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Kiels Genugtuung nach Sieg über Fast-Meister HSV

Kiels Genugtuung nach Sieg über Fast-Meister HSV

Der Titel ist verloren, die Ehre aber gerettet: Rekordchampion THW Kiel hat mit dem 38:35-Sieg im Spitzenspiel der Handball-Bundesliga über den HSV Hamburg zumindest die Genugtuung, den designierten Meister bezwungen zu haben.

Schließlich muss der Dauerchampion von der Förde nach sechs Titeln am Stück die Schale erstmals den Hamburgern überlassen. Da gierte der Gastgeber im direkten Duell geradezu nach einem Trostpflaster. „Klar war es uns wichtig, den HSV zu schlagen“, räumte THW-Trainer Alfred Gislason ein. „Wir wollten unser wahres Gesicht zeigen.“

Die Hamburger liegen nach Minuspunkten fünf Zähler vor den Kielern und haben noch fünf Partien zu bestreiten. Unter normalen Umständen ist das Meisterschaftsrennen gelaufen. Folglich gratulierte Gislason dem HSV-Kollegen Martin Schwalb zum bevorstehenden Titelgewinn, doch der Hamburger Coach wollte dergleichen partout nicht hören.

Auch seine Spieler reagierten geradezu gereizt auf die M-Frage. „Wenn mich noch einer nach der Meisterschaft fragt, dem haue ich direkt aufs Maul. Ehrlich! Da kannst Du mich beim Wort nehmen“, fauchte der Linksaußen Torsten Janssen. „Wir müssen mindestens noch drei Spiele gewinnen. Wenn es soweit ist, kann man über die Meisterschaft reden. Aber nicht vorher.“

Die Kieler, die unbedingt Platz zwei vor den anstürmenden Rhein-Neckar Löwen behaupten wollen, sehen ihr Hauptbestätigungsfeld in den nächsten Wochen nicht mehr in der Bundesliga. „Wir konzentrieren uns auf den DHB-Pokal und die Champions League“, sagte Rückraumspieler Christian Zeitz. Beginnen müssen sie damit am Sonntag im Viertelfinal-Hinspiel der „Königsklasse“ beim unbezwungenen spanischen Tabellenführer FC Barcelona.

Für Torwart Thierry Omeyer war der Sieg über die Hamburger, die zuvor 27 Bundesliga-Partien nicht verloren hatten, Seelen-Balsam. „Für das Selbstvertrauen ist es gut, eine Mannschaft wie Hamburg zu schlagen“, meinte der Franzose, der herausragende Paraden gezeigt und seinen Gegenüber Johannes Bitter ausgestochen hatte. Omeyer ist sich sicher, dass die Kieler das Loch verlassen haben, in das der THW nach den beiden Heimpleiten vor dem HSV-Spiel gestolpert war.

HSV-Trainer Schwalb ärgerte sich zwar über die Niederlage, beglückwünschte aber die Zuschauer, ein „mitreißendes Spiel allererster Kajüte“ gesehen zu haben: „Ein 38:35 gibt es ja nicht alle Tage.“ In der Tat sind 73 Tore in einer Spitzenpartie ungewöhnlich. Normalerweise packen die Abwehrreihen anders zu. Am 23. April in der Champions League gegen Russlands Meister Medwedi Moskau soll es wieder übersichtlicher zugehen.