Die Karten werden neu gemischt

Die Karten werden neu gemischt

Erstmals seit fast einem Jahrzehnt geht das wohl größte automobile Abenteuer der Welt ohne Volkswagen Motorsport über die Bühne. Neben Argentinien und Chile steht 2012 bei der Rallye Dakar auch der Andenstaat Peru auf der Agenda. Wieder mit von der Partie: die ehemalige Miezen-Handballerin Anja Gläsener als Physiotherapeutin des deutschen X-Raid-Teams.

Buenos Aires/Trier. Im Prinzip hätte sich Anja Gläsener die Rückreise aus Brasilien sparen können. Als Physiotherapeutin der Deutschen Frauenhandball-Nationalmannschaft war sie beim missglückten WM-Auftritt der bundesdeutschen Ballwerferinnen-Elite in ihrer angestammten Sportart dabei. Nach ein paar Tagen Weihnachtsaufenthalt wird sie als eine von zwei Physiotherapeuten im Team des hessischen Unternehmers Sven Quandt (X-Raid) wieder wie Anfang des Jahres bei der Rallye Dakar dabei sein, wenn es über mehr als 10 000 Kilometer durch sengende Wüste und über die Anden- und Kordilleren-Gipfel geht. Gestern hob die Maschine in Frankfurt ab, die Gläsener nach Buenos Aires brachte.
Ohne die übermächtige Konkurrenz der Wolfsburger Race-Touaregs und der Sieger von 2010 und 2011, Carlos Sainz und Al Attiytah, werden die Karten im Kampf um den Gesamtsieg 2012 neu gemischt. Die Rallye Dakar wird ihre globale Aufmerksamkeit wohl nicht verlieren. Gleichwohl wird es in der Autonation Deutschland ohne den mächtigen niedersächsischen Konzern als mediales Gaspedal erheblich weniger Aufhebens geben. Der Rückzug von Volkswagen, der sich jetzt ganz auf den Einstieg in die Rallye-Weltmeisterschaft konzentriert, führt zu größerer Spannung an der Spitze des Teilnehmerfeldes.
"Unsere Aussichten, im Kampf um den Gesamtsieg 2012 ein ganz ernstes Wort mitreden zu können, sind auf jeden Fall gestiegen", weiß auch Anja Gläsener, die sich trotz aller Strapazen auf "Südamerika, Teil 2" innerhalb weniger Wochen freut. Mit den beiden Exchampions Stéphane Peterhansel und Nani Roma am Steuer der beiden Monster Energy Minis von X-Raid hat die Quandt-Truppe jedenfalls zwei starke Asse im Dakar-Ärmel. "Wir sind Teamkameraden, aber auch Konkurrenten", ordnet Peterhansel, Lebensgefährte der deutschen Marathon-Pilotin Andrea Mayer, die Situation vor dem Start am 1. Januar 2012 in der argentinischen Hauptstadt realistisch ein.
Daneben gilt auch der Sieger des Jahres 2009, der Südafrikaner Giniel de Villiers, in einem neu konzipierten Toyota Hilux des heimischen Imperia-Teams als potenzieller Sieganwärter. Für die größte Überraschung im Vorfeld sorgte bei der Einschreibung jedoch Ex-Weltmeister Carlos Sousa. Der Portugiese nimmt die Rallye als Werksfahrer des chinesischen Great-Wall-Teams in Angriff. Auch US-Boy Robby Gordon möchte in seinem mächtigen Hummer endlich einmal den üblichen Vorschusslorbeeren gerecht werden.
Insgesamt haben 465 Teilnehmer bei Autos, Motorrädern und in der LKW-Wertung gemeldet. Selbstverständlich ohne den gigantischen Tross an Versorgungsfahrzeugen, die die Abenteurer-Elite begleiten und ihr Tag für Tag immer wieder Hunderte von Kilometern vorausfahren. So ganz ohne Volkswagen aber wird es auch 2012 nicht gehen. Aus Argentinien und Chile werden einige der neuen T1/T2-Amarok (VW Pick-Up) dabei sein und die Tradition der "blauen Übermacht" fortführen.
Mit dem mehrfachen deutschen Rallyemeister Matthias Kahle in seinem zwar privaten, aber dennoch sehr professionell aufgebauten Buggy-Team geht zudem ein weiterer Pilot an den Start, der in Trier und Umgebung viele Fans und Freunde hat. jüb
Extra

Die Rallye Dakar, die 1978 als Rallye Paris - Dakar zum ersten Mal gefahren wurde, wird 2012 zum 33. Mal ausgetragen. Der Start erfolgt im argentinischen Mar del Plata am Atlantik. Zum ersten Mal wird die peruanische Hauptstadt Lima im südamerikanischen Anden-Hochland nach 14 Etappen (fünf in Argentinien, fünf in Chile, vier in Peru) der Zielort sein. Die Rallye ist ebenso berüchtigt wie umstritten. In 33 Jahren kamen mehr als 60 Menschen (Teilnehmer und Zuschauer) um. Seit 2005 gibt es ein Tempolimit in Ortsdurchfahrten. 2001 gewann die Deutsche Jutta Kleinschmidt als erste Frau und erste Deutsche die Rallye Dakar mit ihrem Co-Piloten Andreas Schulz. jüb

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