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Jetzt heißt es Krallen zeigen!

Jetzt heißt es Krallen zeigen!

Die Bundesliga-Handballerinnen der DJK/MJC Trier geben sich vor dem Saisonstart am Samstag kämpferisch. Das Motto lautet: "Genug geschnurrt." Am einzig realistischen Ziel Klassenerhalt gibt es aber nichts zu deuteln.

Trier. Im Hintergrund erstrahlt Triers Wahrzeichen Nummer eins in voller Pracht. "Wie die Porta Nigra haben auch wir schon viele Stürme erlebt", zieht MJC-Vorstandsmitglied Jürgen Brech während der Mannschaftspräsentation der Miezen im Mercure-Hotel einen Vergleich. Was Mannschaft und Bauwerk eint: Sie existieren immer noch.
Dank eines "kostenlosen Upgrades", wie Moderator Sebastian Lindemans den abgewendeten sportlichen Abstieg umschreibt, darf die MJC in ihre 14. Erstliga-Saison gehen. Brech sieht die Grundlagen für einen erfolgreichen Kampf um den Klassenerhalt gelegt: "Solch ein strammes Fitnessprogramm wie in den ersten vier Wochen der Vorbereitung hat es bei uns noch nicht gegeben."Blaue Flecken für die Konkurrenz


Die Spielerinnen zeigen sich motiviert. "Viele hatten uns nach dem Abstieg abgeschrieben. Jetzt können wir zeigen: Mit uns ist weiter zu rechnen", sagt Außenspielerin Judith Derbach. Von den Neuzugängen hinterlässt an diesem Abend Rückraumspielerin Maria Krøyer einen besonders aufgeräumten Eindruck. Ihre offene Art, äußerlich dokumentiert durch eine lässige Kleidung und ein großes Tattoo auf dem linken Oberarm, unterstreicht sie mit lockeren Aussagen: "Meine Erwartungen an die Saison? Ich will Spaß haben!"
Freude alleine wird nicht reichen, um den Klassenerhalt zu schaffen. "Die erste Liga wird für uns alle ein kleines Abenteuer. Wir müssen kämpfen ohne Ende", prognostiziert Esther Mohr, die von der TG Konz zur MJC gestoßen ist. Nachdem die Miezen in den vergangenen Jahren viel einstecken mussten, soll der Spieß nun umgedreht werden. "Genug geschnurrt", heißt die in ein neues Vereinslogo gegossene Botschaft. "Wir müssen den Gegnern mehr blaue Flecken zufügen", sagt Silvia Solic in Anlehnung an das harte Brot einer Kreisläuferin.
"Uns steht viel Arbeit bevor, um in der ersten Liga zu bleiben", gibt sich Cristina Cabeza, die neue Spielertrainerin der Miezen, keinen Illusionen hin. Sie steht gemeinsam mit Co-Trainerin Jana Arnosova in der sportlichen Verantwortung. Wie es scheint, müssen die Schiedsrichter die neue Konstellation auf der Miezen-Bank erst noch verinnerlichen. Arnosova: "Zuletzt beim Turnier in den Niederlanden war Cristina mit manchen Schiedsrichter-Entscheidungen unzufrieden. Als sie mitspielte, äußerte sie sich auf dem Feld kritisch. Das ging weiter, als sie wieder auf der Bank Platz genommen hatte. Da kam der Schiedsrichter auf mich zu und meinte, ich solle meine Spielerin beruhigen, sonst sei sie raus. Da wurde es Cristina zu bunt. Sie rief: Ich bin die Trainerin!"
Sportlich strebt die MJC wieder in ruhigeres Fahrwasser, abseits des Handballfelds ist die finanzielle Konsolidierung eingeläutet worden. "Wir arbeiten daran, dass die MJC wieder zu einem seriösen und interessanten Ansprechpartner wird", sagt Brechs Vorstandskollege Peter Rohr. Eine Voraussetzung dafür ist ein Saisonetat, in dem die Ausgaben durch die Einnahmen gedeckt sind.
Rohr ist froh, dass der Club 1500 als Sponsorenpool für Kleinunternehmer und Privatförderer auf positive Resonanz stößt: "Vor einem Jahr hatten wir dort nur sechs Aktive, jetzt sind es bereits 24." Durch den Club deckt die MJC rund zehn Prozent ihres Saisonetats ab. Parallel muss die MJC peu à peu ihre Schulden abbauen. Bei dieser Aufgabe ist Durchhaltevermögen gefragt. Rohr: "Die Altlasten werden uns noch länger beschäftigen."