Gislason für Heuberger und gegen Stubenhocker

Gislason für Heuberger und gegen Stubenhocker

Geografisch betrachtet könnten sich Martin Heuberger und Alfred Gislason in diesen Tagen nicht ferner sein.

Während der neue Handball-Bundestrainer letztmalig die Junioren des Deutschen Handballbundes (DHB) bei der WM in Griechenland betreut, startete der Trainer vom Rekordmeister THW Kiel im Urlaubsparadies La Reunion östlich von Madagaskar in die Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison. Gedanklich aber scheinen sich die Trainer nahe. „Ich glaube, dass wir eine gute Zusammenarbeit haben werden“, sagte Gislason im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, nachdem seine Mannschaft auf der Abfahrt vom 2200 Meter hohen Piton Maido Kondition per Mountainbike getankt hatte.

„Heuberger hat in den letzten Jahren großartige Erfolge mit den deutschen Junioren gefeiert, deshalb hat er sich diese Chance verdient“, sagte Gislason. Mit dem Wechsel im Bundestraineramt scheint eine Entspannung zwischen dem Rekordmeister und dem DHB möglich. In den letzten Jahren war das Verhältnis ziemlich angespannt, da Ex-Bundestrainer Heiner Brand die großen Clubs wie den THW Kiel für die mangelnde Anschlussförderung der deutschen Talente verantwortlich gemacht hatte.

Nun scheint auf dieser Ebene ein Neuanfang denkbar. Gislason lädt jedenfalls Heuberger ein, über die aktuellen Probleme der deutschen Jugendarbeit offen und kontrovers zu diskutieren. „Es gibt keine Nation, die im Handball so viele Talente hat wie Deutschland“, erläuterte Gislason, allenfalls der dänische Verband könne auf ähnlich viele gut ausgebildete Junioren zurückgreifen. „Nur: Warum kommen die nicht weiter?“

Gislason forderte einen Mentalitätswandel bei den jüngeren Spielern und rät ihnen, schon früh den Horizont zu erweitern. Daher befürwortet er den Schritt des Junioren-Nationalspielers Christian Dissinger, der von Friesenheim nach Schaffhausen in die Schweiz wechselt. „Ich finde es gut, dass junge Spieler solche Erfahrungen machen und andere Kulturen kennenlernen. Ich wäre auch dafür, dass junge Spieler nach Spanien gehen und sich dort weiterentwickeln“, betonte Gislason.

Wer stets zu Hause bleibe, der tue es sich mit der Entwicklung auf allen Gebieten schwerer. „Auf Island sagt man dazu abschätzig Heimskur“, verriet Gislason. Damit seien Stubenhocker gemeint, die sich jeder Weiterentwicklung verweigerten.

Man müsse in der deutschen Jugendarbeit ohnehin neue, kreative Wege gehen, weil die finanziellen Möglichkeiten des DHB nicht mit denen in Frankreich zu vergleichen seien. „Dort gibt es 75 Scouts, die im ganzen Land nach Talenten für den Verband fahnden. Das gibt es in Deutschland nicht“, sagte Gislason. Um die Zukunft des deutschen Handballs ist ihm aber nicht bange.

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