"Doping im Breitensport macht uns große Sorgen"

Seit einem Jahr ist Karin Augustin Präsidentin des in den vergangenen Jahren häufig in negativen Schlagzeilen stehenden Landessportbunds (LSB) Rheinland-Pfalz. Die 52-jährige Westerwälderin ist guter Dinge, dass der momentane "Burgfriede" länger anhält. Mehr Sorgen machen der Diplom-Sportlehrerin hingegen die Wirtschafts- und Finanzkrise sowie Doping.

 Karin Augustin ist seit einem Jahr im Amt. Foto: LSB

Karin Augustin ist seit einem Jahr im Amt. Foto: LSB

Trier/Mainz. (bl) Was bewegt LSB-Präsidentin Karin Augustin? Im Interview mit TV-Redakteur Mirko Blahak zieht sie nach zwölf Monaten im Amt eine erste Zwischenbilanz ihrer Arbeit.

Allenthalben wird die Wirtschaftskrise thematisiert. Inwieweit macht sie dem Sport in Rheinland-Pfalz zu schaffen?

Augustin: Auf den Breitensport schlägt die derzeit wirtschaftlich schwierigere Zeit noch nicht so durch. Im Leistungs- und Spitzensport, wo Vereine auf Sponsoren angewiesen sind, treten hingegen stärker Probleme auf. Die Basketball-Männer des Mainzer ASC Theresianum ziehen sich aus der zweiten Liga zurück, weil dem Club Sponsoreneinnahmen weggebrochen sind. Auch die Handball-Frauen der DJK/MJC Trier spüren die Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Im Spitzensport kann die Lage durchaus noch schwieriger werden.

Die "Miezen" senken ihren Personal-Etat. Der LSB fördert finanziell das Trierer Nachwuchs-Konzept mit Internat und DHB-Stützpunkt. Kann der LSB viel zur Standortsicherung beitragen?

Augustin: Das hoffen wir. Wir versuchen, so gut es geht zu helfen. Was wir finanziell tun können, haben wir getan. Wir wissen, dass der Spitzensport Ausstrahlung auf den Breitensport hat.

Die Politik versucht, der Krise in Teilbereichen mit dem Konjunkturpaket entgegenzusteuern. Ärgert Sie, dass nur die Sanierung kommunaler — und nicht auch vereinseigener Sport-Anlagen — gefördert wird?

Augustin: Da sind wir nicht ganz glücklich drüber. Man hätte früher darauf hinwirken können, dass auch vereinseigene Anlagen gefördert werden. Andererseits: Wenn Schulsporthallen saniert werden, profitiert auch der Sport in der Breite davon.

In den vergangenen Jahren bestimmten Führungsquerelen die Außendarstellung des LSB. Drei von vier Präsidenten gingen im Zorn. Wie lange hält der gegenwärtige "Burgfrieden"?

Augustin: Ich hoffe, dass er lange Bestand hat. Meine Wahl damals war ein Zeichen. Die Vertreter des Landessportbunds und der drei regionalen Sportbünde Rheinhessen, Pfalz und Rheinland haben gesagt: Wir wollen zeigen, dass wir zusammenstehen. Die drei regionalen Sportbünde haben ihre Existenzberechtigung. Sie sind die Dienstleister für die Vereine. Der LSB ist vornehmlich für den Leistungssport oder den Kontakt zur Politik und zum Deutschen Olympischen Sportbund zuständig. LSB und regionale Sportbünde versuchen sich zu unterstützen. Inzwischen entwickeln wir gemeinsame Jahresprogramme.

Die Diskussion um die regionalen Sportbünde ist also beendet? Sie sehen keine Verschwendung von (finanziellen) Ressourcen?

Augustin: Ich bin von dem derzeitigen Konstrukt überzeugt. Wir konnten in der Vergangenheit zudem vorrechnen, dass effektiv nichts zu sparen ist.

Stichwort Lotto. Das Unternehmen ist ein wichtiger Partner des LSB. Weiterhin wird heftig über die Ausgestaltung des deutschen Sportwettenmarkts debattiert. Wie muss Ihrer Ansicht nach ein Nebeneinander von staatlichen und privaten Anbietern aussehen?

Augustin: Die Politik muss gerechte Lösungen finden. Private Anbieter in Deutschland ganz vom Markt zu verdrängen, wird nicht möglich sein. Wenn alle Anbieter unter gleichen Bedingungen auf dem Markt existieren können, ist auch Lotto bereit, sich dieser Konkurrenz zu stellen. So müssten zum Beispiel alle Anbieter die gleichen Steuern abführen. Für diesen Fall präpariert sich Lotto auch bereits. Es gibt Kooperationen mit anderen Lotto-Gesellschaften, um größer am Markt aufgestellt sein zu können.

Doping im Spitzensport ist ständiger Berichterstattungs-Gegenstand. Mit wie viel Sorge betrachten Sie, dass Doping auch im Breitensport ein Thema ist?

Augustin: Das macht uns viel Sorge. Wir bieten deshalb Fortbildungsveranstaltungen an. Und wir integrieren das Thema Dopingprävention in die Übungsleiterausbildung. Es gibt eine große Grauzone. Da müssen wir im Breitensport mit Information entgegenwirken. Wir müssen das Bewusstsein bei den Trainern und Übungsleitern schärfen. Da sind Dinge im Entstehen, deren Nebenwirkungen noch gar nicht abzusehen sind.