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Jetzt gilt's: Das erste von drei Abstiegs-Endspielen für die Miezen

Jetzt gilt's: Das erste von drei Abstiegs-Endspielen für die Miezen

Diesmal müssen sie gewinnen: Mit neuem Mut und nach einer intensiven siebenwöchigen Vorbereitung stehen die Trierer Miezen am Samstag (19 Uhr) beim Tabellenletzten HSG Bad Wildungen unter einer absoluten Siegpflicht - es ist der Auftakt zu drei "Abstiegs-Endspielen".

Trier. Der "Verrückte" hat Eindruck gemacht bei Verena Flöck und Jessica Kockler. Am Donnerstag war der frühere Handball-Nationaltorwart Chrischa Hannawald extra aus Essen angereist, um den MJC-Torhüterinnen Beine zu machen - unentgeltlich, als Freundschaftsdienst für seinen alten Kumpel Jörn Ilper. Hannawald ist absolut extrovertiert und emotional - und vor allem die Emotionen auf dem Feld standen für die Miezen-Torfrauen im Vordergrund. "Sie sollen sich, ihre Mannschaft und die Fans nach Paraden mehr nach vorne pushen, sie müssen emotionaler werden. Und das hat ihnen dieser Handballverrückte gezeigt. Es war eine sehr positive Einheit", sagte Ilper. Emotionen, positive Energie, Selbstvertrauen und der Glaube an die eigene Stärke - das sind Tugenden, die am heutigen Samstag gefordert sind. Der Tabellenvorletzte aus Trier (2:16 Punkte) gastiert bei Schlusslicht HSG Bad Wildungen (0:18 Zähler), die nicht nur sportlich mit dem Rücken zur Wand steht (siehe Extra). "Das ist das erste von drei Abstiegsendspielen. Und in Bad Wildungen müssen wir gewinnen, egal wie. Und ich bin zuversichtlich, dass wir das auch schaffen", macht Ilper unmissverständlich klar. Innerhalb von drei Spieltagen kann sich das Schicksal der Miezen komplett wenden, denn nach der Partie in Nordhessen ist die MJC am 30. Dezember (16 Uhr) und 5. Januar (19.30 Uhr) Gastgeber von Blomberg (letztes Hinrundenspiel) und Aufsteiger Metzingen, der einzigen Mannschaft, gegen die bisher ein Sieg gelang. "Mindestens vier Punkte" lautet Ilpers Ziel für diese "Handball-Trilogie im Keller". Sieben Wochen hatte die Mannschaft Zeit, sich vorzubereiten - die Testspielergebnisse lassen aufhorchen: Zunächst gelang ein deutlicher Sieg gegen den französischen Rekordmeister Metz, diese Woche folgte ein Remis gegen Yutz (ebenfalls Frankreich). "Wir hatten deutlich geführt, dann begann ich zu experimentieren", sagt Ilper. In der Sommervorbereitung hatte Trier gegen beide Gegner noch deutlich verloren. Vor der EM-Pause hatte Ilper insgeheim noch auf eine Verstärkung gehofft, diese blieb jedoch aus, der Kader ist der gleiche geblieben. "Aber wir sind nun ganz anders aufeinander eingespielt, die Abläufe funktionieren, auch wenn es manchmal für die Spielerinnen etwas problematisch war, Handball, Job und Studium unter einen Hut zu bringen", gesteht der Trainer. Und vor den Wochen der Wahrheit sind alle Spielerinnen fit. BP MJC Trier (Kader): Flöck, Bocka - Derbach, Jelicic, Cabeza, Adeberg, Schmele, Vallet, Zelmel, Czanik, SolicExtra

Kasse leer, Trainer weg, Sponsor weg: Beim Frauen-Handball-Bundesliga-Schlusslicht Bad Wildungen ging es in den vergangenen Wochen hoch her: Im Oktober wurde ein Insolvenzantrag gestellt, Geschäftsführer Dirk Ex trat zurück. Nach dem letzten Spiel vor der EM-Pause wurde Trainer Markus Berchten entlassen, zudem gab die Hauptsponsorin ihren sofortigen Rückzug bekannt. Einige Spielerinnen verließen die "Vipers", lange Zeit stand nicht einmal fest, ob die Saison zu Ende gespielt wird. Mit Karsten Moos wurde ein Interimstrainer eingestellt, am Donnerstag erklärten sich die Spielerinnen bereit, auf drei Monatsgehälter zu verzichten, um die Insolvenz abzuwenden, mittlerweile wurde auch eine neue Betriebsgesellschaft gegründet, die allerdings aufgrund von Altlasten im sechsstelligen Bereich wieder vor Insolvenz steht - somit steht immer noch nicht fest, ob bis zum Saisonende gespielt wird. Wird die Mannschaft vorzeitig zurückgezogen, steht die HSG als erster Absteiger fest, alle Punkte werden den jeweiligen Gegnern wieder abgezogen. Wird das Insolvenzverfahren eröffnet, steht Bad Wildungen ebenfalls als erster Absteiger fest, dann steigt nur eine weitere Mannschaft aus dem Oberhaus in die 2. Liga ab, wie schon im Vorjahr. BP