Der Traum vom großen Pott

Zweimal Pokalsieger wurde sie schon, steht zudem kurz vor ihrem zweiten Meistertitel in Dänemark - nun will die frühere "Mieze" Anja Althaus auch die Champions League mit ihrem Club Viborg HK gewinnen. Am Samstag ist das Final-Hinspiel gegen Györ (Ungarn).

Viborg/Trier. "Das war gigantisch, einfach nur genial, das war immer mein Traum." Anja Althaus (26) gerät noch drei Wochen nach dem Halbfinale der Frauen-Handball-Champions-League ins Schwärmen. Ein Remis zu Hause genügte ihrem Club Viborg HK, um nach dem deutlichen Hinspiel bei Valcea (Rumänien) ins Endspiel einzuziehen. "Es war geschafft, wir lagen uns in den Armen, das war Jubel pur", beschreibt die frühere Kreisläuferin der Trierer "Miezen" ihre Gefühle. 2007 hatte die gebürtige Magdeburgerin Trier verlassen, war zum dänischen Spitzenclub Viborg HK gewechselt - und lebt ihren Traum voll aus. "Ich habe mittlerweile ein absolutes Top-Niveau erreicht", sagt Althaus.

Jetzt fehlt nur noch der Dreifach-Erfolg



In ihrer ersten Saison schaffte sie das Double aus Pokal und Meisterschaft, war aber im Champions-League-Halbfinale am späteren Sieger Zvenigorod (Russland) gescheitert. Nun soll das Triple her. "Den Pokal haben wir gewonnen, und im Meisterschafts-Finale gegen Aalborg sind wir klarer Favorit", strotzt Althaus vor Optimismus. Das hat seinen Grund: In der Liga hat Viborg alle Spiele gewonnen, inklusive der Play-off-Partien.

Nun soll auch international der große Coup gelingen. "Wer das Finale erreicht hat, will es auch gewinnen", sagt Althaus vor den Champions-League-Endspielen gegen den ungarischen Meister aus Györ. Am Samstag (16 Uhr) steht das Hinspiel in Dänemark an, Viborg zog wegen des großen Zuschauer-Interesses in die größere Halle nach Aalborg um. "Es sind die besten Mannschaften dieser Saison. Obwohl wir leicht favorisiert sind, wird das richtig eng", hat Althaus Respekt vor den Ungarn, die in einer Woche (16. Mai) Heimrecht im Rückspiel haben. "Das könnte ihr Vorteil sein, deswegen müssen wir im Hinspiel schon ein Polster erreichen", sagt Althaus, die an der Seite der deutschen Rekord-Nationalspielerin Grit Jurack Geschichte schreiben kann. Denn Jurack ist bislang die einzige Deutsche, die den CL-Titel gewann - 2006 mit Viborg.

Und Jurack war für Althaus eine wichtige Bezugsperson. "Das erste Jahr war etwas schwierig" gesteht Althaus, "es dauerte eine Weile, bis ich mich eingewöhnt hatte. Das größte Problem war die Sprache. Wer weiß, wie gerne ich mich mitteile, weiß, was ich meine." Mittlerweile spricht sie fließend Dänisch, hat sich menschlich und sportlich bestens zurechtgefunden. Daher kann sich Althaus gut vorstellen, ihren 2010 auslaufenden Vertrag in Viborg zu verlängern: "Mir gefällt es richtig gut, derzeit sehe ich keinen Grund, nicht in Dänemark zu bleiben."

Der Kontakt in die alte Heimat Trier ist nicht abgerissen, auch wenn er kurz nach ihrem Wechsel intensiver war. Auf www.volksfreund.de beobachtet Althaus die Entwicklung ihrer früheren Mannschaft: "Irgendwie ist es schade, was da passiert. Wir hatten Erfolg, einen guten Ruf und viele Fans. Das scheint derzeit nicht so zu sein." Fast wäre Althaus für ein Wochenende in die Region zurückgekehrt, doch ihr Club musste die geplante Teilnahme am "Stelioplast"-Cup in Wittlich am zweiten August-Wochenende absagen.

Mindestens zwei Mal pro Saison trifft Althaus auf ihre Ex-Mannschaftskameradin Maren Baumbach, die mit ihrem Club FC Kopenhagen überraschend das dänische Traumfinale gegen Viborg verpasste. Aber auf internationaler Ebene will Baumbach an den kommenden Wochenenden für Furore sorgen: Mit dem FCK steht sie im Endspiel des Pokalsieger-Wettbewerbs gegen die Norweger aus Larvik.