Ein Juwel mit Touristenvisum

Trier · Innerhalb von zwei Monaten hat sich die Russin Vica Tunik zur Leistungsträgerin bei den kleinen Miezen entwickelt. Doch ihre Zeit in Trier läuft bald ab, ihre sportliche Zukunft ist noch offen.

Trier. Über zu viel Personal kann sich Igor Domaschenko wahrlich nicht beklagen. Daher wollte der Trainer der Drittliga-Miezen schon im Herbst Verstärkung für seinen Kader aus seiner Heimat organisieren. Zwei Spielerinnen weilten im Oktober zum Probetraining, eine kam nun im Februar mit einem drei Monate gültigen Touristenvisum nach Deutschland. Und die 18-Jährige Vica Tunik schlug bei den kleinen Miezen hervorragend ein. In sechs Spielen erzielte sie 44 Treffer, darunter alleine elf Tore beim Spiel in Mörfelden. Somit hatte Tunik erheblichen Anteil am vorzeitigen Klassenerhalt.
Wie Domaschenko kommt Vica Tunik aus Krasnodar, einer 700 000-Einwohner-Stadt am Kaspischen Meer, die als beste Adresse im russischen Handball gilt. "Ich habe mit ihrem Vater gemeinsam an der Sportakademie studiert - und Vika ist ein echtes Handball-Juwel", sagt Domaschenko über die Rückraumspielerin. "Ich wollte im Ausland Handball spielen und Deutsch lernen. Da kam mir Trier gerade recht", sagt Tunik, die im vergangenen Jahr mit dem Klub Kuban Krasnodar russischer Juniorenmeister wurde.
Auch sie studiert Sport an der Akademie ihrer Heimatstadt, hat zudem seit Oktober eifrig Deutsch gebüffelt. "Wenn alles klappt, würde ich gerne in Deutschland studieren - und weiter Handball spielen", meint die 18-Jährige, die mit anderen Miezen wie Nathalie Adeberg oder Lena Zelmel in der Sportakademie lebt. Doch dort wird sie bald ihre Zelte abbrechen müssen, ihr Visum läuft in zwei Wochen ab. "Vielleicht findet sie einen anderen Verein in Deutschland, Angebote liegen bereits vor. Sie ist schnell und torgefährlich, obwohl sie nicht die Größte ist, ein großes Talent, sehr diszipliniert", lobt Domaschenko.
Und der Trainer wartet wie seine Spielerinnen auf die endgültige Entscheidung über die Zukunft der zweiten Mannschaft bei den Miezen. "Ich weiß nicht, wie es weitergeht", meint der 53-Jährige: "Wir müssen sehen, was passiert." Im TV hatte Bundesliga-Trainer Dago Leukefeld angekündigt, dass es die zweite Mannschaft in dieser Form künftig nicht mehr geben wird. Über diese Aussage zeigte man sich wohl beim Gesamtverein MJC Trier wahrlich nicht erfreut - denn die Reserve gehört eigentlich zum Gesamtverein, allerdings wird die Hälfte des Etats aus dem Bundesligabudget beigesteuert.
Somit sitzt auch Domaschenko zwischen den Stühlen. "Ich werde in den kommenden zwei Wochen meine Entscheidung treffen. Für mich ist das Wichtigste, dass der Verein mit dem Klassenerhalt der ersten und der zweiten Mannschaft erstmal alle sportlichen Ziele erreicht hat. Alles andere liegt jetzt nicht mehr in unseren Händen."

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