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Ein Millionenpoker ist klar die Ausnahme

Ein Millionenpoker ist klar die Ausnahme

Im Gegensatz zum Fußball geht es im nationalen und internationalen Handball um deutlich weniger Geld. Doch auch im Handball wurde gerade die Millionen-Euro-Marke bei Transfers gebrochen. Wie ein international tätiger Spielerberater aus Trier arbeitet und wie bei den "Miezen" Transfers über die Bühne gehen, erläutert Teil drei der TV-Serie "Wer wird Millionär".

Trier. Es war eine der großen Geschichten der abgelaufenen Handball-Saison - der Millionen-Poker um den französischen Welthandballer Nikola Karabatic. Obwohl er noch einen Vertrag bis 2012 beim THW Kiel hatte, wollte er unbedingt weg. Zunächst hieß es, Karabatic wechselt zu seinem "Ziehvater" Noka Serdarusic nach Mannheim. Als im Zuge des Manipulationsskandals Serdarusic nicht zu den "Löwen" ging, legte es Karabatic dennoch auf einen Abschied an, kokettierte mit Wechselabsichten zu internationalen Topclubs, um am Ende zu seinem Heimatverein HB Montpellier nach Frankreich zurückzukehren. Im Doppel mit seinem Freund Vid Kavticnik betrug die Ablösesumme für Kiel 1,5 Millionen Euro, größtenteils bezahlt von der Regionalverwaltung Montpellier.

"Es war klar, dass die Millionengrenze irgendwann fällt. Das hat mich nicht überrascht", sagt Srdjan Skercevic. Der Sohn des früheren "Miezen"-Trainers Mane Skercevic war lange Jahre Bundesliga-Profi, trainiert seit zwei Jahren den luxemburgischen Club Schifflingen und ist zudem Besitzer einer Spielerberater-Agentur mit Sitz in Trier. Skercevics Unternehmen verfügt über internationale Spielerberater-Lizenzen des Fußballweltverbands Fifa sowie des europäischen und des deutschen Handballverbands. Derzeit hat er rund 25 Handballer aus aller Herren Länder unter Vertrag, arbeitet in einem Netzwerk mit anderen Spielerberatern aus Frankreich, Spanien und Dänemark zusammen. "Die Rundum-Betreuung des Spielers ist das Wichtigste", sagt Skercevic, "dabei geht es nicht nur um die rechtliche Ausgestaltung von Verträgen, sondern um viele alltägliche Dinge, die Spielerberater den Vereinen abnehmen."

Auch mit dem THW Kiel hat Skercevic zuletzt zusammengearbeitet; er vermittelte den Isländer Aron Palmarsson sowie den Esten Mait Patrail an den deutschen Rekordmeister. Dass er sehr viele Bundesliga-Spieler und -Trainer aus seiner aktiven Zeit kennt, sei ein unschätzbarer Vorteil. "Ein Spielerberater sollte aus der Sportart kommen, entweder Spieler oder Trainer gewesen sein, um die Abläufe zu kennen." Hierzulande, so der in Deutschland geborene Skercevic, arbeiten rund zehn seriöse inländische Berater, hinzu kämen viele Berater zum Beispiel aus Ex-Jugoslawien oder Frankreich. Zu den bekanntesten Gesichtern zählt der Pfälzer Wolfgang Gütschow mit seinem markanten Schnauzbart, der vor allem aus seiner Zeit als Vizepräsident des russischen Handball-Verbands enorme Kontakte nach Osteuropa unterhält, aber auch Manager des Isländers Olafur Stefansson (viermaliger Champions-League-Sieger) ist, der nach seinem Wechsel nach Mannheim mit einem geschätzten Brutto-Monatsgehalt von über 40 000 Euro und nach Karabatics Abschied Spitzenverdiener der Bundesliga ist.

Von solchen Summen können Handballerinnen nur träumen. Dreistellige Summen sind für Nachwuchsspielerinnen die Regel, auch Topspielerinnen verdienen in der Bundesliga nicht mehr als 3000 Euro brutto plus Leistungen wie Auto und Wohnung. Fast alle Bundesliga-Spielerinnen studieren, arbeiten oder befinden sich in der Ausbildung. Vollprofis sind eine Rarität. Auch bei den "Miezen" gibt es aktuell keine reine Profispielerin. Die Transfers laufen anders ab als bei den Männern.

"Kaum eine Spielerin hat einen Berater", sagt Vorstand Martin Rommel, "in zehn Jahren Bundesliga hatte ich nur mit drei Beratern zu tun." Der Verein nimmt also über Management oder Trainer direkt Kontakt zur Spielerin auf. "Im Frauen-Handball geht es nicht um große Summen, entsprechend gering wäre der Verdienst für einen Berater beim Vertragsabschluss. Also muss sich der Verein auch um alles kümmern. Bei den Männern ist das anders."

Schwarze Schafe contra seriöse Arbeit



Das sieht Srdjan Skercevic ähnlich: "Jeder Spieler hat einen Berater." Das Gehalt eines Spielervermittlers bemisst sich am Bruttogehalt eines Spielers, der genaue Prozentsatz ist Verhandlungssache, ist aber zum Beispiel in den Regularien des Deutschen Handballbunds geregelt. "Dadurch, dass Vereine wie Hamburg oder Mannheim mit potenten Mäzenen neu am Markt sind, hat sich das Gehaltsgefüge nach oben verschoben", weiß Skercevic.

Er nimmt mit Vereinen bereits im November Sondierungsgespräche auf, erfährt, auf welchen Position in der kommenden Saison Bedarf ist, und bietet seine Spieler gezielt an. "Es bringt überhaupt nichts, DVDs mit Spielszenen an 20 Vereine zu schicken und darauf zu warten, dass einer anbeißt. Damit zerstört man eher die Reputation des Spielers." Die Pauschalkritik, dass Spielerberater eine Sportart kaputtmachen, teilt er nicht: "Überall gibt es schwarze Schafe, aber die Vereine und Spieler wissen genau, wer seriös ist. Und diese Seriösen werden sich durchsetzen."