aus Sicht von Winden Trier zu einem Austragungsort „mit Herz und Charme.“

Bei der Auslosung der WM-Gruppen in Hamburg war der Jurist nicht unbedingt begeistert – doch inzwischen revidiert er seine Meinung: „Ich weine nicht mehr drum, dass Japan oder China nicht nach Trier gelost worden sind. Wir haben bislang in der Arena Super-Spiele erlebt. Selbst der Außenseiter Paraguay hat mit seinen wendigen Spielerinnen wunderbar gespielt.“

Der Frauen-Handball ist schneller und athletischer geworden. Hoffnungen, mit der Frauen-WM in Deutschland werde hierzulande auch die Aufmerksamkeit für den Sport zunehmen, begegnet Winden jedoch mit Skepsis. „Als die deutschen Frauen bei der WM 2007 Dritte wurden, gab’s denselben Optimismus. Doch es fehlt an Nachhaltigkeit. Wie im Fußball findet auch im Handball der Frauen-Sport nicht die große Resonanz. Das hat zur Folge, dass auch das notwendige Sponsoring schwierig ist. Handballerinnen in Deutschland sind keine Profis. Das ist beispielsweise in Frankreich anders.“

Das Team aus dem Nachbarland ist als ein WM-Favorit nach Deutschland gereist. Nach den bisherigen Auftritten in Trier ist Winden aber skeptisch: „So ist Frankreich für mich kein WM-Favorit mehr.“ Den überraschend gut aufspielenden Sloweninnen und Rumäninnen traut er da schon mehr zu – zumal Rumäniens Welthandballerin Cristina Neagu bislang eher noch mit angezogener Handbremse spielt.

Winden glaubt, dass er auf Sicht erneut internationalen Spitzen-Sport in der Arena erleben wird. Der WM sei Dank: „Ich hoffe, schon in den nächsten zwei Jahren wieder ein Handball-Länderspiel in Trier sehen zu können. Der Deutsche Handball-Bund hat schon registriert, wie gut es in Trier läuft. Das wird honoriert werden.“