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Lichtlein und Heinevetter: Ungleiches Torwart-Paar

Lichtlein und Heinevetter: Ungleiches Torwart-Paar

Die deutschen Handballer haben eine T-Frage. Beginnt Silvio Heinevetter oder erhält Carsten Lichtlein den Vorzug? Die so ungleichen Torhüter bilden bei der EM in Serbien ein Gespann, das auf dem Parkett mit großer Klasse überzeugt, neben dem Spielfeld aber nicht eng verbunden ist.

„Es ist ein kollegiales Verhältnis“, erklärte der erfahrene Lichtlein. Bundestrainer Martin Heuberger musste gar versichern: „Da ist kein Kommunikationsproblem zwischen den beiden.“

Silvio Heinevetter, der Schlussmann mit dem unorthodoxen Stil und den spektakulären Paraden, hatte sich im Vorfeld der EM in Serbien zur Nummer 1 im deutschen Tor ausgerufen. „Ich weiß, was ich kann und will damit der Mannschaft helfen“, begründete der 27-jährige Keeper von den Füchsen Berlin seinen Anspruch. Im Vorrundenspiel gegen Mazedonien aber musste der gebürtige Thüringer, der mit Tatort-Kommissarin Simone Thomalla liiert ist, 53 lange Minuten auf der Wechselbank schmoren.

Das mag er gar nicht, und er gab sich auch keine Mühe, das zu verbergen. „Natürlich war ich angefressen. Ich war gefrustet, habe aber nach ein paar Minuten den Egoismus, der auch nötig ist für jeden Spieler in jedem Spiel, beiseitelegen können und der Mannschaft hier und da Tipps geben können“, sagte Heinevetter. Und als Happy End sicherte er auch noch den Sieg. „Silvio hat die Big Points gemacht“, lobte der Bundestrainer.

Zuvor hatte Carsten Lichtlein bis zu seinem Ausscheiden wegen einer Schulterprellung unspektakulär, aber routiniert und gekonnt das deutsche Tor gehütet. Ihn scheint diese Konkurrenzsituation nach außen hin nicht sonderlich anzuspannen. „Ich konzentriere mich vor jedem Spiel auf mich“, sagte der 31-jährige Lemgoer und ist sich mit Heinevetter in einem völlig einig: „Der Teamerfolg steht über allem.“

Lichtlein ist seit inzwischen mehr als zehn Jahren Nationaltorhüter. In dieser Zeit hat er sich oft mit der Rolle als Ersatzmann zufriedengeben müssen - hinter Henning Fritz, Christian Ramota oder auch Johannes Bitter. 2004 ist er Europameister geworden und 2007 Weltmeister, ohne aufgefallen zu sein. „Ich habe immer meine Leistung gebracht, wenn ich gebracht wurde. Man muss zusehen, dass man sich selbst nichts vorwerfen muss“, sagte der 2,02 Meter große Hobby-Golfer.

Loyal, mit großer Geduld und dem Anspruch, sich ständig zu verbessern, hat Lichtlein seine Reservistenrolle gemeistert. „Geduld und mentale Stärke“, nennt er als seine Vorzüge. Einen Teil seiner Kraft bezieht er aus einem speziellen Ritual: Seit der Vorbereitung auf die Heim-WM 2007 hört er vor jedem Spiel die Serenade „Eine kleine Nachtmusik“ von Wolfgang Amadeus Mozart. „Das ist nur für die Konzentration. Es hilft mir, und deswegen ändere ich auch nichts“, sagte er.