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Auch bei Bayer die gleiche Leier

Auch bei Bayer die gleiche Leier

Die gleichen einfachen Fehler, der gleiche Spielverlauf, ein erneuter Rückschritt: Das 27:39 bei Bayer Leverkusen war für die Trierer Miezen bereits die achte Niederlage in Folge in der Bundesliga. Trainer Ilper hofft auf Verstärkungen für den Vorletzten.

Leverkusen. Der Vorstand schlug und trat gegen die "Eisbox", der Trainer fluchte wie ein Rohrspatz, war der Verzweiflung nahe, die Spielerinnen verließen wortlos den Ort des Geschehens. Und Coach Jörn Ilper musste sich nach Abpfiff zu allem Überfluss noch Fragen gefallen lassen, wie: "Wer fehlt denn bei euch, oder ist das euer kompletter Kader?" Ein älterer Osteuropäer passte Ilper noch in der Halle in Leverkusen ab, um ihm potenzielle Neuzugänge schmackhaft zu machen."Neuzugänge" ist ein Wort, das bei den Miezen-Verantwortlichen derzeit völlig unterschiedliche Reaktionen hervorruft. "Die können wir uns nicht leisten, da ist kein finanzieller Spielraum", sagte Vorstand Jürgen Brech nach dem neuerlichen 27:39-Debakel in Leverkusen. "Mindestens eine, besser zwei, uns fehlen die Alternativen", meint Ilper. Für ihn musste die Partie bei Bayer ein "und täglich grüßt das Murmeltier" gewesen sein, die gleiche Leier wie zuletzt, exakt die gleichen Fehler, die gleichen Unzulänglichkeiten, keine Besserung, eher Rückschritt. Keine Kiste Bier für Leverkusen

Exakt 19 Minuten waren die Triererinnen auf Augenhöhe, beim 11:10 nahm Bayer-Trainerin Heike Ahlgrimm ihre Auszeit - und dann zeigte sich der komplette Personal-Kontrast. Während bei der MJC die bis dahin bärenstarke, allerdings auch angeschlagene Kreisläuferin Andrea Czanik vom Feld musste - sie war nachmittags kollabiert, und ihr fehlten die Kräfte -, brachte Bayer Routinier Ruta Latakaite, die Abwehr und Angriff organisierte. "Bei uns merkt man sofort, wenn wir aus der ersten Sieben wechseln müssen, da kommt keine adäquate Option von der Bank, jeder Personalwechsel wirft uns zurück", sagt Ilper. Leverkusen erzielte innerhalb von vier Minuten 5:1 Tore, bei der MJC reihten sich Abwehrfehler an Fehlpässe und zu hektische Würfe - und aus einem 11:10 war bis zur Pause ein 20:14 für Bayer geworden. Nur noch Schicksalsspiele

Selbst die junge Garde der Leverkusener konnte danach genüsslich die Miezen zerlegen. In der 46. Minute bahnte sich beim 20:33 ein neuerliches Debakel an. Das die 40-Tore-Marke nicht geknackt wurde, lag vielleicht auch an einer Absprache bei Bayer, dass jene Spielerin, die den 40. Treffer markiert, eine Kiste Bier zahlen muss. Von der 19. bis zur 46. Minute ließen die Miezen jegliche Bundesliga-Tauglichkeit vermissen, insgesamt mit Ausnahme der Linksaußen Megane Vallet und Lena Zelmel sowie Carolin Schmele. "Wir haben jetzt nur noch Schicksalsspiele", gestand Ilper nach der achten Liga-Niederlage in Folge. Seine Hoffnung ist die nun folgende siebenwöchige Pause bis zum 22. Dezember. "Das ist für uns hoffentlich eine zweite Saisonvorbereitung. Wir müssen die Partien gegen Bad Wildungen und Blomberg gewinnen. Punkt." Die Mannschaft hat nun bis zum 12. November frei, dann wird Ilper die Zügel anziehen. "Die Spielerinnen haben es selbst in der Hand, ob es zwischendurch freie Tage gibt oder nicht." Die direkten Abstiegskonkurrenten haben bis dahin noch einige Nachholspiele. Sollte es beim derzeitigen Abstand von drei Punkten auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz bleiben, wäre Trier mit zwei Siegen wieder im Rennen. Um mal wieder ein Spiel zu gewinnen, muss sich aber einiges ändern. DJK/MJC Trier: Flöck, Kockler - Zelmel (4), Czanik (5), Schmele (6), Vallet (7), Adeberg (0), Derbach (0), Solic (1), Jelicic (3/1), Cabeza (1) Beste Torschützinnen Leverkusen: Zapf (11/5), Latakaite und Comans (je 5)