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Handball: Miezen gewinnen Derby-Krimi gegen Koblenz mit 29:27

Handball: Miezen gewinnen Derby-Krimi gegen Koblenz mit 29:27

Die Trierer Handball-Miezen haben ein Ausrufezeichen im Bundesliga-Abstiegskampf gesetzt: Vor 2000 Zuschauern in der Arena feierte die MJC am Samstagabend den zweiten Saisonsieg und gab die „rote Laterne“ des Tabellenletzten an den nächsten Gegner, die HSG Bensheim/Auerbach, ab.

Das 29:27 (15:14) im Rheinland-Derby gegen die Vulkanladies Koblenz/Weibern war hoch dramatisch, aber auch verdient - und wurde am Ende von Torfrau Daniela Vogt festgehalten.

Dass ein Miezen-Spiel mit zehnminütiger Verspätung beginnt, weil vor der Arena noch Massen von Fans warten, erlebt man auch nicht oft. Nach weniger als 200 Zuschauern beim letzten Pokalspiel gegen den Thüringer HC im November fanden sich am Samstagabend 2000 Fans - darunter auch viele aus Koblenz und Weibern - in der Arena ein. Und die sahen einen fulminanten Start der MJC gegen eine zunächst völlig verunsicherte Gästemannschaft.

Nach nur neun Minuten musste der neue Vulkanladies-Trainer Christoph Barthel, der Anfang Dezember Ildiko Barna (früher auch in Trier) ablöste, seine erste Auszeit nehmen, die Miezen lagen 5:2 vorne. Doch kurzfristig änderte sich nichts. Angetrieben von den Fans und aufbauend auf eine bärenstarke Deckung sowie die Tore von Katrin Schneider (sieben ihrer acht Treffer vor der Pause) setzte sich Trier auf 10:4 ab - Koblenz/Weibern hatte nichts entgegenzusetzen.
Doch urplötzlich verloren die Miezen, bei denen Neuzugang Franziska Garcia-Almenadaris ab der 21. Minute ihr Debüt gab, ihre Souveränität. Die Abwehr stand nicht mehr so sicher, im Angriff wusste die MJC nicht viel gegen die kurze Deckung gegen Schneider anzufangen - die Vulkanladies verkürzten Tor um Tor, trafen zunächst viermal in Folge zum 11:9, angetrieben vorrangig von der Ungarin Dora Varga. Beim Pausenstand von 15:14 für Trier war alles wieder offen.

Und gleich nach der Pause sorgten die Gäste mit einem Doppelschlag zum 16:15 für die erste Führung, aber nun war der Kampfgeist der Miezen erneut geweckt. Die Partie - kein Leckerbissen, aber verbissen geführt und spannend - wurde auf beiden Seiten härter, erstes "Opfer" war die frühere Wittlicherin Marina Kils (Vulkanladies), die nach 38 Minuten verletzt vom Feld musste und erst nach längerer Behandlung wieder zurückkehrte. Kurz darauf sorgten unter anderem die ersten beiden Garcia-Almendaris-Treffer wieder für eine Zwei-Tore-Führung der Miezen beim 20:18.

Das Spiel, geprägt von vielen Verletzungsunterbrechungen, wogte hin und her. Die MJC-Abwehr stand nun sattelfester, aber im Angriff konnte Schneider kaum noch Akzente setzen - dafür sprang die Dänin Maria Kroyer in die Bresche, ihr fünfter Treffer bedeutete beim 25:22 der erste Drei-Tore-Vorsprung nach der Pause. Zudem steigerte sich Torfrau Daniela Vogt, die am Ende zur Matchwinnerin wurde - aber die Vulkanladies ließen sich noch nicht abschütteln.

Vargas Tor Nummer neun (von insgesamt zehn) brachte die Gäste acht Minuten vor Schluss wieder auf 25:26 heran. Die Arena kochte, die Trierer Fans standen wie eine Frau hinter der MJC. Und diese Unterstützung verlieh den Miezen Flügel: Mit drei Treffern in Folge bis zum 29:25 (57. Minute) entschieden die Miezen den Derby-Krimi, überstanden auch eine doppelte Unterzahl in den Schlussminuten und sicherten sich zwei enorm wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt.

Bereits am Montag (Anwurf: 19.30 Uhr) geht es für die Miezen mit dem nächsten Schicksalsspiel im Abstiegskampf weiter. Dann gastieren sie bei der HSG Bensheim/Auerbach, dem neuen Tabellenletzten (zwei Punkte auf dem Konto). Mit einem weiteren Erfolg könnte die MJC dann sogar den Anschluss zum Drittletzten Koblenz/Weibern (acht Punkte) herstellen.

Statistik

DJK/MJC Trier- Vulkanladies Koblenz/Weibern 29:27 (15:14)
DJK/MJC Trier: Vogt, Kockler, Flöck - Derbach (2), Pilmayer (0), Schneider (8/4), Mohr (2), Kroyer (7), Vallet (4), Adeberg (0), Czanik (3), Pötters (n.e.), Sattler (n.e.), Garcia-Almendaris (3), Irsch (n.e.), Kordel (n.e.)
Vulkanladies Koblenz/Weibern; Zec, Grob - Kils (0), Atanasoska (3/1), Varga (10/4), Zimmermann (4), Thomas (3), Thorgeirssdottir (0), Kinlend (1), Prak (3), Schenk (n.e.), Frank (0), Vollebreght (3), Jaszchuk (0)
Zuschauer: 2000, Schiedsrichter: Behrens/Fasthoff
Zeitstrafen: Trier: Vallet/4 Minuten, Pilmayer, Mohr, Czanik, Garcia-Almendaris/Vulkanladies:Thomas, Prak, Frank, Jaszchuk
Siebenmeter: Trier: 5/4 (Schneider verwirft)/Vulkanladies: 6/5 (Varga verwirft

Trainerstimmen

Jana Arnosova, Co-Trainerin Trier: Es war ein tolles Gefühl zu gewinnen und das Spiel zu kontrollieren. Heute kann man keine einzelne Spielerin hervorheben, es war ein Erfolg des Kollektivs. Am wichtigsten war, dass wir unseren zwischenzeitlichen Durchhänger kompensieren konnten und wieder zurückkamen. Am Montag wird es richtig schwer, weil uns diese Partie viel Kraft gekostet hat. Vielen Dank an die Fans, es war sensationell, wie sie uns unterstützt haben.

Christoph Barthel, Trainer Vulkanladies Koblenz/Weibern: Trier hat verdient gewonnen. Wir waren im Angriff phasenweise zu nervös und überhastet und haben in der Abwehr zum Beispiel Maria Kroyer nicht eng genug gedeckt. In vielen Situationen fehlte uns die Cleverness.