Beste Bedingungen, aber kaum noch Talente

Beste Bedingungen, aber kaum noch Talente

Schwarze Wolken über der Nachwuchsarbeit im Trierer Frauen-Handball: Der Deutsche Handball-Bund hat seinen Stützpunkt geschlossen, der Landessportbund knüpft den Fortbestand der Förderung an Bedingungen - und die Funktionäre bekämpfen sich.

Trier. Jahrelang kamen erfolgreiche Nachwuchs-Handballerinnen aus Trier, viele haben bei den Miezen den Sprung in die Bundesliga geschafft. Aber das Erfolgsmodell, das 2008 in der Eröffnung des Nachwuchs-Stützpunkts des Deutschen Handball-Bunds (DHB) gipfelte, steht auf der Kippe. Trier hatte alles, was man für einen solchen Stützpunkt benötigte (siehe Extra), vor allem Talente (Carolin Thomas, Lara Leuckefeld, Kira Eickhoff, Katrin Premm, Katrin Irsch und andere). Und heute? "Kaum eine Stadt hat solche hervorragenden Rahmenbedingungen, aber sportlich passiert einfach nichts mehr", sagt Juniorinnen-Bundestrainer An dreas Schwabe. Daher beschloss der DHB im Sommer, den Nachwuchs-Stützpunkt zu schließen. Schwabe: "Es gab keine Kommunikation, und es gab erhebliche Probleme, alles ist der Personalsituation geschuldet."
"Gute einfach abgewandert"


Ein Kernpunkt war die Schwangerschaft von Elena Vereschako, die die Landesauswahl und die zweite Miezen-Mannschaft trainierte und zudem DHB-Fördertrainerin war - seither gab es kaum noch Fördermaßnahmen. "Entscheidend ist aber, dass der Kader in Trier - egal ob erste oder zweite Mannschaft - nicht mehr dem entspricht, was einen DHB-Stützpunkt rechtfertigen würde, die guten Spielerinnen sind einfach abgewandert", sagt Schwabe. Die DJK/MJC Trier weiß laut Vorstand Martin Rommel aber von nichts: "Es gibt keine schriftliche Erklärung des DHB, dass es den Stützpunkt nicht mehr gibt."
Und nun droht sogar das komplette Aus des Trierer Modells - denn das vom Landessportbund finanzierte Internat steht auf der Kippe. Zum 31. Dezember 2012 läuft der Vertrag aus. Zu den oben genannten Problemen kommt im Falle des LSB auch die Struktur des Handballs hinzu. Drei Landesverbände (Rheinland, Pfalz und Rheinhessen) haben sich in einer Arbeitsgemeinschaft (Arge) zusammengeschlossen. Aber statt gemeinsam den Nachwuchs voranzubringen, gibt es unendliche Machtspiele. "Wir erwarten vom rheinland-pfälzischen Handball ein klares Bekenntnis zum Standort Trier. Wenn sich nichts ändert, können wir die Förderung nicht fortsetzen", sagt Jörg Weiß, Leiter für den Leistungssport beim LSB. Weiß betont, dass die Förderung unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit der Miezen ist: "Wir kümmern uns um Nachwuchs- und Anschlussförderung in der zweiten Mannschaft." Daher sei auch nicht der DJK/MJC Sportmanagement e. V. der Ansprechpartner, sondern der MJC-Gesamtverein. "Der LSB war nie Sponsor der Bundesliga-Mannschaft und wird es auch nie werden", sagt Weiß. Sollten die Verbände an einem Strang ziehen, "stehen wir zu dem, was verhandelt wurde".
Und in den verkrusteten Verbandsstrukturen scheint sich etwas zu bewegen. "Alle drei Verbände im Land haben sich auf die Fortführung des Stützpunkts Trier geeinigt", sagt der Trierer Herbert Schuhmacher, Vizepräsident des HV Rheinland. Manko: Weder LSB noch Rommel wissen etwas von dieser Einigung. Gemeinsam mit dem MJC-Gesamtverein wurde laut Schuhmacher ein Konzept erarbeitet. "Und wir haben schon die erste neue Spielerin für das Internat", meint Jörg Hunold, Sportreferent der MJC.
Künftig soll das Landestraining wieder kontinuierlich stattfinden, nach TV-Informationen soll Vere schako diese Aufgabe übernehmen. Ziel ist es, wieder mehr Jugend- und Junioren-Nationalspielerinnen - vorrangig aus Rheinland-Pfalz - auszubilden. Derzeit steht nur Mieze Natalie Adeberg im DHB-Kader - sie ist neben Lena Zelmel und Anna Monz die einzige Bewohnerin des Internats. Jede weitere Jung-Nationalspielerin könnte dafür sorgen, dass auch der DHB an die Mosel zurückkehrt. Nationaltrainer Andreas Schwabe: "Die Tür ist nicht zu, aber es muss etwas passieren."Meinung

Ein Image- und Profilierungs-Problem
Wo sind all die Talente hin? Nach Konz, weil ihnen fünfmal Training pro Woche zu anstrengend war? Nach Frankfurt/Oder oder Blomberg, weil die sportlichen Aussichten besser waren? In die 2. Liga, weil die Kombination aus Sport und Beruf von anderen Vereinen besser in die Hand genommen wird? Oder aber kamen sie erst gar nicht nach Trier? Ein Kernproblem ist das Image der Trierer Miezen. In Zeiten von sozialen Netzwerken geht ein Austausch rasend schnell. Und die sportlichen Misserfolge der MJC, gepaart mit finanziellen Problemen, sorgen nicht dafür, Nachwuchsspielerinnen in rauen Mengen an die Mosel zu locken, da können die Rahmenbedingungen noch so gut sein. Dabei wären junge deutsche Spielerinnen aus Image-, aber auch Kostengründen so wichtig für den Verein. Und man könnte eine Sogwirkung erreichen, um den Ruf unter den Spielerinnen zu verbessern, und auch den DHB zu einer Rückkehr bewegen. Aber wenn erstens die Personalpolitik des Vereins scheinbar anders ausgerichtet ist und sich zweitens Verbandsfunktionäre lieber um Profilierung und Selbstdarstellung statt um Nachwuchsarbeit kümmern, kann es nicht vorangehen. b.pazen@volksfreund.deExtra

Das Trierer Nachwuchsmodell beinhaltet zwei sportbezogene Partnerschulen (Max-Planck-Gymnasium und Robert-Schumann-Realschule), die Sportakademie, in der die Handballerinnen in Internatsform untergebracht sind, und wo es eine pädagogische Betreuung gibt, die Arena, den Stützpunkt für Landesauswahl und vormals DHB inklusive Landestrainerin Elena Vere schako und die Zusammenarbeit mit der Uni. Dieses sportbezogene Kooperationsmodell existiert nicht nur für Handball, sondern auch für Fußball, Basketball, Rudern und Leichtathletik. Zu trennen ist im Streit um den Handball-Stützpunkt zwischen dem DJK/MJC Trier e. V., dem Gesamtverein mit Sitz im Mergener Hof und dem DJK/MJC Sportmanagement e. V. Diese Gesellschaft (Vorstand Martin Rommel und Jürgen Brech) ist der wirtschaftliche Träger der Bundesliga-Miezen. BP