Kommentar zur Lage der Miezen: Kaum Glanzlichter

Trier · Vorletzter Platz, ein zu kleiner Kader, nur ein Sieg in zehn Spielen: Der Trierische Volksfreund zieht die Bilanz der Miezen-Hinrunde in der Frauen-Handball-Bundesliga, die mit dem Nachholspiel in Leipzig am 5. Januar abgeschlossen wird.

Es war allen klar, dass es schwer werden würde - nun gehen die Miezen mit einem Drei-Punkte-Rückstand auf den rettenden drittletzten Platz in die fast sechswöchige EM-Pause. Und morgen droht ohne eigenes Zutun weiteres Ungemach im Nachholspiel Bietigheim - Göppingen: Gewinnt Bietigheim, sind die Miezen Letzter, gewinnt Göppingen, müssen bereits fünf Punkte auf den Drittletzten aufgeholt werden. Der TV zieht die Bilanz.

Die Leistung: Vier guten Partien bei den Niederlagen in Sindelfingen, Blomberg und gegen Buxtehude sowie beim einzigen Sieg in Bietigheim stehen zwei erwartete Heimniederlagen gegen Erfurt und Leverkusen, eine Klatsche in Oldenburg sowie zwei Negativ-Höhepunkte mit Heimniederlagen gegen Göppingen und Rosengarten gegenüber.

Die Kernprobleme: Im Angriff sind die Miezen zu leicht ausrechenbar, die Verantwortung liegt nur auf Jelena Popovic (beste Mieze der Hinrunde) und Willemijn Karsten (noch zu schwankend). Die Außenspielerinnen Jana Arnosova und Megane Vallet enttäuschten, Kreisläuferin Tessa Cocx erhielt zu wenige Anspiele. Die Nachwuchsspielerinnen sind noch nicht so weit, die nötige Verantwortung zu übernehmen, den Torfrauen fehlte die Konstanz. Entscheidend für die Resultate sind also die fehlenden Wechselmöglichkeiten für Trainer Happe, der wie alle Fans auf die versprochene Nachverpflichtung wartet.

Die Psyche: Meist startete Trier gut, nach einem Durchhänger fehlten aber Selbstvertrauen, Geduld und Kraft, um wieder ins Spiel zu finden. Oft ließ sich die MJC zu schnell hängen - wie gegen Göppingen und Rosengarten.

Die Statistik: Auch alle Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Nur Schlusslicht Bietigheim hat weniger Tore erzielt, nur Bietigheim und Rosengarten haben im Schnitt mehr Gegentreffer als Trier kassiert. Die Miezen sind die einzige Mannschaft ohne Heimpunkt. Zumindest einen Podestplatz haben die Miezen immerhin: Mit 77 Treffern ist Neuzugang Popovic Dritte der Torschützenliste, zweitbeste MJC-Torjägerin ist Karsten (46 Tore, Rang 22).

Die Rückrunde: Auch der Blick auf die zwölf noch ausstehenden Spiele macht wenig Mut: Der einzige direkte Konkurrent, der noch in Trier antreten muss, ist Bietigheim am 2. Januar. Da die Miezen die entscheidenden Partien gegen Göppingen (22:28) und Rosengarten (27:34) zuhause vergeigt haben, müssen dort nun Auswärtssiege her. Vom Nachholspiel in Leipzig sollte die MJC ebenso wenig erwarten wie vom Neustart am 29. Dezember in Leverkusen.

Die Rechenspiele: Schon jetzt zeichnet sich ab, dass mehr als der rettende drittletzte Platz nicht drin ist, der Abstand zu Rang neun (Rosengarten) beträgt bereits sechs Punkte. Erreicht der Drittletzte Göppingen in der Rückrunde erneut fünf Punkte, müssen die Miezen schon weitere neun Zähler einfahren, um die Schwaben zu überholen. Die Rechnung klingt dennoch recht einfach: Heimsiege gegen Bietigheim, Sindelfingen und Frankfurt/Oder (letztes Spiel am 26. März), Auswärtserfolge in Rosengarten und Göppingen - alles durchaus möglich. Doch somit müsste die Zahl der Siege im Vergleich zur Hinrunde verfünffacht (!) werden.

Meinung

Wenig Geld wirft wenige Tore

Geld wirft (oder schießt) keine Tore, heißt es oft. Für die Miezen muss es dennoch heißen: Wenig Geld wirft wenig Tore. Der Kader ist zu größten Teilen den geringen finanziellen Möglichkeiten des seit Jahren nicht auf Rosen gebetteten Vereins geschuldet, Trainer Happe muss mit den Miezen tanzen, die auf der Hochzeit sind. Man war von vorneherein auf Abstiegskampf programmiert, aber nun sieht es düster aus. Aber was soll der Club machen? Finanzielle Risiken eingehen, um eine Neuverpflichtung zu realisieren, von der man nicht weiß, wie sie einschlägt? Die Öffentlichkeit würde es verstehen, wenn die MJC darauf verzichtet - selbst wenn dies den Abstieg zur Folge haben sollte. Dann doch lieber sauber wirtschaften und im Notfall auf die "Trierer Lösung" setzen, die TBB und Eintracht erfolgreich vorgemacht haben. Sportlich absteigen, dann aber die Liga halten, weil andere eben unsauber gewirtschaftet haben. Aber noch haben es die Spielerinnen in zwölf Partien selbst in der Hand, das Schicksal zu wenden. Fünf Siege müssen her - und dazu braucht die MJC ihre zuletzt enttäuschten Fans. b.pazen@volksfreund.de

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