Hoffen auf Geld und Heimstärke

Trier · Als Tabellenvorletzter auf einem Nicht-Abstiegsplatz, in finanziellen Schwierigkeiten und ab Sonntag ohne Trainer - so stehen die Trierer Handball-Miezen nach dem Abschluss der Bundesliga-Hinrunde da. Aber der Vorstand gibt sich optimistisch, dass alle Probleme gelöst werden können.

 Für Interimstrainer Dago Leukefeld (hier beim Heimsieg gegen Celle) steht am Sonntag wohl das letzte Spiel mit den Trierer Miezen an. Der Verein spricht derzeit mit potenziellen Kandidaten, kann aber noch keinen neuen Namen präsentieren. TV-Foto: Willy Speicher

Für Interimstrainer Dago Leukefeld (hier beim Heimsieg gegen Celle) steht am Sonntag wohl das letzte Spiel mit den Trierer Miezen an. Der Verein spricht derzeit mit potenziellen Kandidaten, kann aber noch keinen neuen Namen präsentieren. TV-Foto: Willy Speicher

Trier. Zehn Spiele, zwei Punkte - noch nie in ihrer zwölfjährigen Bundesliga-Geschichte standen die Miezen so schlecht da. Aber dank des Rückzugs der insolventen Sindelfinger schon vor dem Saisonstart würde der vorletzte Rang reichen, um die Liga nach zwei hauchdünnen Klassenerhalten in 2010 und 2011 erneut zu halten. Doch noch drängender sind die finanziellen Probleme; zumindest werden die Spielerinnen nach Aussage von MJC-Vorstand Jürgen Brech nun erstmals seit September Geld erhalten. Der TV zieht die sportliche und finanzielle Vorrundenbilanz.

Die sportliche Situation: Neun - meist deutliche - Niederlagen, ein Sieg gegen das Schlusslicht Celle, und am Donnerstag ein niederschmetterndes 19:27 beim Drittletzten Göppingen. Besteht da noch Hoffnung? "Ja, auf jeden Fall", meint Interimstrainer Dago Leukefeld: "Diese Mannschaft hat das Potenzial, das eine oder andere Heimspiel zu gewinnen. Sollte es an Ostersamstag wirklich zum Showdown gegen Celle kommen, ist Trier besser." Große Hoffnungen setzen alle Beteiligten erstens darauf, dass sich die drei Serbinnen nun besser integrieren - und zweitens auf den Spielplan. "Abstiegskandidaten holen erfahrungsgemäß ihre Punkte zu Hause", sagte schon Ex-Trainer Thomas Happe. Und von den zehn Hinrundenspielen hatte die MJC gerade einmal drei in der heimischen Arena, und zwei davon gegen unerreichbare Gegner (Leipzig, Erfurt).
"Zu Hause vor unseren tollen Fans zu spielen, ist nicht nur schöner, sondern auch erfolgreicher", meint Jasmina Radojicic, bei der der Knoten scheinbar geplatzt ist mit insgesamt 17 Toren in den beiden vergangenen Spielen. "Unter Dago lief es besser", meint die Serbin.
Ein Problem: Thomas Happe hatte irgendwann genug und gab nicht mehr 100 Prozent, was sich auf Teile der Mannschaft abfärbte. Davon ausgenommen sind auf jeden Fall Kapitänin Silvia Solic oder auch Megane Vallet. Problematisch war natürlich auch die Doppelbelastung vieler Spielerinnen in der zweiten Mannschaft. Dennoch: "Wir schaffen das auf jeden Fall", ist sich Radojicic sicher. Mitte März weiß man mehr, wenn die Serie von fünf Heimspielen in Folge über die Bühne ist.
Die Trainersituation: Am 23. Dezember kündigte Thomas Happe nach 23 Monaten als Miezen-Trainer fristlos. Zum Glücksfall für die MJC entpuppte sich Ex-Meistermacher Dago Leukefeld, der gegen Celle und Göppingen auf der Bank saß - und das auch im Pokalspiel am Sonntag (16 Uhr) beim Zweitligisten Nellingen machen wird. "Dann ist aber definitiv Schluss", wiederholte er am Donnerstagabend nochmals. Wer die Miezen ab Montag trainieren wird, steht noch nicht fest. "Wir sind in konstruktiven Gesprächen, können aber noch keinen Namen nennen", sagte MJC-Vorstand Jürgen Brech am Donnerstagabend. Das nächste Ligaspiel steht am 21. Januar in Erfurt an. Bereits am Mittwoch, 25. Januar (19.30 Uhr) ist das (vorverlegte) nächste Heimspiel gegen Leverkusen.
Die finanzielle Situation: Miezen-Vorstand Jürgen Brech hat dem TV erstmals die lange erwarteten Gehaltszahlungen an die Spielerinnen angekündigt: "Ja, wir sind sehr zuversichtlich, bis Anfang der Woche einen Großteil unserer Verbindlichkeiten abgebaut zu haben, in Richtung der Spielerinnen und anderen", sagte Brech in Göppingen. Um wie viel Geld es sich dabei handelt, dazu äußerte er sich nicht.
Die Miezen warten seit September auf ihre Gehälter, mehrfach war eine Auszahlung der Gelder für September und Oktober angekündigt worden, die durch eine Sponsorenzahlung in Höhe von rund 100 000 Euro beglichen werden sollten.
Brech: "Ja, Geld wird fließen, aber wir müssen weiter kämpfen. Genau wie im sportlichen Bereich hängen die Trauben hoch, aber wir stehen auf der Leiter. Ich hoffe, dass die Handball-Familie zusammensteht."
Sollte die avisierte Zahlung eingegangen sein, dürfte das unter anderem ein Signal in Richtung eines Großsponsors sein. Denn der hat eine Unterstützung unter anderem an diese Sponsorenzahlung geknüpft.
"Ich wünsche mir, dass andere regionale Sponsoren nun ebenfalls für den Fortbestand des Frauenhandballs in Trier sorgen", meint Leukefeld.
Vorteil für die MJC: Die Mannschaft ist absolut leidensfähig: "Wenn ich auf dem Feld stehe, denke ich zu keinem Zeitpunkt ans Geld, sondern nur an Handball", sagt Radojicic, eine von vier Profis im MJC-Kader. Im Gegensatz zu anderen berufstätigen Miezen hat sie keine weiteren Einnahmen.

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