Heimspiel für die heilenden Hände

Heimspiel für die heilenden Hände

Zwölf Jahre hat Anja Gläsener für die Trierer Miezen gespielt, und seit fünf Jahren ist die Saarländerin Physiotherapeutin der Frauen-Nationalmannschaft. Nun wird Gläsener "komplett sesshaft" an der Mosel.

Trier. Eine solche Kontinuität sucht man im aktuellen Kader der Handball-Miezen vergeblich: Zwölf Spielzeiten lief Anja Gläsener (38) im MJC-Trikot auf, gehörte zu den Spielerinnen, die - gemeinsam mit dem damaligen Trainer Wolfgang Rommel - den Durchmarsch aus der Regionalliga in die Erste Liga schafften. Und zum Höhepunkt - dem Gewinn der deutschen Meisterschaft 2003 - hörte Gläsener, die 1991 nach Trier kam, auf. Ihr letztes Spiel für die Miezen war das unglücklich verlorene Pokalfinale 2003 gegen Frankfurt/Oder.
Schon zu diesem Zeitpunkt war der berufliche Weg der Mettlacherin vorgezeichnet: Seit April 1999 war sie in der Klinik von Professor Wolfgang Menke im saarländischen Orscholz als Physiotherapeutin und Osteopathin beschäftigt, parallel kümmerte sie sich als Physiotherapeutin schon um Handballmannschaften.
Den Anstoß hatte Wolfgang Rommel gegeben, als er für die von ihm trainierten deutschen Juniorinnen medizinische Unterstützung suchte. Nach vier Jahren beim Nachwuchs wurde Anja Gläsener 2007 auch ins medizinische Team der Frauen-Nationalmannschaft aufgenommen, gleich bei "ihrer" ersten WM 2007 in Frankreich gewann Deutschland Bronze. Und 2008 folgte der große Höhepunkt: Olympia. "Ich musste mich ein halbes Jahr freistellen lassen, um einen speziellen Physiotherapeuten-Schein des Deutschen Olympischen Sportbunds zu erwerben, aber dann war ich in Peking dabei", sagt die frühere Rückraumspielerin. Den deutschen Frauen ist sie seither treu geblieben, auch am Wochenende gegen Ungarn kümmerte sie sich um die Blessuren der Spielerinnen in Trier - nachdem Gläsener als Physiotherapeutin mehrfach in einer ganz anderen Sportart gefragt war: bei der Rallye Dakar, erst für BMW, dann für das in diesem Jahr siegreiche Mini-Team.
Trier wird jetzt auch Mittelpunkt ihres Berufslebens, nachdem sie seit Saisonbeginn als Jugendtrainerin gemeinsam mit Wolfgang und Christiane Rommel zur DJK/MJC Trier zurückkehrte. Im Juni eröffnet Gläsener in den Räumen eines Trierer Fitnessstudios ihre eigene Praxis für Sportphysiotherapie und Osteopathie. BP