Es wird auch ohne Vollprofis gehen

Seit vier Jahren läuft Silvia Solic für die Trierer Miezen auf, in der gerade beendeten Saison war die 29-jährige Schwäbin mit kroatischen Wurzeln erstmals Spielführerin. Im TV zieht die Kreisläuferin, die bei den Stadtwerken arbeitet, ihre persönliche Saisonbilanz.

Silvia Solic über …
den erfolgreichen Saisonendspurt:
Spätestens beim Heimspiel gegen Oldenburg war eine positive Tendenz zu erkennen, die dann auch im Klassenerhalt mündete. In der Hinrunde war nichts drin, in der Rückrunde hätten wir dann sogar noch häufiger gewinnen können, aber am Ende haben uns gegen Leverkusen, Oldenburg und Bad Wildungen die letzten zehn Minuten das Genick gebrochen.
den Vergleich zu den vergangenen - ähnlich knappen - Spielzeiten: Wir haben nicht erst am letzten Spieltag die Klasse gehalten, mussten also nicht bis zum Schluss zittern. Generell war in der Saison 2010/11 der Kampfgeist ausgeprägter, obwohl frühzeitig feststand, dass einige Spielerinnen die MJC verlassen würden. In der aktuellen Saisonschlussphase waren es vor allem die jungen Spielerinnen, die die nötige Leidenschaft an den Tag legten. Zwischenzeitlich war ich enttäuscht über die Einstellung, die einige an den Tag gelegt haben.
die Vollprofis im Team: Gerade bei den drei Serbinnen, für die ich anfangs als Übersetzerin fungierte, hätte ich mir mehr Eigeninitiative nicht nur in Sachen Sprache gewünscht. Das Trio sowie Lucyna Wilamowska fanden nicht die Bindung zum Spiel, so wie es sich alle erhofft hatten. In der Vorbereitung haben sie Akzente gesetzt, aber dann stockte die Entwicklung. Doch in entscheidenden Phasen haben Jasmina Radojicic und Katarina Vojcic ihre Klasse unter Beweis gestellt.
die finanziellen Probleme: Wir haben uns aufs Handballspielen konzentriert, konnten das Thema Finanzen ausblenden. Sportlich haben wir vorgelegt, deswegen hoffe ich sehr, dass der Vorstand auch die anderen Probleme löst.
Den Trainerwechsel auf Dago Leukefeld: Das war ein Glücksfall für den ganzen Verein. Ich glaube nicht, dass es ohne Dago noch Bundesliga-Handball in Trier geben würde. Ich bin dankbar, dass er kam - und wir hatten Glück, dass er gerade in Koblenz weilte, als wir einen Trainer brauchten. Er hat neue Impulse gesetzt. Zudem kommen seine Kontakte weiterhin dem Verein zugute.
die Fans: Es ist genial, wie die Zuschauer, egal in welchem Spiel und wie das Resultat war, immer hinter uns gestanden haben.
das künftige Konzept, ohne Profis und ohne hauptamtlichen Trainer: Ich denke, dass das der richtige Weg ist. Vier bis fünf Trainingseinheiten pro Woche reichen aus, um unsere Ziele zu erreichen. Von Frauenhandball kann man in Deutschland nicht leben, die Spielerinnen müssen also einer Arbeit nachgehen oder studieren. Daher ist es wichtig, dass man Spielerinnen langfristige Perspektiven mit Ausbildungsplatz oder Uni geben muss, damit sie nach Trier kommen - gepaart mit sportlichen Entwicklungsmöglichkeiten. Ich bin jetzt vier Jahre in Trier und erlebe den vierten Umbruch, da ist es für das Umfeld schwer, sich mit der Mannschaft zu identifizieren. Deswegen muss Konstanz her, und manchmal ist weniger mehr. Deshalb stehe ich voll hinter dem Konzept, dass man einen großen Schritt zurück macht, um sich langfristig zu entwickeln.

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