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Früher in Biewer, heute im Europapokal-Halbfinale

Früher in Biewer, heute im Europapokal-Halbfinale

Als erste luxemburgische Mannschaft überhaupt hat HB Esch das Halbfinale eines Handball-Europapokals erreicht. Chef der Truppe ist Werner Klöckner, früher Trainer der HSG Biewer/Pfalzel.

Esch/Luxemburg. Werner Klöckner muss selbst lachen: "Ja, wir sind so etwas wie das Bayern München des luxemburgischen Handballs. Wir tanzen noch auf drei Hochzeiten." Klöckner hat derzeit gut lachen, denn sein Handballverein HB Esch ist derzeit in aller Munde im Ländchen.
Die Escher haben geschafft, was noch nie zuvor luxemburgischen Handballern gelang: den Einzug in ein Europapokal-Halbfinale. Durch zwei Erfolge im Beneluxderby gegen Hasselt aus Belgien qualifizierte sich die Mannschaft für die Runde der letzten vier im Challenge Cup - am Samstag steht das Hinspiel beim rumänischen Club CSU Suceava an. "Wir sind nicht chancenlos", sagt Klöckner, der bis 2001 Trainer der HSG Biewer/Pfalzel in der Oberliga war.
Und Klöckner ist nicht der einzige Ex-Biewerer im Team des aktuellen luxemburgischen Pokalsiegers, denn im Tor steht Andy Mauruschatt, der noch 2011 bei der HSG spielte.
Klöckner trainiert in Esch/Alzette eine reine Amateurtruppe ohne Profis. "Aber wir schaffen es, täglich zu trainieren, meist zwei Stunden", sagt der Trainer. Dennoch hat Esch unter anderem geschafft, Profimannschaften aus dem Weg zu räumen, wie den serbischen Vertreter Spartak Vojput im Achtelfinale. "Das war unser Schlüsselerlebnis, in diesem Hexenkessel haben wir unser mentale Stärke gefunden, die uns so weit gebracht hat." Nachdem die Luxemburger das Hinspiel 34:26 gewonnen hatten, lagen sie in Serbien zwischenzeitlich mit elf Toren im Hintertreffen, schafften am Ende mit dem 20:27 genau das Ergebnis, das zum Weiterkommen reichte.
Teamgeist macht vieles wett

Früher in Biewer, heute im Europapokal-Halbfinale


"Viele unserer internationalen Gegner sind physisch stärker als wir, das machen wir aber mit Teamgeist weg, schließlich spielt die Mannschaft schon seit vielen Jahren zusammen", meint Klöckner, dessen Spieler vom "Triple" träumen. Denn neben dem Europapokal sind sie auch im Halbfinale des luxemburgischen Pokals und führen die Liga klar an. "Im letzten Jahr haben wir das Double im letzten Spiel gegen Düdelingen aus den Händen gegeben, als wir mit einem Tor verloren. Ein Unentschieden hätte nach dem Pokalsieg zur Meisterschaft gereicht. Dieses Jahr wollen wir es schaffen", sagt Klöckner.
Und in Esch ist eine Handball euphorie ausgebrochen: Der Vorverkauf für das Europapokal-Heimspiel gegen Sukeava am 27. April musste abgebrochen werden, die Halle ist trotz Zusatztribünen ausverkauft. "Wir hätten in die große Coque wechseln können, aber wir wollten unseren Fans ein echtes Heimspiel bieten", meint der Trainer, der häufig aus Mülheim-Kärlich (seinem "Hauptwohnsitz") nach Esch pendelt, wo er eine Wohnung hat.
Und auch in Trier macht er noch häufiger einen Zwischenstopp. Er hat nicht nur im Dom eine Kerze für ein erfolgreiches Europapokal-Halbfinale angezündet, sondern steht auch noch in Kontakt mit seinem Ex-Spieler Mark Köhler. Und ein ganz besonderes Verhältnis hat er zu Miezentrainer Jörn Ilper: Denn der war beim Bundesligisten Gummersbach Spieler, als Klöckner dort Co-Trainer war.
Nun gilt sein ganzer Fokus HB Esch, dem Club, der auch eine Vielzahl der Nationalspieler stellt. "Grundsätzlich gibt es viele Talente in Luxemburg, aber man muss sie auch mental einstellen. Manche sind zu früh zu satt." Das Gegenteil ist in Esch der Fall: Dort ist man hungrig darauf, die internationale Erfolgsgeschichte bis Mitte Mai zu verlängern - denn dann stehen die Challenge-Cup-Finals an.