Eine Wundertüte voller Frischlinge

Eine Wundertüte voller Frischlinge

Zwei Siege und ein Remis in den letzten Tests geben Selbstvertrauen, aber zu was die junge deutsche Mannschaft bei der am Samstag beginnenden Handball-Weltmeisterschaft in Spanien in der Lage ist, weiß sie selbst nicht so genau.

Barcelona. In seiner Zeit als Spieler war Handball-Bundestrainer Martin Heuberger Kreisläufer. Die Position, auf der man am meisten einsteckt, aber auch viel austeilt. Als Trainer hat er das Einstecken beibehalten, teilt aber kaum aus. Auch vor seiner ersten Weltmeisterschaft als Chef der deutschen Handball-Männer hält sich der Schwarzwälder zurück. Moniert nicht, dass er nur zwölf Trainingseinheiten vor dem Großereignis hatte, das für die DHB-Auswahl in Spanien am Samstag in Granollers mit der Partie gegen Brasilien (16 Uhr, ARD) beginnt. Auch die Absage von Weltmeister Holger Glandorf, der für seinen Verein in Topform spielt, aber nicht bei der WM dabei sein will, weil er sich nicht fit fühlt, ist für Heuberger "Schnee von gestern".
Viel lieber spricht er über "seine Frischlinge", die Spieler, die aus den früher von ihm trainierten erfolgreichen Juniorenmannschaften nun ins kalte WM-Wasser geworfen werden. "Die Jungs sind richtig abgezockt, trainieren bissig und aggressiv. Sie müssen nicht nervös sein", lobt Heuberger seine Nachwuchskräfte. Gerade noch vier Weltmeister von 2007 finden sich im 16-köpfigen deutschen Aufgebot, wobei nur Abwehrchef Oliver Roggisch und Linksaußen Dominik Klein seinerzeit Stammspieler waren. Der durchschnittliche internationale Erfahrungsschatz der "deutschen Wundertüte" liegt bei lediglich 63 Länderspielen, fünf der 16 Nominierten haben noch nie bei einem Großereignis (WM, EM, Olympia) das Trikot mit dem Bundesadler getragen. Und dann zog sich einer der wenigen deutschen Stars, Uwe Gensheimer, vor dem ersten großen Turnier nach dem Nationalmannschafts-Rücktritt des gebürtigen Dauners Pascal Hens auch noch einen Achillessehnenriss zu.
"Ich war vor einem Jahr angetreten, einen Umbruch einzuleiten. Durch die vielen Absagen und Rücktritte ging das nun alles deutlich schneller als ursprünglich geplant", sagt Heuberger. Wo der deutsche Männerhandball steht, wurde im November in der EM-Qualifikation deutlich, als man gegen die international zweitklassige Mannschaft aus Montenegro zu Hause verlor und zu einem Zittersieg bei den drittklassigen Israelis kam.
Um das Achtelfinale zu erreichen, muss das deutsche Team mindestens Vierter werden. Gelingen zwei Erfolge, ist das Achtelfinal-Ticket vor den richtig schweren Partien praktisch schon gebucht. In den einzigen WM-Tests gegen den Olympiazweiten Schweden (26:20 und 28:28) sowie am Mittwoch beim 35:25 gegen Rumänien war vor allem die Abwehr inklusive des überragenden Torwarts Silvio Heinevetter die Trumpfkarte der Deutschen - und der Teamgeist. Heuberger: "Ich will genau diese Begeisterung, diesen Einsatz und diese Freude aus der Vorbereitung bei der WM sehen, dann kommen die Erfolge von ganz alleine."Extra

Die besten vier Mannschaften jeder Gruppe qualifizieren sich für die Achtelfinals (20. und 21. Januar), die in Barcelona und Saragossa ausgespielt werden. Die übrigen Mannschaften spielen in Guadalajara den "Präsidenten-Cup" um die Ränge 17 bis 24 aus. Im Achtelfinale spielen die Ersten gegen die Vierten und die Zweiten gegen die Dritten. Die Mannschaften der Gruppe A treffen auf die aus Gruppe B. Wird Deutschland Erster oder Zweiter in Gruppe A, bleiben sie in Barcelona, als Dritter und Vierter geht es nach Saragossa. Die Achtelfinalsieger treffen am 23. Januar in den Viertelfinals (ebenfalls in Barcelona und Saragossa) aufeinander. Am 25. Januar werden die Halbfinals ausgespielt, am 26. Januar folgt das Spiel um Platz drei, am 27. Januar das Endspiel - das Finalwochenende findet in Barcelona statt. BPExtra

Der deutsche WM-Kader: Tor: Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo) Rückraum Mitte: Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen), Martin Strobel (TBV Lemgo) Rückraum links: Sven-Sören Christophersen (Füchse Berlin), Stefan Kneer (SC Magdeburg), Steffen Fäth (HSG Wetzlar) Rückraum rechts: Steffen Weinhold (SG Flensburg-Handewitt), Adrian Pfahl (VfL Gummersbach) Linksaußen: Dominik Klein (THW Kiel), Kevin Schmidt (HSG Wetzlar) Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tobias Reichmann (HSG Wetzlar) Kreis: Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Patrick Wiencek (THW Kiel), Christoph Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten) Die deutschen Vorrundenspiele in Gruppe A:Samstag, 12. Januar, 16 Uhr: Deutschland - Brasilien (in Granollers, live in der ARD) Sonntag, 13. Januar, 17.20 Uhr: Deutschland - Tunesien (in Granollers, live im ZDF) Dienstag, 15. Januar, 18.15 Uhr: Deutschland - Argentinien (in Granollers, live in der ARD) Mittwoch, 16. Januar, 18.30 Uhr: Deutschland - Montenegro (in Granollers, live im ZDF) Freitag, 18. Januar, 18.30 Uhr: Deutschland - Frankreich (in Barcelona, live in der ARD) Die übrigen Vorrundengruppen: Gruppe B (in Sevilla): Dänemark, Mazedonien, Russland, Island, Katar, Chile Gruppe C (in Saragossa): Polen, Serbien, Slowenien, Weißrussland, Saudi-Arabien, Südkorea Gruppe D (in Madrid): Spanien, Kroatien, Ungarn, Ägypten, Algerien, AustralienBP