Heftiger Streit um Dopingproben

Heinz Winden aus Kasel bei Trier, Anti-Doping-Chef beim Deutschen Handballbund, erhebt im TV schwere Vorwürfe gegen die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada, die wiederum zurückschießt. Hintergrund ist der Fall von manipulierten Dopingproben.

Trier/Bonn. Aus acht von einer Kontrolleurin manipulierten Dopingproben (siehe Extra) sind ein Politikum und ein handfester Streit um Geld, Einfluss und Kompetenzen geworden. Im Mittelpunkt stehen Heinz Winden aus Kasel bei Trier, Vizepräsident und Chef der Anti-Doping-Kommission beim deutschen Handball-Bund, sowie der Trierer Berthold Mertes, Leiter Kommunikation der nationalen Anti-Doping-Agentur Nada. Und der Ton ist rau: "Nada-Chef Armin Baumert hat als Trittbrettfahrer versucht, die Verbände in die krude Geschäftspolitik der Nada-Führung zu pressen", sagt Winden. "Diese Aussagen sind weder in der Sache noch vom Ton her nachvollziehbar", entgegnet Berthold Mertes.

Winden wirft der Nada vor, zu versuchen, mit der Firma PWC ein Monopol bei Dopingkontrollen installieren zu wollen: "Die Nada führt selbst keine Kontrollen durch, sondern betätigt sich nur als gewinnbeteiligter Zwischenhändler. Sie hat einen nicht einsehbaren Exklusiv-Vertrag mit der privaten Firma und versucht seit einigen Jahren, dieser Firma eine Monopolstellung im lukrativen Doping-Kontrollgeschäft zu verschaffen. Die Gefahren eines Monopolsystems sind bekannt und machen sich in diesem Fall allein schon in der Preispolitik bemerkbar", sagte Winden dem TV.

Auf TV-Anfrage reagiert Mertes verstimmt: "Die Behauptung, wir würden versuchen, der Kontrollfirma, die wir als Dienstleister beauftragen, eine Monopolstellung zu verschaffen, ist unsinnig. Wir arbeiten mit dieser Firma zusammen, weil wir keine andere kennen, die in der Lage wäre, 8000 bis 9000 Trainingskontrollen im Jahr sauber und ordentlich abzuwickeln."

Der DHB führt seit Januar die Dopingkontrollen (laut Winden seither 28) in Eigenregie durch und arbeitet dabei mit anderen Sportverbänden zusammen. "Dies hat viele Vorteile und hängt mit der Geschäftspolitik der Nada-Führung zusammen", sagt Winden und betont: "Eine Spiel-Kontrolle, die den Verband jetzt rund 120 Euro kostet, wäre im Nada-System mit einem vierstelligen Betrag zu honorieren. In diesem System hätten wir zudem noch weniger Einfluss und Einblick in die Tätigkeit der Kontrolleure, als wir sie bis Januar hatten." Diesen Vorwurf lässt Mertes nicht unkommentiert: "Was den Preis einer Kontrolle angeht, vergleicht Winden Äpfel mit Birnen. Er übersieht, dass die Trainingskontrollen der meisten Verbände mehr oder weniger stark subventioniert sind. So zahlt der Bund bei den olympischen Verbänden zum Beispiel die Analyse der Proben. Die Abnahme einer Urinkontrolle stellen wir mit 145 Euro in Rechnung, eine Blutkontrolle mit 260 Euro. Je nach Umfang der Analyseverfahren entstehen weitere Kosten." Zudem moniert Mertes: " Wenn Winden sagt, jetzt habe man mehr Einfluss und Einblick in die Tätigkeit der Kontrolleure, dann muss ihn mal jemand darüber aufklären, dass ein Kontrollsystem nur dann glaubwürdig ist, wenn die Kontrolleure völlig unabhängig arbeiten können."

Vor allem aber ist Winden sauer auf Nada-Chef Baumert, der gesagt hatte, der DHB sei "in der Bredouille" und der "worst case" sei eingetreten: "Es ist merkwürdig, wenn für ihn die Straftat einer Angestellten einer Dritt-Firma der worst case ist und nicht ein gedopter Athlet." Die Fronten sind verhärtet, eine Annäherung zwischen DHB und Nada scheint derzeit nicht in Sicht.

Extra

Der Fall von manipulierten Dopingproben bei zwei Frauen-Handball-Spielen (unter anderem einem Miezen-Pokalspiel, der TV berichtete) schlägt weiter hohe Wellen. Eine Kontrolleurin, die im Auftrag der Mannheimer Firma Serco die Kontrollen durchführen sollte, hat ihren Urin für acht Proben eingereicht, um so das Geld zu kassieren. Aufgefallen ist dies im Kölner Dopinglabor, das sofort den DHB informierte. Dieser unterrichtete alle Institutionen am 29. Januar. Der Vertrag mit Serco wurde gekündigt, der DHB stellte Strafanzeige. Serco hat sich mittlerweile beim DHB entschuldigt und gegen die Ex-Mitarbeiterin Schadensersatzforderungen erhoben. Ein Zivilverfahren, bei dem es um 6000 Euro Kostenerstattung ging, ist mit einem Vergleich beendet worden. Von der Kontrolleurin wurden DNA-Proben beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg entnommen, weil sie die Aussage verweigerte. (BP)