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Handball
Ohne Miezen ist wie ohne Flieten

2003 wurden sie in der Wolfsberghalle deutscher Meister: Trainerin Elena Vereschako, Vorstand Jürgen Brech und Anja Althaus (von links).
2003 wurden sie in der Wolfsberghalle deutscher Meister: Trainerin Elena Vereschako, Vorstand Jürgen Brech und Anja Althaus (von links). FOTO: TV / Björn Pazen
Trier. Handball war gestern, bald steht die Hochzeit an: Anja Althaus besucht ihre alte Heimat Trier.

Vor 18 Jahren stand sie das erste Mal vor dieser Halle, am Donnerstagabend war Anja Althaus ein bisschen geschockt, wie die Wolfsberghalle heute aussieht und dass sie in naher Zukunft abgerissen werden soll. 18 Jahre nach ihrem Wechsel aus Magdeburg zu den Miezen hat Althaus (36) ihre Handball-Karriere gerade beendet. Mit ihrem dritten Champions-League-Titel. Nun hat die Kreisläuferin viel Zeit, befindet sich gerade auf Deutschland-Tour, war in Magdeburg, Eisenach, Leipzig und natürlich in Trier. „Ohne die Miezen wäre das alles niemals möglich gewesen“, blickt die über 200-fache Nationalspielerin zurück auf ihre Karriere.

Gleich nach ihrem Wechsel hatte Jürgen Brech die 18-Jährige unter seine Fittiche genommen, die just im gleichen Unternehmen ihre Ausbildung zur Werbegestalterin absolvierte, in der Brech seinerzeit arbeitete. Mindestens einmal pro Jahr besucht Althaus den MJC-Vorstand seit ihrem Abschied aus Trier im Jahre 2007. Bei ihrer ersten Auslands­station im dänischen Viborg sammelte sie zwei Champions-League-Titel (2009, 2010). Dann ging es zurück nach Deutschland zum Thüringer HC, wo Althaus eigentlich ihre Karriere ausklingen lassen wollte.

„Und dann habe ich das erste Mal gemerkt, dass das Leben nicht planbar ist.“ 2014 nahm Vardar Skopje Kontakt zu ihr auf, der Club eines russischen Multimillionärs, der ein Starensemble zusammengestellt hatte. Althaus überlegte nicht lange, wechselt nach Mazedonien, qualifizierte sich dreimal fürs Finalturnier der Champions League, stand 2017 im Königsklassenfinale und fand zudem die Liebe ihres Lebens in Skopje, einen Unternehmer. Nach dem verlorenen 2017er Finale gab sie ihr Karriere-Ende bekannt, die Familien sollte nun Vorrang haben.

Abermals klingelte kurze Zeit später das Telefon, am anderen Ende jener Club aus dem ungarischen Györ, gegen den Vardar gerade das CL-Finale verloren hatten. Wieder sagte die Ex-Mieze spontan zu - und erfüllte sich im Mai  den Traum vom dritten CL-Titel. „Ein geileres Karriereende kann man sich nicht vorstellen.“ Nun ist das Thema Handball durch, auf ihrer Deutschland-Tour sammelte Althaus alle Unterlagen für die bevorstehende Hochzeit in Skopje, irgendwann will sie einmal Trainerin werden.

In Trier? „Wenn ich irgendwo in Deutschland was mit Handball mache, dann nur bei den Miezen, Trier ist mir wie keine andere Stadt ans Herz gewachsen“, sagt Althaus. Ihrem Ex-Club, mit dem sie 2003 deutsche Meisterin wurde, hatte sie schon beim Transfer der Mazedonierin Angie Petrovska unterstützt. Und Unterstützung für die MJC erhofft sie sich auch von anderen: „Man muss dem Verein eine Chance geben - auch finanziell.“ Momentan sei die MJC im Dornröschenschlaf, man müsse sie nur aufwecken: „Ich könnte hier etwas bewegen, aber momentan sieht meine Planung eben anders aus. Aber die Verpflichtung von Elena Vereschako war ein tolles Zeichen, sie ist eine Identifikationsfigur, sie hat das Know-how und den Charakter, um etwas zu bewegen und etwas Neues aufzubauen.“ Die aktuelle Mannschaft freute sich sehr über den Besuch von Althaus, die nach dem Training aber schon das nächste Ziel ihrer Reise hatte: wie immer, Hähnchen essen im Brubacher Hof: „Trier ohne Miezen wäre wie Trier ohne Flieten. Und beides geht gar nicht.“