| 20:35 Uhr

Ein Mann für alle Miezen

Igor Domaschenko. TV-Foto: Archiv
Igor Domaschenko. TV-Foto: Archiv
Trier. Der Russe Igor Domaschenko trainiert - neben drei Jugendmannschaften - eigentlich "nur" die "kleinen Miezen", doch jetzt ist er auch fürs Erstliga-Team mitverantwortlich. Björn Pazen

Trier. "Ich bin ein Handball-Verrückter. Sagt meine Frau." Wer Igor Domaschenko (53) diese Aussage seiner besseren Hälfte nicht abnimmt, sollte einen Blick auf sein Pensum werfen. Der Sportlehrer an der Realschule plus in Sohren (Hunsrück) trainiert nicht nur drei hochklassige Jugendmannschaften im Hunsrück ("fast alles meine Schüler"), sondern auch noch die erste und zweite Mannschaft der Trierer Miezen.
"Kein Problem, alles eine Sache der Organisation", sagt der Russe. Seit März 2011 ist Domaschenko Trainer der "kleinen Miezen" in der 3. Liga, seit einigen Wochen ist er auch mitverantwortlich für die Bundesliga-Mannschaft, saß bei den Spielen in Erfurt und gegen Leverkusen auch als Chef auf der Bank.
Nach Thomas Happes Rücktritt und Interimslösung Dago Leukefeld wurde bei der MJC die Teamlösung Leukefeld/Domaschenko/Elena Vereschako installiert, die bis zum Saisonende tätig sein wird (der TV berichtete). "Das ist die richtige Lösung, wir arbeiten sehr gut zusammen", sagt Domaschenko. Er und Vereschako, seine Vorgängerin bei den "kleinen Miezen", trainieren die erste Mannschaft dann, wenn Leukefeld andere Verpflichtungen hat. Domaschenko: "Dago und ich verstehen uns bestens, wir sind eben Profis."
Unter professionellen Bedingungen spielte Domaschenko 16 Jahre lang beim russischen Erstligisten Krasnodar im Kaukasus. Nach dem Fall der Mauer kam er als 32-Jähriger erstmals nach Deutschland, lief für Frisch Auf Göppingen auf, sagt aber rückblickend: "Eigentlich wollte ich nach Spanien oder Italien, aber damals hat der Verband dir noch deinen Verein ausgesucht."
So kam es, dass Domaschenko erst wieder als Trainer in Russland, dann im norwegischen Stavanger (Trainer einer Damenmannschaft) und schließlich wieder in Deutschland landete. Nach einigen Stationen wurde er in Kirchberg sesshaft, wurde Spielertrainer beim Rheinlandligisten SG Gösenroth. "Ich hatte Angebote aus China und Norwegen, aber wir wollten auf dem Hunsrück bleiben", sagt der frühere Rückraumspieler.
Vier Jahre trainierte Domaschenko dann die HSG Irmenach/Kleinich/Horbruch, seine beiden nun erwachsenen Söhne spielten ebenfalls Handball - haben aber mittlerweile aufgehört. Sein jüngster Spross Anton strebt nun eine Tenniskarriere an, trainiert beim TC Trier.
Sein Vater erhielt nach einjähriger Pause das Angebot bei den Miezen, den entlassenen Markus Zeimet als Trainer der Drittliga-Mannschaft zu ersetzen. Und nun ist Domaschenko in der Doppelrolle: "Schwerpunkt ist natürlich die erste Mannschaft, sie muss unter allen Umständen den Klassenerhalt schaffen. Und ich bin überzeugt, dass wir das können."
Aber Domaschenko sieht sich auch als Nachwuchsförderer: "Man muss nur Geduld mit den jungen Spielerinnen haben. Generell ist die dritte Liga ein tolles Sprungbrett nach oben."