Absichtlich verloren, um nicht abzusteigen

Absichtlich verloren, um nicht abzusteigen

Sie spielten die beste Regionalliga-Saison der Vereinsgeschichte und wurden Zweiter: Die kleinen Miezen machten Furore, durften aber nicht Meister werden, weil sonst der Zwangsabstieg gedroht hätte.

Die beste Abwehr der Liga, die beste Tordifferenz, fünftbester Angriff, nur zwei Heimniederlagen - und das als mit Abstand jüngste Mannschaft der Frauen-Regionalliga: Die kleinen Miezen haben sich als Unterbau bestens entwickelt, wurden zum erhofften Sammelbecken für Talente. Aber die Krönung, die Meisterschaft, durften sie nicht erringen, weil die Regularien einen Aufstiegsverzicht hart bestrafen.

Absatz 18 der Spielordnung besagt: Verzichtet der Regionalliga-Meister auf den Aufstieg, muss er in die höchste Klasse des Landesverbands absteigen. Heißt: Als Regionalliga-Meister hätten die kleinen Miezen in der neuen Saison in der Rheinlandliga (fünfte Liga) spielen müssen. Und der Sprung in die 2. Liga kam für den Verein überhaupt nicht in Betracht: "Wir haben bewusst auf die Meisterschaft verzichtet. Einen Aufstieg hätten wir uns finanziell überhaupt nicht leisten können, und zudem hätte es sportlich nicht in unser Konzept gepasst", sagte MJC-Vorstand Martin Rommel dem TV.

Somit verspielten die kleinen Miezen durch die Niederlagen gegen Neunkirchen und in Erfurt den Titel - um weiterhin drittklassig spielen zu können. Davon profitierte der FSV Mainz 05, der mit zwei Punkten Vorsprung Meister wurde. Sportlich ist MJC-Trainerin Elena Vereschako hochzufrieden: "Alle Spielerinnen haben sich enorm weiterentwickelt. Unser Ziel war der Klassenerhalt, aber ab dem Winter haben wir gemerkt, da war mehr drin - und dann haben wir sehr souverän gespielt, und dies mit einem Altersdurchschnitt von gerade einmal 18 Jahren."

Zwei kleine Miezen kämpfen um WM-Teilnahme



Zwei Leistungsträgerinnen haben den Verein nach Saisonende verlassen: Ex-Jugend-Nationalspielerin Lara Leuckefeld und Katrin Irsch spielen künftig beim Oberligisten Konz. "Gerade den Schritt von Lara habe ich nicht verstanden", sagt Vereschako, "sie hätte spätestens in einem Jahr Bundesliga gespielt." Den Sprung in die erste Mannschaft traut Vereschako aber anderen zu: Natalie Adeberg und Katrin Premm zum Beispiel, die sich ab kommender Woche in den deutschen Kader für die Jugend-WM im August in der Dominikanischen Republik spielen wollen. Oder auch Lena Zelmel, die derzeit aber noch an einem Kreuzband-Anriss laboriert. "Wir bleiben unserem Konzept treu, 16-jährige Mädels gleich im Frauenbereich spielen zu lassen. Auch deswegen wäre der Sprung in die 2. Liga zu groß gewesen. Dort hätten wir uns verstärken müssen", sagt Vereschako.

Einen besonderen Dank richtet die Trainerin an ihren einzigen Routinier: "Svetlana Mozgowaia hat auf dem Feld Regie geführt, sie war ein echtes Vorbild für die jungen."

In der neuen 3. Liga - vier Staffeln statt wie bisher fünf in der Regionalliga - wurden die kleinen Miezen wie Aufsteiger Bascharage dem Westen zugeordnet. Dort warten neue Gegner auf Trier. "Wir müssen nicht so weit reisen, aber wir müssen erst sehen, wo wir im neuen Umfeld stehen", gibt sich Vereschako zurückhaltend.

Meinung: Realitätsferne Regelung

Es ist absurd, wenn Vereine dafür bestraft werden, dass sie ihre finanziellen Möglichkeiten realistisch einschätzen und sich nicht in ein Abenteuer stürzen. Es kann nicht sein, dass Funktionäre Strafen festlegen, die mit gesundem Menschenverstand nichts zu tun haben. Die Miezen hätten sich den Aufstieg ihrer zweiten Mannschaft in die 2. Liga nicht leisten können. Aber weil der Verband nicht in der Lage ist, einfach zu sagen: "Wenn der Erste nicht will, steigt eben der Zweite auf", musste die MJC absichtlich ihre Spielerinnen vom Erfolg zurückhalten, weil man ansonsten als Meister, der nicht aufsteigen will, zwei Ligen tiefer gelandet wäre. Eine völlig realitätsfremde Regelung, zumal Meister Mainz auch als Ligazweiter liebend gerne aufgestiegen wäre. Jungen Talenten auf dem Weg in die Bundesliga das Siegen verbieten zu müssen ist bitter, noch bitterer ist aber, dass Funktionäre überhaupt auf diese Idee kamen. b.pazen@volksfreund.de

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