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Balkanteller, Hexenkessel

Begehrte Autogramme: Ex-„Mieze“ Anja Althaus nach dem letzten Testspiel vor der EM. TV-Foto: Björn Pazen
Begehrte Autogramme: Ex-„Mieze“ Anja Althaus nach dem letzten Testspiel vor der EM. TV-Foto: Björn Pazen
Nicht einmal vier Monate nach dem Olympia-Desaster (Rang elf) haben die deutschen Handballerinnen ab morgen bei der EM in Mazedonien die Chance zu zeigen, dass sie zur Weltspitze gehören. Im deutschen Kader stehen auch zwei Ex-"Miezen": Anja Althaus und Laura Steinbach. Von unserem Redakteur Björn Pazen

Skopje. "Peking. War da was? Keinen einzigen Gedanken verschwende ich noch daran." Anja Althaus, frühere Kreisläuferin der Trierer "Miezen" und heute beim dänischen Spitzenclub Viborg aktiv, sagt, was auch der Rest der Mannschaft denkt. Peking war gestern, Mazedonien ist heute. Aber die deutschen Handballerinnen haben zumindest eines aus Peking gelernt: Nachdem man vor Olympia von Edelmetall als Ziel sprach, hört sich das vor der morgen beginnenden EM viel zurückhaltender an. "Wir wollen unser Bestes zeigen. Aber wir geben kein Ziel aus. Erst einmal müssen wir die Vorrunde überstehen", sagt Althaus. Vor allem vor dem Eröffnungsspiel haben alle Beteiligten enormen Respekt. Am Dienstag (20.15 Uhr) geht es gegen Gastgeber Mazedonien. "Da werden 7000 Leute schreien und toben. Wir müssen in diesem Hexenkessel bestehen. Mit einem Auftaktsieg stehen alle Türe weit offen", meint Laura Steinbach. Die frühere "Mieze", die heute für Leverkusen spielt, sieht es ähnlich wie Althaus: "Erst einmal die Hauptrunde erreichen - und dann alles mitnehmen, was kommt." Angesichts des "gemischten Balkantellers" in der Vorrunde in Skopje können die Deutschen sogar schon aufs Halbfinale schielen. Weitere Gegner sind Serbien am Donnerstag (18.15 Uhr) und Kroatien (Samstag, 18.15 Uhr). Die ersten drei kommen weiter, dann würden in der Hauptrunde ab kommendem Montag (ebenfalls in Skopje) wohl Weltmeister Russland sowie Schweden und Österreich warten. Alles machbar, wenn man so spielt wie vor einem Jahr bei der WM in Frankreich, als Althaus & Co. Bronze gewannen. Damals war in Maren Baumbach eine weitere frühere Triererin dabei, doch die Spielmacherin trat nach Peking aus dem Nationalteam zurück. Die Garde der Ex-"Miezen" komplettiert Anja Gläsener, die wie schon in Frankreich und China bei der EM Physiotherapeutin der deutschen Auswahl ist.

Bundestrainer Armin Emrich betont ebenfalls die Bedeutung des ersten Spiels: "Ich denke noch an überhaupt nichts anderes. Es wird richtig heiß werden. In Mazedonien fliegen auch schon mal Pistazien und Feuerzeuge recht tief." Die Vorbereitung nach Olympia fiel recht kurz aus. Bei einem Turnier in Rumänien gab es zwei Niederlagen (gegen die Gastgeber und die Ukraine) sowie einen Erfolg gegen das kroatische B-Team. In der vergangenen Woche gewannen die Deutschen zwei abschließende Testspiele gegen Frankreich (Olympia-Fünfter). "Es war gut, dass uns ein erfolgreicher Abschluss gelungen ist. Die Stimmung in der Mannschaft ist gut, wir sind bereit zu zeigen, was wir wirklich können", meint Anja Althaus. Alle deutschen Spiele werden live vom Deutschen Sportfernsehen übertragen. Co-Kommentator ist unter anderem der frühere MJC-Trainer Dago Leukefeld.