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29:32 in Leverkusen: Nach 15 Jahren Bundesliga steigen die Miezen ab

29:32 in Leverkusen: Nach 15 Jahren Bundesliga steigen die Miezen ab

Das war's - nach 15 Jahren Erstklassigkeit: Nach 26 Saisonspielen haben den Trierer Handball-Miezen am Ende ganze vier Tore gefehlt, um ein Entscheidungsspiel um den Klassenerhalt gegen Göppingen zu erzwingen.

Doch am Samstag um exakt 19.24 Uhr war die MJC nach dem 29:32 (13:14) bei Bayer Leverkusen trotz einer überragenden kämpferischen Leistung abgestiegen. Trier begleitet als Vorletzter das Schlusslicht Koblenz/Weibern in die 2. Liga. Bei den Trierer Spielerinnen und Verantwortlichen flossen in Leverkusen Tränen - hätten sie alle 26 Spiele mit einer solchen Einstellung absolviert, sie wären wohl nicht abgestiegen.

"Uns fehlen die Worte. Wir können uns hocherhobenen Hauptes aus der 1. Liga verabschieden. Ich bin absolut stolz auf unsere Mannschaft, die heute alles gegeben hat, um in der 1. Liga zu bleiben. Wir wollten drinbleiben, das hat jeder gesehen - aber es blieb uns nicht vergönnt", rang MJC-Vorstand Jürgen Brech um Worte.

Schon vor der Pause hielten die Miezen, die auf Kreisläuferin Silvia Solic verzichten mussten, sehr gut gegen Bayer mit. Der Rückstand betrug in den gesamten 30 Minuten nie mehr als zwei Tore. Und eine Spielerin war vorrangig dafür verantwortlich: Maxime Struijs. Die Niederländerin erzielte sechs ihrer insgesamt neun Treffer vor dem Seitenwechsel. Bayer kam nicht gut ins Spiel, erst als Nationalspielerin Kim Naidcinavicius aufs Feld kam, lief es besser.
Zudem profitierte Leverkusen von der ungewohnt hohen Zahl an Fehlwürfen von Triers sonst beste Torschützin Katrin Schneider.

Während Triers Mitkonkurrent Göppingen bei Vizemeister Buxtehude zur Pause schon entscheidend 9:19 hinten lag und am Ende trotz des 17:34 jubeln durfte, waren die Miezen beim 13:14 nach 30 Minuten noch voll im Rennen um das Entscheidungsspiel gegen die Schwaben. Beim 6:5 (15.) und 8:7 (19.) waren die Miezen virtuell sogar schon punktgleich mit Göppingen. Und als sie in die Kabine gingen, gab es frenetischen Aufmunterungsapplaus von den rund 20 mitgereisten Trierer Fans, die deutlich lauter waren als die Leverkusener Zuschauer.

Und die Triererinnen zeigten nach dem Seitenwechsel einen unbändigen Kampfgeist, gingen gleich wieder in Führung. Und sie ließen sich selbst durch vier Bayer-Treffer in Folge vom 15:16 zum zwischenzeitlichen 19:16 nicht aus der Ruhe bringen. Nach einer Auszeit von Trainerin Cristina Cabeza, die zum letzten Mal auf der MJC-Bank saß, nahmen die Miezen wieder Fahrt auf.

In Minute 47 war wieder alles möglich, als Struijs mit ihrem achten Treffer zum 22:23 traf - und Bayer-Trainerin Renate Wolf zu einer Auszeit zwang. In den letzten zehn Minuten der Saison gab die MJC wahrlich alles - beim 24:24 gelang Franzi Garcia-Almendaris in ihrem letzten Bundesligaspiel der Ausgleich, ein Tor fehlte noch zum Entscheidungsspiel um den Klassenerhalt.

"Kämpfen, kämpfen" schallte es aus dem Trierer Fanblock. Vier Minuten vor Schluss, beim 28:28, hatte die MJC die Riesenchance zur erneuten Führung - doch Linsey Houben verlor den Ball. Und diese vergebene Gelegenheit war letztendlich der Genickbruch: Bayer traf zweimal, Cabeza nahm ihre letzte Auszeit 90 Sekunden vor dem Ende. Houben trifft zum 30:29 - noch 50 Sekunden, Auszeit Leverkusen. Als Jennifer Rode das 31:29 erzielt, ist Triers Abstieg besiegelt.

Nach dem Abpfiff fließen die Tränen. Trainerin Cabeza heult wie ein Schlosshund, Vorstand Jürgen Brech steht wie versteinert neben dem Feld. Torfrau Jessica Kockler tröstet die weinenden Fans.
Nach 15 Jahren Bundesliga geht es für die MJC in der neuen Spielzeit in der 2. Liga weiter. Derweil sicherte sich der Thüringer HC am Samstag durch ein 35:25 über den HC Leipzig am Samstag den fünften Meistertitel in Folge, lag am Ende einen Punkt vor dem Buxtehuder SV.

DJK/MJC Trier: Flöck, Kockler - Sattler (0), Mohr (0), Schneider (4/2), Houben (1), Czanik (4), Vallet (4), Kordel (0), Derbach (2), Struijs (9), Garcia-Almendaris (5)

Beste Torschützinnen Leverkusen: Naidcinavicius (10), Rode (7/2)

Schiedsrichter: Thiyagarajah/ Thiyagarajah, Zuschauer: 300