Frauen-Handball-WM: Viel Lob für Gastgeber Trier

Weltmeisterschaft in Trier : Frauen-Handball is coming home

WM in Trier: Viel Lob für die Stadt. Der Verband zieht eine positive Zwischenbilanz.

Ein paar Monate nach dem „Wunder von Bern“ 1954, dem ersten Weltmeistertitel für die deutschen Fußball-Männer: Der Deutsche Fußball Bund hat noch eine wichtige Mission – damit niemand auf falsche Ideen kommt und das mit dem „Volkssport“ womöglich übertreiben will: Frauen und Fußball? Passt nun überhaupt nicht zusammen – und wird verboten. Vereine, die sich nicht daran halten, bekommen richtig Ärger. So haben es die Herren Funktionäre einstimmig entschieden – und es streng hobby­medizinisch begründet: „Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“ Erst 1970 wird Frauen-Fußball vom Verband, nun ja,  legalisiert.

Was das mit Frauen-Handball zu tun hat? Da läuft die Geschichte ein bisschen anders. Vor wenigen Wochen feierte Handball seinen 100. Geburtstag. Zurück geht der Name auf den Berliner Oberturnwart Max Heiser – und der entwickelte das Spiel speziell für Mädchen. Auch wenn der Sport damals längst nicht so körperbetont war wie heute. Die Männer fanden erst später zum Sport. Frauen-Handball is coming home, könnte man daher über die WM sagen, die bis Freitag auch in Trier über die Bühne geht. Premiere in der Stadt des deutschen Frauen-Handballmeisters von 2003. Die Veranstalter entschieden sich aber für einen anderen denglischen Slogan, „simply wunderbar“.

Die Passanten, die am Montagmorgen vom gläsernen Ungers-Kubus runter auf die Viehmarktthermen schauen, werden auf den ersten Blick kaum erkennen können, warum sich hier wer in das Gästebuch der Stadt Trier einträgt – und was in der Arena an den Tagen zuvor durchaus wunderbar ausgesehen hat. Statt WM-Handballerinnen im Trainingsanzug sieht man größtenteils anzugtragende Funktionäre. Und dort dominieren – da unterscheiden sich Welt-Handball und -Fußball nicht großartig  – mal mindestens mittelalte Männer.

Die haben dem versammelten Trierer Stadtvorstand um Oberbürgermeister Wolfram Leibe allerlei Nettes zu sagen. Etwa Bader Al-Thayeb aus Kuwait vom Welthandballverband IHF, der schon gleich bei der Vergabe der WM nach Deutschland wusste, „dass sie ein Erfolg wird“ – und der das in Trier bestätigt sieht. Auch Mark Schober, Generalsekretär vom Deutschen Handball Bund (DHB), ist sich schon nach den  ersten beiden Tagen - am Montag war spielfrei - sicher, dass „die Entscheidung für Trier richtig war“. Heißt: Viele Zuschauer, wohl auch mehr als kalkuliert, große Begeisterung - und viele ausländische Fans, vor allem französische und rumänische.

Per Videobotschaft meldet sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer („Ich bin ein großer Handball-Fan - auch wegen der „Miezen“), die am Montag wegen Terminen in Berlin nicht wie geplant in den Thermen vor Ort sein konnte. Sie hatte sich aber bereits am Samstag unter anderem mit Leibe zwei WM-Spiele in der Arena angeschaut.

Dem Trierer OB war es „sehr wichtig, dass die Handball-WM nach Trier kommt“. Seine Zwischenbilanz: „Trier hat Spaß an Handball und an großen Sportereignissen. Die Zuschauer zeigen, dass sie sehr begeisterungsfähig sind. Das zeigen auch die Rückmeldungen von den Mannschaften.“ Zwei-Meter-Mann Leibe zog einst zwar den größeren Ball vor - er spielte Basketball, auf der Center-Position. „Für Handball war ich zu langsam“, sagt er.

Trier habe eine große Sporttradition, „aber von der Tradition allein kann man nicht leben“. Deshalb seien Events wie in diesem Jahr die Special Olympics, die Landesspiele für Menschen mit und ohne geistige Behinderung, und die Frauen-Handball-WM besonders wichtig. „Bei den Special Olympics im Sommer war die Innenstadt voll, jetzt bei der Handball-WM ist die Arena voll –– und im nächsten Jahr im August können wir an zwei Tagen bei der Deutschland-Tour zeigen, was Trier zu bieten hat.“ Trier ist die erste Stadt, die bei der Neuauflage des Radrennens vom 23. bis 26. August präsentiert wurde. Aber erst mal dreht sich in Trier noch alles um den Ball.