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Glücksgriff aus dem Nichts

Glücksgriff aus dem Nichts

Aus Vietnam an die Mosel, aus dem Nichts zur Führungsspielerin: Für Miezen-Neuzugang Franzi Garcia-Almendaris hatte sich innerhalb einer Woche so ziemlich alles verändert. Morgen geht es für die MJC gegen Leipzig.

Trier. Als sie ihre alte Heimat am 23. Dezember verließ, war dort Hochsommer, 34 Grad. Als sie am 27. Dezember ihr Zimmer in der neuen Heimat bezog, regnete es bei sechs Grad in Strömen. "Verdammt kalt hier", war der erste Eindruck von Franziska Garcia-Almendaris, als sie ihre Zelte in Trier aufgeschlagen hatte.
15 Monate hatte sie kein Handball mehr gespielt, war dafür durch Bali, Kambodscha, Thailand und Vietnam gereist - unter anderem auf der Suche nach ihren Wurzeln. Die 29-Jährige wurde im ostdeutschen Guben geboren, ihr Vater war ein vietnamesischer Gastarbeiter, der ein Jahr nach ihrer Geburt in die Heimat zurückkehrte (der TV berichtete). Im Oktober 2012, nachdem Garcia-Almendaris zuvor als Redakteurin beim Sport-Informationsdienst in Köln gearbeitet und bei Bayer Leverkusen ihre bis dato letzte Bundesligastation hatte, machte sie sich auf nach Asien. Ihren Vater hatte sie wenige Monate zuvor ausfindig gemacht. "Eine ganz andere Kultur, eine Zeit, die mich geprägt hat, ich mag die vietnamesische Mentalität", sagt sie heute.
Ein Zimmer in der Sportakademie


Dennoch kehrte sie nun für fünf Monate nach Deutschland zurück, unterschrieb bis zum Saisonende einen Vertrag bei den Trierer Miezen. "Der Kontakt ging von mir aus, ich habe den Verein angeschrieben", sagt "Franzi", die eigentlich nicht mehr mit einem Bundesliga-Comeback gerechnet hatte, nachdem sie auch aus gesundheitlichen Gründen ihre Karriere beendet hatte. Aber unverhofft kommt oft. Nachdem sie quasi als "Entwicklungshelferin" beim vietnamesischen Handballverband tätig war, steht sie seit etwas mehr als einer Woche für die Miezen auf der Platte.
Und dies äußerst erfolgreich: Vor allem dank des Neuzugangs gelangen der MJC zwei Erfolge binnen 48 Stunden - das 29:27 zu Hause gegen Weibern und das 27:23 in Bensheim - entscheidende Schritte Richtung Klassenerhalt. "Es ist ein geniales Gefühl, so erfolgreich zu starten", meint die vielseitig einsetzbare Kreisläuferin, die bei den Miezen auch im Rückraum und auf Außen eingesetzt wird. "Ich bin eine Allrounderin", sagt sie.
Neben dem Handball will Garcia-Almendaris an der Mosel auch wieder journalistisch tätig werden, zudem gibt sie - wie andere Miezen auch - Sportkurse für die Handwerkskammer. Ihr Aufenthalt in Trier ist nach derzeitigem Stand auf fünf Monate begrenzt, danach soll es wieder zurück nach Vietnam gehen. "Daher lebe ich auch in einem möblierten Internatszimmer in der Trierer Sportakademie, alles andere wäre doch ein viel zu großer Aufwand gewesen." MJC-Vorstand Jürgen Brech hegt allerdings die Hoffnung auf eine "Verlängerung" von Garcia-Almendaris: "Sie ist ein absoluter Glücksgriff und wäre eine ideale Spielerin, um unsere junge Mannschaft langfristig zu führen." Die so Gelobte will mit der MJC aber zunächst das eine große Ziel erreichen: "Ich denke, die Miezen haben das Potenzial, die Klasse zu halten." Wie stark die MJC und ihr "Glücksgriff aus dem Nichts" sind, davon können sich die Fans am morgigen Samstag (19.30 Uhr) beim Heimspiel gegen Leipzig erneut überzeugen.