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Eine schrecklich sportliche Familie

Eine schrecklich sportliche Familie

Am Sonntag will Katrin Groetzki (16) mit der A-Jugend der "Miezen" ins Final Four der Deutschen Meisterschaft einziehen. Ihr Name bürgt im Handball für Qualität: Katrins Bruder Patrick (19) spielt in der Bundesliga und wurde zuletzt sogar ins Nationalteam eingeladen.

Trier. "Bist du die Schwester von Patrick?" In letzter Zeit häuft sich diese Frage, wenn Katrin Groetzki in den Handballhallen aufläuft. Nicht ohne Stolz kommt dann ein "Ja" von der 16-Jährigen. "Damit habe ich überhaupt kein Problem. Was mein Bruder erreicht hat, ist doch genial." Mit 19 Jahren zählt Patrick Groetzki schon zum Stamm der Rhein Neckar Löwen, schaffte es mit den Badenern ins Champions-League- und DHB-Pokal-Halbfinale, spielte sich zuletzt sogar in den Lehrgang der Männer-Nationalmannschaft. "Das war das absolute i-Tüpfelchen, das ist der Traum eines jeden Sportlers", sagt Patrick.

Aber trotz all dieser Erfolge verfolgt der Linksaußen der "Löwen" auch äußerst interessiert die Karriere seiner Schwester, die seit dieser Saison bei den Trierer "Miezen" spielt. "Über die Ergebnisse bin ich immer auf dem Laufenden", sagt der Bruder, der es bedauert, beim nächsten großen Spiel von Katrin nicht dabei sein zu können. Am Sonntag (15 Uhr, Wolfsberghalle) sind die "kleinen Miezen" Favorit im Viertelfinal-Rückspiel um die Deutsche Meisterschaft. Das Hinspiel bei der SG Oeversee/Jarplund gewann Trier 32:28, nun wollen sich "Ötzi" (Katrins Spitzname) & Co. den Einzug ins Final-Four nicht mehr nehmen lassen.

"Natürlich sind wir Favorit, aber vier Tore sind im Handball gar nichts. Wir müssen zu Hause genau so stark spielen wie im hohen Norden", sagt die Rückraumspielerin, aber: "Natürlich sind wir nervös, aber wir haben einen guten Grundstein gelegt."

Groetzki, die in der Sportakademie lebt und an der BBS für Wirtschaft ihr Fachabitur anstrebt, war in dieser Saison lange verletzt, kommt nun nach einem Bänderriss aber wieder in Form. Diese Verletzungen verhinderten auch, dass die Pforzheimerin im Gegensatz zu ihren Mannschaftskameradinnen Katrin Premm und Lara Leuckefeld zum deutschen Kader bei der Jugend-EM zählt. "Wenn ich richtig fit bin, kommt wieder die Zeit für die Nationalmannschaft", meint die Schülerin.

Da ist ihr Bruder schon weiter, wenn auch die Männer-EM im Januar für ihn kein Thema ist: "Ich muss mich erst im Verein beweisen. Zudem ist die Konkurrenz sehr groß. Ich träume eher vom ersten Länderspiel."

Dass bei den Geschwistern Handball einmal den Lebensmittelpunkt bilden würde, war ihnen in die Wiege gelegt worden. Vater, Mutter, Großvater und sogar Urgroßvater Groetzki spielten Handball. "Wir haben beide das Talent geerbt, uns unsere Erfolge aber auch hart erarbeitet", sagt Patrick Groetzki: "Als ich vor zwei Jahren aus Pforzheim zu den Löwen kam, hätte ich nie mit einer solchen Entwicklung gerechnet."

Große Unterstützung für den großen Bruder



Und Schwester Katrin ist stets bestens informiert: "Der Liveticker ist immer an. Wenn wir spielfrei haben, fahre ich nach Mannheim zu den Spielen." Und dort ist Patrick neben Uwe Gensheimer zum absoluten Fanliebling geworden, sie machen das badische Lokalkolorit in einem Team mit Spielern aus aller Welt aus.

Seine Schwester will langfristig in Trier bleiben, hat sich nach Schulwechsel, Umzug und Verletzungen bestens eingelebt. "Die Stimmung in unserer Mannschaft ist toll, sportlich habe ich eine Perspektive." Und die wird nächste Saison im Seniorenbereich liegen, denn die erfolgreiche A-Jugend bestreitet am Sonntag ihr letztes Heimspiel überhaupt - und wechselt dann komplett in die zweite Mannschaft in die Frauen-Regionalliga.

Weil Patrick seine Schwester immer unterstützt, hatte er vor dem Auswärtsspiel in Jarplund eine "Miet-mich"-Aktion ins Leben gerufen, um Geld für die Auswärtsfahrt zu sammeln. Insgesamt kamen so 1000 Euro zusammen, nun steht Patrick den drei Meistbietenden an einem halben Tag zur Verfügung.