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Handball-Helden aus Dänemark im Glück

Handball-Helden aus Dänemark im Glück

Raus aus dem Belgrader Nachtleben, rein in den Flieger nach Hause und rauf auf den Kopenhagener Rathaus-Balkon: Nach ihrem Parforceritt durch das EM-Turnier erlebten Dänemarks Handball-Helden auch die Europameister-Feiern im Schnelldurchlauf.

Gerade einmal rund 20 Stunden, nachdem Kapitän Lars Christiansen die goldene Schale im Konfettiregen nach oben gestemmt hatte, wollte die Mannschaft am Montag in Kopenhagen ihren Fans die Trophäe präsentieren. „Wir feiern richtig gut zusammen mit der Mannschaft. Wir werden verdient ein paar Bier trinken und eine große Party machen. Und dann werden wir geehrt in Dänemark. Da bin ich mir ganz sicher: Das wird groß“, meinte der 39-jährige Routinier.

Christiansen behielt recht: Trotz klirrender Kälte feierten gut zehntausend Dänen am Montag auf dem Rathausplatz der Hauptstadt ihre frischgebackenen Europameister. Kurz zuvor war die Mannschaft mit dem Flugzeug aus Belgrad zurückgekehrt. Zu den Gratulanten gehörte auch Kronprinz Frederik. Der sportbegeisterte Thronfolger sagte im TV-Sender DR: „Ich kann nur sagen, klasse gemacht.“

Für die Dänen war der 21:19-Finalsieg über Gastgeber Serbien am Sonntag in Belgrad der glückliche Abschluss eines verrückten Turniers. Nach den Auftaktniederlagen gegen die Serben und Polen hagelte es aus der Heimat harsche Kritik. Doch die Schützenhilfe Polens mit dem Erfolg über die deutsche Mannschaft und fünf Siege in Serie waren für die Dänen Gold wert.

„Die Zeit der Wunder ist nicht vorbei. Eine Mannschaft, die eigentlich schon ausgeschieden war, sitzt nun solide auf dem europäischen Handball-Thron“, beschrieb die Tageszeitung „B.T.“ den Wandel. Und „Berlingske Tidende“ schloss sich dem Urteil an: „Das hässliche Entlein wurde Europameister. Ein goldenes Comeback. Dänemark ist zurück auf dem Thron als Europas unbestrittene Handballmannschaft.“

Nach dem Kraftakt im Endspiel konnte sich Hans Lindberg kaum noch aufrecht auf den Beinen halten. Auf seine Knie gestützt nahm der Rechtsaußen vom HSV Hamburg aber alle Kraft zusammen und verkündete trotzig: „Ich bin voll müde, aber ich habe noch Kräfte zum feiern. Jetzt wird gefeiert die ganze Nacht.“

Zuvor hatten sich die Dänen von Spiel zu Spiel gesteigert. „Das Turnier war wie eine Achterbahnfahrt“, sagte Erfolgstrainer Ulrik Wilbek. Mit Routiniers wie dem bald 40-jährigen Christiansen, aber vor allem mit einer jungen Garde von Spitzenleuten sind die Skandinavier aufs Podest gestürmt. Der großartige Torhüter Niklas Landin (23 Jahre), die Kreisspieler Rene (27) und Henrik Toft Hansen (25) sowie im Rückraum Nikolaj Markussen (23), Rasmus Lauge (20) und der überragende Mikkel Hansen (24) verkörpern nicht nur die erfolgreiche Gegenwart. Sie sind vielmehr auch das Versprechen für die Fortsetzung der dänischen Erfolgsserie.

„Dänemark kann in den kommenden Jahren die internationale Bühne beherrschen“, befand „B.T.“. Nächstes Ziel für die Europameister sind nun die Olympischen Spiele in London. Danach ist für den Kapitän Schluss mit Handball in der Nationalmannschaft. Die WM 2013 in Spanien und die Heim-EM 2014 will Lars Christiansen nur noch als Zuschauer erleben. Und so genoss der langjährige Linksaußen von der SG Flensburg-Handewitt die Siegerehrung in der Arena Belgrad noch einmal in vollen Zügen. „Das ist einer der schönsten Momente in meinem Leben, weil ich die Möglichkeit hatte, die Trophäe nach oben zu halten am Schluss. Das ist als 39-Jähriger etwas besonderes“, sagte Christiansen und strahlte vor Glück.