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Doch noch eine Chance für die Unabsteigbaren?

Doch noch eine Chance für die Unabsteigbaren?

Die Frauen-Handball-Bundesliga wird von der überraschenden Insolvenz des FHC Frankfurt/Oder erschüttert. Theoretisch könnte dieser Konkurs bedeuten, dass die Trierer Handball-Miezen als bester Absteiger erstklassig bleiben. Die Ligaführung wiegelt aber erst einmal ab.

Trier. Eintracht Trier hat es schon gemacht, die TBB auch - und nun wieder die Miezen? Schon häufiger profitierte der Trierer Sport von Insolvenzen und Lizenzverweigerungen von Konkurrenten, um noch die Klasse zu halten. So auch die Miezen vor zwei Jahren, als Sindelfingen schon vor Saisonstart als Absteiger feststand und die MJC die Liga hielt. Nun lässt die überraschende Insolvenz des FHC Frankfurt/Oder eine kleine Hintertür für die Miezen offen, auch in der neuen Saison erstklassig zu sein. Denn wenn der FHC den Spielbetrieb einstellt, wäre vielleicht ein Platz in Liga eins frei, und die Miezen waren der "beste Absteiger".
Spielordnung sieht das nicht vor


Doch Liga-Präsident Berndt Dugall sieht nur wenige Chancen: "Das Schicksal des FHC liegt nun in der Hand des Insolvenzverwalters, der wird die Lage erst einmal sondieren und entscheiden, ob weitergespielt wird, was aufgrund unserer Regularien möglich ist. Zudem sieht die Spielordnung nicht vor, dass sich die Ligazusammensetzung nach dem 1. Juli noch einmal ändert." Noch vor zehn Tagen bei der Ligatagung war der FHC laut Dugall kein Thema, bekam die Lizenz.
Genau wegen des Termins der Insolvenz-Verkündung ist man bei der MJC stinksauer: "Das ist alles andere als fair gegenüber den anderen Beteiligten. Wäre das am 30. Juni geschehen, hätte es eine deutlich bessere Chance für uns gegeben, noch in der ersten Liga zu bleiben", sagte MJC-Vorstand Jürgen Brech dem TV: "Wir fühlen uns veräppelt und prüfen rechtliche Schritte. Mir persönlich tut es aber auch für die FHC-Macher leid, die sicherlich alles versucht haben, um den Verein zu retten."
Noch gestern haben sich die Miezen schriftlich an den Ligaverband gewandt und erklärt, dass sie einen freien Startplatz in der ersten Bundesliga gerne einnehmen würden.
Nach TV-Informationen wäre es theoretisch möglich, alle Vereine aus der ersten Liga abstimmen zu lassen, ob sie Trier wieder in ihren Kreis aufnehmen. Dafür müsste aber schnellstmöglich der Insolvenzverwalter in Frankfurt/Oder erklären, dass man den Spielbetrieb einstellt. Dies könnte für den Club, den nach Medienberichten ein sechsstelliger Schuldenberg aus Altlasten in die Insolvenz trieb, aber bedeuten, dass man die Bürgschaft in Höhe von 40 000 Euro an die Konkurrenz zahlen muss. Der FHC selbst hat mitgeteilt, künftig nur noch den Nachwuchsbereich aufrechterhalten zu wollen.
Spielt der FHC nicht weiter, und die Miezen dürfen nicht im Oberhaus bleiben, spielt die erste Liga in der kommenden Saison mit nur elf Mannschaften - ein Team hätte an jedem Spieltag spielfrei. Und in der neuen Saison wird erstmals mit einem anderen Modus gespielt: Nach der Normalrunde spielen die ersten sechs den Meister aus, die zweiten sechs Mannschaften spielen einen Absteiger aus. Wird die Liga nicht mit Trier aufgefüllt, wäre diese Runde völlig sinnlos, weil mit dem FHC der einzige Absteiger schon vorher feststehen würde. Aber: Laut Dugall hat die MJC bislang nur eine Lizenz für die zweite Liga, ob es überhaupt eine Spielberechtigung fürs Oberhaus gebe, sei ebenfalls noch offen.